Fussball

Alvaro Morata wechselt von Chelsea zu Atletico Madrid: Zurück auf Los

Von Jonas Rütten
Kehrt nach fast 20 Jahren in seine sportliche Heimat zurück: Chelsea-Stürmer Alvaro Morata wechselt auf Leihbasis zu Atletico Madrid.

Für Alvaro Morata war das Jahr 2018 eines zum Vergessen: Beim FC Chelsea enttäuschte er über weite Strecken, die Weltmeisterschaft in Russland verfolgte er vor dem Fernseher. Im neuen Jahr soll alles besser werden und dafür geht Morata dorthin zurück, wo alles vor mehr als zehn Jahren angefangen hat.

Ob Alvaro Morata wohl in den vergangenen Wochen Monopoly gespielt hat? Dieses Brettspiel, welches erfahrungsgemäß schon die eine oder andere kurzweilige Familienfehde verursacht hat? Mit Sicherheit sagen lässt sich das nicht.

Allerdings wirkt es dieser Tage so, als hätte sich der 26 Jahre alte Stürmer in Diensten des FC Chelsea von eben jenem Brettspiel inspirieren lassen. Als hätte er eine Ereigniskarte in seinem ganz eigenen Karriere-Monopoly gezogen, die ihm befiehlt, auf "Los" vorzurücken.

Das Regelwerk des herkömmlichen Spiels sieht vor, dass das für den Spieler ein ungemein positives Ereignis ist. "Wenn sie über Los gehen oder darauf landen, erhalten Sie von der Bank die auf dem Spielplan abgebildete Summe", heißt es da. Besonders wenn der Spieler nahezu pleite ist, ein ungemein freudiges Ereignis.

Alvaro Morata wechselt zu Atletico Madrid: Alles auf Anfang

Alvaro Morata ist zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in finanziellen Nöten. Doch gerade er benötigte dringend eben jene Ereigniskarte, die einen Spieler zurück an den Startpunkt bringt, nachdem es für ihn im Jahr 2018 immer nur noch schlimmer zu laufen schien.

Ein Jahr, in dem er in fast 50 Pflichtspielen für den FC Chelsea gerade einmal zehn Tore gemacht und in der spanischen Nationalmannschaft bis weit nach der WM überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Morata hat daraus nun die Konsequenzen gezogen und einem Wechsel auf Leihbasis mit Kaufoption zu Atletico Madrid zugestimmt. Es ist Moratas persönliche "Zurück auf Los"-Karte.

Schließlich kehrt er zu dem Verein zurück, bei dem er von 2005 bis 2007 noch als Jugendlicher gemeinsam mit David de Gea und Koke gespielt hatte. Dem Verein, dessen Trainer Jose Maria Amorrortu Morata in die zweite Garde abgeschoben und den er daraufhin über den Umweg Getafe in Richtung des königlichen Stadrivalen Real Madrid verlassen hatte.

Morata bei Real Madrid: Im Schatten der Großen

Dort sah man in ihm das Potenzial, was sie bei Atletico in der Jugend übersehen hatten. Morata traf regelmäßig, war mit 34 Toren in der Meisterschaftssaison der A-Jugend eine wichtige Stütze und empfahl sich im August 2010 für die zweite Garde der Königlichen. Sein Pflichtspieldebüt bei den Profis gab er mit 18 Jahren - damals noch unter Jose Mourinho.

Doch als er 2012 weit genug war und endlich einen Platz in dem mit Stars gespickten Kader hatte, war die Konkurrenz in der Offensive mit klangvollen Namen wie Cristiano Ronaldo, Karim Benzema oder Gareth Bale schlichtweg zu groß. Morata machte nur selten Spiele von Beginn an und stand trotz seines Rufes, ein kommender Superstar zu sein, im Schatten der Großen. Meistens kam er erst 10 oder 20 Minuten vor Schluss zum Zug.

Ein Umstand, der Morata mit zunehmender Dauer missmutig stimmte. "Ich brauche Spiele von Anfang an. Ich brauche Kontinuität. Nur so kann ich ein ganz hohes Level erreichen", sagte Morata einmal im Gespräch mit dem Guardian über sich selbst. Jene Kontinuität glaubte er 2014 endlich gefunden zu haben, als er einen Fünfjahresvertrag bei Juventus Turin unterschrieb.

