Diyarbakirspor droht Liga-Ausschluss

Angst vor der Eskalation

Von Fatih Demireli
Dienstag, 16.03.2010 | 17:22 Uhr
Diyarbakirspor droht nach den Ausschreitungen in Istanbul ein Ausschluss aus der Liga
© anadolu
Advertisement
International Champions Cup
Do13:35
FC Bayern München -
Inter Mailand
UEFA Europa League
Do19:00
Sturm Graz -
Fenerbahce
Copa Sudamericana
Fr00:15
Arsenal -
Recife
Copa do Brasil
Fr02:45
Paranaense -
Gremio
First Division A
Fr20:30
Antwerpen -
Anderlecht
J1 League
Sa12:00
Gamba Osaka -
Cerezo Osaka
J1 League
Sa12:00
Kobe -
Omiya
International Champions Cup
Sa13:35
Chelsea -
Inter Mailand
Emirates Cup
Sa15:00
RB Leipzig -
Sevilla
Club Friendlies
Sa15:30
SV Werder Bremen -
West Ham
Premier League
Sa16:00
Kamjanske -
Schachtjor Donezk
Emirates Cup
Sa17:20
Arsenal -
Benfica
First Division A
Sa18:00
Lokeren -
Brügge
Super Liga
Sa19:00
Partizan -
Javor
Super Cup
Sa21:00
Monaco -
PSG
Serie A
So00:00
Palmeiras -
Avai
International Champions Cup
So00:05
Man City -
Tottenham
International Champions Cup
So02:05
Real Madrid -
Barcelona
CSL
So13:35
Shandong Luneng -
Shanghai SIPG
Emirates Cup
So15:00
RB Leipzig -
Benfica
Emirates Cup
So17:20
Arsenal -
Sevilla
First Division A
So18:00
St. Truiden -
Gent
Superliga
So18:00
Brondby -
Lyngby
Super Liga
So19:00
Rad -
Crvena zvezda
Serie A
So21:00
Corinthians -
Flamengo
International Champions Cup
So22:05
AS Rom -
Juventus
Club Friendlies
So22:30
Bayer 04 Leverkusen -
Lazio Rom
Serie A
Mo00:00
Gremio -
Santos
Premier League
Mo18:30
Spartak Moskau -
Krasnodar
Ligue 2
Mo20:45
Auxerre -
Lens
Club Friendlies
Di18:30
St. Pauli -
Stoke
Copa Sudamericana
Mi00:15
Libertad -
Huracan
Club Friendlies
Mi19:00
Villarreal -
Real Saragossa
UEFA Champions League
Mi19:45
Basaksehir -
Brügge
Copa Sudamericana
Do00:15
LDU Quito -
Club Bolívar
Serie A
Do02:45
Santos -
Flamengo
Copa Sudamericana
Do02:45
Olimpia -
Nacional
Copa Sudamericana
Fr02:45
Atletico Junior -
Deportivo Cali
Ligue 2
Fr20:00
Lens -
Nimes
First Division A
Fr20:30
Lüttich -
Genk
Ligue 1
Fr20:45
Monaco -
Toulouse
Championship
Fr20:45
Sunderland -
Derby
J1 League
Sa12:00
Kashiwa -
Kobe
Premiership
Sa13:30
Celtic -
Hearts
Club Friendlies
Sa16:00
Crystal Palace -
FC Schalke 04
Championship
Sa16:00
Fulham -
Norwich
Club Friendlies
Sa16:45
RB Leipzig -
Stoke
Ligue 1
Sa17:00
PSG -
Amiens
Club Friendlies
Sa18:15
Liverpool -
Bilbao
Club Friendlies
Sa18:30
Tottenham -
Juventus
Championship
Sa18:30
Aston Villa -
Hull
Ligue 1
Sa20:00
Lyon -
Straßburg
Ligue 1
Sa20:00
Metz -
Guingamp
Ligue 1
Sa20:00
Montpellier -
Caen
Ligue 1
Sa20:00
St. Etienne -
Nizza
Ligue 1
Sa20:00
Troyes -
Rennes
CSL
So13:35
Shanghai SIPG -
Tianjin Quanjian
First Division A
So14:30
Gent -
Antwerpen
Ligue 1
So15:00
Lille -
Nantes
Allsvenskan
So15:00
Sundsvall -
Östersunds
Club Friendlies
So17:00
SC Freiburg -
Turin
Ligue 1
So17:00
Angers -
Bordeaux
Club Friendlies
So17:00
Brighton -
Atletico Madrid
Championship
So17:30
Bolton -
Leeds
First Division A
So18:00
Anderlecht -
Oostende
1. HNL
So19:00
Dinamo Zagreb -
Hajduk
Club Friendlies
So20:30
Inter Mailand -
Villarreal
Copa Libertadores
Mi02:45
River Plate -
Guarani
J1 League
Mi12:00
Shimizu -
Osaka
J1 League
Mi12:00
Kobe -
Kashima
League Cup
Mi20:45
Colchester -
Aston Villa
Copa Libertadores
Do00:15
Gremio -
Godoy Cruz
Club Friendlies
Do02:00
Sevilla -
AS Rom

