WM-Evergreen: Mexiko im Porträt

Das lange Warten auf den großen Wurf

Von Jonas Wäckerle
Freitag, 04.12.2009 | 12:02 Uhr
Giovani Dos Santos gehört zu der neuen Generation mexikanischer Offensivspieler
© Imago
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Die Mexikaner sind Stammgast bei den Weltmeisterschaften. Trotz ansprechender Leistungen war aber meistens im Achtelfinale Schluss. In Südafrika starten die Mittelamerikaner mit einer Mischung aus gestandenen Abwehrspielern und jungen Offensiv-Talenten einen neuen Angriff auf das Viertelfinale.

Mit mittlerweile 13 Turnieren liegen die Mexikaner in der Rangliste der WM-Teilnahmen auf Platz fünf, direkt hinter den Großmächten Brasilien, Deutschland, Italien und Argentinien.

Die europäischen Spitzenteams aus England, Frankreich und Spanien liegen mit zwölf Teilnahmen unmittelbar dahinter.

Das lässt sich natürlich auch mit der recht einfachen Qualifikation erklären, schließlich gibt es im CONCACAF-Verband außer den USA - und das auch erst seit der WM 1994 - keine weitere Nation, die den Mexikanern über einen längeren Zeitraum Paroli bieten könnte.

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Das Achtelfinale ist Standard

Jedoch darf man die Mexikaner nicht nur wegen ihrer Teilnahmen, sondern auch wegen ihres Auftretens bei den Weltmeisterschaften getrost als Evergreen bezeichnen.

Mexiko erreichte seit einschließlich 1994 bei jeder WM das Achtelfinale. Das gelang im genannten Zeitraum sonst nur Brasilien, Deutschland und Italien.

Mit der gleichen Konstanz haben die Mexikaner in diesen Jahren aber auch alle Achtelfinalspiele vergeigt. Dabei verloren sie mal gegen Favoriten wie Argentinien (2006) oder Deutschland (1998) und mal gegen Überraschungsteams wie die USA (2002) und Bulgarien (1994).

Der große Wurf steht noch aus

Einzig bei den Heim-Weltmeisterschaften 1970 und 1986 gelang der Einzug ins Viertelfinale.

Das zeigt auch schon das Dilemma der Mexikaner: Sie sind regelmäßig dabei und spielen meistens gut mit, einen richtigen Erfolg, der den Menschen auch außerhalb Mexikos in Erinnerung bliebe, ist dabei aber noch nicht herausgesprungen.

Auf der großen Wurf müssen die Mittelamerikaner also noch warten.

Junge Spieler überzeugen beim Gold Cup

Einen neuerlichen Angriff auf das Viertelfinale werden die Mexikaner in Südafrika unter Javier Aguirre vornehmen. Aguirre betreute Mexiko schon bei der WM 2002, löste nun im April 2009 den erfolglosen Sven-Göran Eriksson als Nationaltrainer ab und verjüngte das Team deutlich.

Als im Juli 2009 der CONCACAF Gold Cup in den USA ausgespielt wurde, erlebten die Zuschauer ein junges mexikanisches Team, das ohne die bekannten (Alt-)Stars wie Rafael Marquez, Carlos Salcido, Cauthemoc Blanco  oder Jared Borgetti antrat.

Mexiko dominierte das Turnier und gewann schließlich im Finale mit 5:0 gegen die USA, die jedoch nach dem erfolgreichen CONFED-Cup nur mit einer B-Mannschaft angetreten waren.

Trotzdem deutete das junge Team sein Potential vor allem in der Offensive eindrucksvoll an.

Erfahrung in der Defensive

In Südafrika wird die Mannschaft mit einer guten Mischung aus erfahrenen und frischen, unbekümmerten Kräften antreten.

Den erfahrenen Mannschaftsteil bildet eindeutig die Defensive: Mit Rafael Marquez, Carlos Salcido, Ricardo Osorio und auch dessen ehemaligem VfB-Kollegen Pavel Pardo werden bei der WM auch wieder bekannte Spieler auf dem Rasen stehen, die beim Gold Cup nicht dabei waren.

Zudem hat sich seit der WM 2006 noch der 28-jährige Jonny Magallon in die Mannschaft gespielt.

Im Tor sieht alles danach aus, als ob der 24-jährige Guillermo Ochoa den Vorzug vor dem erfahrenen Oswaldo Sanchez (36) erhält.

Generationswechsel im Sturm

In der Offensive zeichnet sich ein Generationswechsel ab, der schon in Südafrika endgültig vollzogen werden könnte.

Während Jared Borgetti (36) wohl gar nicht mehr für die WM nominiert wird, werden sich die bekannten Stürmer Guillermo Franco (30), Omar Bravo (29) und Cuauhtemoc Blanco (33) mit ihren jungen Kollegen um die Plätze im Angriff streiten.

Zu diesen gehört zum Beispiel der 20-jährige Carlos Vela, der nach einer starken Saison in Osasuna 2008 zum FC Arsenal wechselte, wo er bisher aber nicht über die Reservistenrolle hinauskam.

Dos Santos glänzt beim Gold Cup

Ein weiterer Premier-League-Reservist ist derzeit Giovani Dos Santos (20, Tottenham). Der talentierte Stürmer war schon beim FC Barcelona unter Vertrag und erzielte in fünf Champions-League-Spielen sogar ein Tor für die Katalanen. Beim Gold Cup 2009 wurde Dos Santos zum Spieler des Turniers gewählt.

Schon etwas älter -  aber frisch in der Nationalmannschaft - ist Miguel Sabah (30). Der Stürmer spielte noch nie in Europa, hat aber seine Chance beim Gold Cup (Torschützenkönig mit vier Toren) genutzt.

In der Folge kam Sabah - wie auch der 22-jährige Pablo Barrera - regelmäßig in der WM-Qualifikation zum Einsatz.

Guardado im Mittelfeld gesetzt

Zu den talentierten jungen Spielern gehört auch der 23-jährige Mittelfeldspieler Andres Guardado. Guardado kam schon bei der WM 2006 zu einem Einsatz im Achtelfinale gegen Argentinien und ist seit seinem Wechsel im Sommer 2007 Stammspieler bei Deportivo La Coruna.

Auch im Nationalteam hat sich Guardado während der WM-Qualifikation zum unumstrittenen Stammspieler entwickelt.

Im Mittelfeld stehen Guardado mit dem Arbeiter Gerardo Torrado (30) und dem quirligen Fernando Arce (29) zwei erfahrene Spieler zur Seite.

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