Moratas Statistiken und Leistungsdaten bei Real, Juve und Chelsea

VereinSpieleToreTorvorlagen
FC Chelsea723112
Real Madrid952712
Juventus Turin932719

Morata bei Juventus Turin: Gute Zeiten, Schlechte Zeiten

Dort, in der Serie A, fühlte sich Morata gebraucht, weil Antonio Conte ihn unbedingt haben wollte und ihn von einem Wechsel überzeugte. Doch mit der Konitnuität im Business Fußball ist das so eine Sache. Ehe Morata bei der Alten Dame ankam, war Conte schon neuer Trainer der italienischen Nationalmannschaft.

Dennoch fügte sich Morata verhältnismäßig gut ein, gewann mit Juve das Double, schockte sogar seinen Ex-Klub Real Madrid im Champions-League-Halbfinale mit zwei Toren im Hin- und Rückspiel und führte die Alte Dame ins Finale gegen Barcelona, wo er ebenfalls traf.

Doch in seiner zweiten Saison erlebte er "dunkle Tage", wie er selbst sagte. Tage, an denen ihm selbst im Training nichts gelingen wollte. Tage, an denen er weinte und von Gigi Buffon getröstet werden musste, der ihn aber auch darauf hinwies, dass er das lieber zu Hause machen solle. Dort, wo es niemand sehen konnte.

"Ich fühlte mich verloren. Es waren nicht nur die fehlenden Tore", gab Morata später im Gespräch mit dem Guardian zu. Es sei "ein bisschen was von allem gewesen. Ich habe mein Zuhause jung verlassen, musste mich bei Juve beweisen. Ich wusste nicht wo meine Zukunft sein wird, weil Real Madrid noch eine Rückkaufoption hatte", sagte der damals 24-Jährige. Alles änderte sich, als er seine heutige Frau Alice kennenlernte. Das sagt Morata zumindest. Danach habe er wieder in die Spur gefunden, sich wichtig gefühlt, Tore geschossen, fast jedes Spiel gemacht.

Moratas Missverständnis mit Chelsea: Ein gutes halbes Jahr

Davon nahm auch Real Madrid Notiz und holte Morata für 30 Millionen Euro zurück, nur um ihn ein Jahr später, 15 Saisontreffern zum Trotz, an Chelsea weiterzuverkaufen. Und das für mehr als das doppelte. Wieder hatte Conte seine Finger im Spiel. Und als Morata in den ersten 14 Premier-League-Spielen neun Tore machte und dazu noch vier weitere vorbereitete sowie zwölfmal von Beginn an und fast immer über 90 Minuten spielte, schien es so, als sei Morata endlich da angekommen, wo er immer hinwollte.

Auf eine schwache Rückrunde Moratas, in der er immer weniger Spielzeit bekam, folgte die Trennung zwischen den Blues und Conte. Dessen Nachfolger Maurizio Sarri vertraute im Laufe der aktuellen Saison dann immer mehr Eden Hazard in der Sturmspitze.

Zwar sei Morata der bessere Spieler "in der Box und besser darin, Räume zu attackieren", doch Hazard habe diese Stärken mittlerweile adaptiert und sei zudem nach Sarris Ansicht der bessere Anspieler. Aussagen, die nicht im Ansatz für die Kontinuität sprechen, nach der Morata schon seine ganze Karriere lang sucht.

Jene Suche führt ihn nun zurück an den Anfang, zurück zu Atletico, zurück auf "Los". Dorthin, wo ihn sein Vater - ein bekennender Fan der Rojiblancos - immer schon am liebsten gesehen hätte. Bei Atletico dürften seine Chancen auf Kontinuität und einen Stammplatz angesichts der dürftigen Leistungsnachweise (1 Tor) und der Verletzung von Diego Costa (Fuß-OP) auch gar nicht so schlecht sein. Ein Gang auf "Los" hat zuimndest beim Monopoly noch niemandem geschadet.

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