Die 14 Jahre alte Rechnung

Von Fatih Demireli
Dienstag, 04.05.2010 | 09:50 Uhr
Trabzonspor ist in der Süper Lig aktuell auf Platz fünf
© anadolu
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Trabzonspor und Fenerbahce stehen sich am Mittwoch im türkischen Pokalfinale gegenüber. Für Trabzon ist es die letzte Chance, den Europapokal zu erreichen. Doch für den Schwarzmeerklub hat das Endspiel gegen die Truppe von Christoph Daum eine weitaus größere Bedeutung. Eine 14 Jahre alte Rechnung soll in der GAP Arena zu Sanliurfa beglichen werden.

Die Triumph-Tafel des türkischen Fußballs liest sich ziemlich einseitig und Istanbul-lastig. In welche Dekade man auch blickt: die Meister heißen Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray.

Nur Trabzonspor durchbrach als erster und bisher einziger Klub die Istanbuler Vorherrschaft im türkischen Fußball: Trabzon holte sechs Mal die Meisterschaft und darauf ist man am Schwarzen Meer auch mächtig stolz.

Nur ein Problem gibt es dabei: die letzte Meisterschaft holte man 1984 und darauf ist man nun wiederum nicht sehr stolz. "Ich bin jetzt 59, bald bin ich 60 und ich träume in diesem Alter immer noch von der Meisterschaft", sagt Präsident Sadri Sener.

Keine Konstanz

Der Klub schickte sich immer wieder an, den Istanbuler Klubs ein Bein zu stellen, aber fehlende Kontinuität auf dem Präsidenten- und Trainerstuhl, falsche Transfers und die chronische Ungeduld standen im Wege.

In der vergangenen Saison sah es lange Zeit gut aus. Unter Ersun Yanal spielte Trabzon einen guten Fußball und kämpfte lange Zeit um den Titel - bis am Saisonende die Puste ausging. Nach einem 0:3 gegen Sivasspor musste Yanal gehen. Doch das eigentliche Drama Trabzonspors liegt noch weiter zurück.

Die Schmach von 1996

Die Saison 1995/96: Mit einem Sieg gegen Fenerbahce im heimischen Hexenkessel Avni Aker wäre die Meisterschaft perfekt. Trabzon ging dank Abdullah Ercan sogar mit 1:0 in Führung.

Die Fans bereiteten sich auf eine unendliche Feier mit dem traditionellen Horon-Tanz vor, aber anstatt kontrolliert zu spielen und das Ergebnis nach Hause zu fahren, spielte Trabzon taktisch unklug und verlor am Ende noch 1:2. Eine Woche später feierte Fener die Meisterschaft, Trabzon versank im Tal der Tränen.

Zeit für die Revanche

Der Stachel sitzt bis heute tief und vielleicht ist es Schicksal, dass sich beide Mannschaften auf den Tag genau 14 Jahre später wieder in einem Endspiel gegenüber stehen.

Das türkische Pokalfinale (Mi., 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) in der GAP Arena in Sanliurfa ist für Trabzon nicht nur die letzte Chance auf die Europapokal-Teilnahme - es ist weit mehr: "Fenerbahce hat uns 1996 die Meisterschaft weggenommen und jetzt wollen wir die Revanche für damals", sagt Trabzonspors Mittelfeldspieler Ceyhun Gülselam zu SPOX.

Die ohnehin große Rivalität beider Klubs ist seit dem Waterloo für den Schwarzmeerklub um ein Vielfaches gestiegen. "Jeder will den Pokal. Wir sind unglaublich heiß, den Cup zu holen", sagt Gülselam.

Günes ist heiß

Selbst bei den schwachen Leistungen in der Süper Lig drückt das sonst sehr kritische Umfeld, das schon bei Niederlagen in Testspielen gerne mal eine Trainerentlassung oder einen Komplettumbruch fordert, beide Augen zu. "Natürlich wollen wir auch in der Liga gewinnen, aber der Pokal ist schon was ganz besonderes. Wir wollen uns jetzt belohnen", so Gülselam.

Sogar Senol Günes, der selten seine Emotionen preisgibt, hat die Pokal-Euphorie erwischt: "Wir denken nur an das Finale. Selbst ich kann das Endspiel kaum noch abwarten. Ich hoffe, dass wir unseren Fans diesen ganz besonderen Sieg schenken können."

Auch Günes hat 1996 noch im Hinterkopf, war er doch damals Trainer Trabzonspors und musste nach dem geplatzen Traum gehen.

Präsident will keine Garantie geben

Eine schwere Aufgabe erwartet ihn aber allemal. Fenerbahce ist aktuell der formstärkste Klub der Süper Lig, ist seit acht Spielen ohne Gegentor und Niederlage.

"Ich kann keine Garantie geben, dass wir den Pokal holen. Das könnte ich tun, wenn ich spiele, aber danach sieht es aktuell nicht aus", sagt Präsident Sener.

Zumindest ihren Humor haben sie in Trabzon nicht verloren - die richtige Party steigt aber, wenn der Pokal geholt werden sollte. "Wir müssen die Saison jetzt einfach gut abschließen", sagt Mittelfeldspieler Gülselam. Und einen tiefsitzenden Stachel herausnehmen.

Kader, Profil, Ergebnisse: Trabzonspor im Steckbrief

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