Nach zwei Spielabbrüchen in zwei Wochen droht Diyarbakirspor der Ausschluss aus der Süper Lig. Doch jetzt mischt sich auch die Politik ein und die Ausschreitungen haben wohl nicht nur sportliche Hintergründe. Die Kurden-Problematik in der Türkei hat spätestens jetzt auch den Fußball erreicht. Der Verband steckt jetzt in der Zwickmühle und muss vielleicht sogar die eigenen Regeln missachten.

Mahmut Özgener war das Glück ins Gesicht geschrieben. Er sprach von einem "historischen Tag" für den türkischen Fußball.

Unzählige Male erwähnte der Präsident des türkischen Fußballverbandes, wie "glücklich" und "froh" er doch sei, weil er gerade Guus Hiddink vorstellen durfte.

Die Türkei nahm den zurzeit wohl populärsten Fußball-Lehrer Europas als Nationaltrainer unter Vertrag - ein weiterer Meilenstein für das aufstrebende Fußball-Land.

Die Türkei hat ein Problem

Doch zum Ende der Veranstaltung verlor Özgener sein fröhliches Gesicht und blickte finster in die Menschenmenge.

Das Thema war nicht mehr Hiddink, nicht mehr große Ziele, nicht mehr die Bewerbung für die EURO 2016, sondern die Vorfälle um Diyarbakirspor.

Der Klub hat seit Jahren nicht nur mit den Alltagsproblemen eines Fußball-Vereins zu kämpfen. Diyarbakir, Hochburg der Kurden-Region im Südosten der Türkei, ist ein Fall für die Politik.

Und auch der türkische Fußball hat seit zwei Wochen ein ernstes Problem mit dem Verein. Zwei Mal in Folge musste ein Ligaspiel Diyarbakirspors vorzeitig abgebrochen werden. Zuletzt beim Gastspiel gegen Istanbul Büyüksehir Belediyespor nach 88 Minuten. Zuvor zuhause gegen Bursaspor sogar nach 17 Minuten.

Regeln schreiben Zwangsabstieg vor

Zwei Mal waren es Zuschauerausschreitungen, die in Diyarbakir Schiedsrichter Mustafa Kamil Abitoglu und in Istanbul Hüseyin Göcek zum Abbruch zwangen.

Das Regelbuch lässt eigentlich nur eine Konsequenz zu: Paragraph 20 schreibt vor, dass ein Klub, der zwei Mal einen Spielabbruch verantwortet, aus dem laufenden Spielbetrieb ausgeschlossen und in der Folgesaison in die nächsttiefere Liga versetzt wird. Doch die Umsetzung ist problematisch - der Verband steckt in der Zwickmühle.

Erste Sperre steht fest

Zumal noch viele Fragen offen sind: Unbestritten ist es, dass Diyarbakirspor für die schlimmen Ausschreitungen im Heimspiel gegen Bursaspor verantwortlich war. Zehn Personen, unter anderem Schiedsrichter-Assistent Kemal Yilmaz, wurden verletzt.

Der Verband hat hier bereits eine Stadionsperre von drei Spielen ausgesprochen. Das Spiel wird mit 3:0 für Bursaspor gewertet. Doch der zweite Vorfall wirft Fragen auf.

"PKK raus!"

Obwohl der Klub und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK nicht im geringsten miteinander zutun haben, wird die Mannschaft bei Auswärtsspielen immer wieder mit "PKK raus!"-Rufen konfrontiert.

Besonders im Hinspiel bei Bursaspor nahmen die Rufe ein besonders hohes Ausmaß. Diyarbakir-Fans schworen daraufhin Rache und ließen ihren Drohungen Taten folgen.

In Istanbul gab es diese Rufe aber nicht - aus guten Gründen: Istanbul Büyüksehir Belediyespor hat einfach keine Fans und im Olympiastadion gab es ohnehin 20.000 Zuschauer, die mit Diyarbakir sympathisierten. Rund 50 von ihnen nahmen das 0:1 kurz vor Schluss zum Anlass, den Rasen zu stürmen.

Kritik an Schiedsrichter Göcek

"Das sind nicht unsere Fans, das sind Provokateure", schimpfte Diyarbakirspor-Präsident Cetin Sümer direkt nach dem Spiel.

In der Kritik steht auch Schiedsrichter Hüseyin Göcek. Ihm wird vorgeworfen, voreilig das Spiel abgebrochen zu haben. "Göcek hat überreagiert. Die Sicherheitskräfte haben sofort für Ordnung gesorgt und es gab keine bedrohliche Situation mehr", kritisierte Istanbuls Gouverneur Muammer Güler.

Kampf um die Stadt Diyarbakir

Nach einem Bericht der Zeitung "Vatan" liegen Informationen vor, wonach einige Personen, die den Platz in Istanbul stürmten, schon bei Demonstationen der PKK gesichtet worden sein.

Der Fall ist längst ein Thema der Politik. Diyarbakir, die Stadt mit vorwiegend kurdischer Bevölkerung, wird auch von der PKK als wichtiger Stützpunkt gesehen.

Die türkische Regierung um Premier Minister Recep Tayyip Erdogan dagegen ist bemüht das Kurden-Problem zu lösen. Einige Maßnahmen wurden in den letzten Wochen und Monaten eingeleitet, kurdisch-sprachige TV-Sender und Wahlfächer erlaubt. Ein Zwangsabstieg würde die Situation verschärfen.

"Ein Fall von Provokateuren"

"Das hat nichts mit Sport zutun. Das ist eine Aktion von Provokateuren, die eine Entzweiung zwischen Türken und Kurden fördern wollen", sagt Devlet Bahceli, Chef der Oppositionspartei MHP. Ein seltener Moment, in der Regierung und Opposition einer Meinung sind.

"Ein Zwangsabstieg würde nur den Leuten in die Karten spielen, die eine Lösung der Kurden-Frage verhindern wollen", sagt Ahmet Cakar, Ex-FIFA-Schiedsrichter und heutiger TV-Experte. Obwohl die Regeln für einen Zwangsabstieg Diyarbakirspors sprechen, wird es wohl dazu nicht kommen.

Wie entscheidet sich der Verband?

Auch die Regierung macht Druck: "Wir wollen, dass Diyarbakirspor seinen Weg in der 1. Liga weitergeht", sagt der stellvertretende Ministerpräsident Cemil Cicek. "Das ist nur unser Wunsch, die Entscheidung liegt aber beim türkischen Verband." Der Wink von ganz oben sollte dennoch angekommen sein.

Der Verband will am Freitag eine Entscheidung treffen. Das naheliegende Szenario ist, dass das Spiel mit 1:0 für Büyüksehir gewertet wird und somit ein Zwangsabstieg Diyarbakirs verhindert wird.

"Ob sie uns jetzt in die zweite Liga schicken oder nicht, ist mir inzwischen egal. Wir sind erschöpft", sagt Diyarbakir-Präsident Cetin Sümer. Während er das sagt, wirkt er wie Mahmut Özgener. Finsterer Blick in die Menschenmenge. Keine Spur von Glück...

Diyarbakirspor im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung