Der FC Valencia nach Neuanfang im Aufwind

Endlich wieder Emotionen

Dienstag, 07.11.2017 | 13:00 Uhr
Der FC Valencia erlebt unter Trainer Marcelino einen Aufwind
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Der FC Valencia hat sportlich schwierige Zeiten hinter sich. Unter Trainer Marcelino blüht das Team aber auf und hat sich in der Primera Division zum ersten Verfolger des Tabellenführers FC Barcelona gemausert.

Der Fußball war in Valencia schon immer eine Herzensangelegenheit. Die großen Vereine aus Barcelona und Madrid konnten die Ches gelegentlich zwar überholen, auf lange Sicht waren sie Valencia aber stets mehrere Schritte voraus. Und doch wurde bei kaum einem anderen Verein derart leidenschaftlich gearbeitet wie beim FC Valencia.

In den letzten Jahren wurde aus dieser Leidenschaft den Umständen geschuldet mehr und mehr ein Geschäft. Der Einstieg von Peter Lim brachte viel Geld mit sich, genauso aber auch einen Gesellschafter mit durchschnittlichem Wissen und Gefühl für den Fußball.

Nicht zu vergessen die enge Verknüpfung Lims mit dem mächtigen Spielerberater Jorge Mendes, der einen Klienten nach dem anderen in Valencia unterbrachte. Aus Fußball wurde Geschäft und aus dem so stolzen Valencia ein Mittelfeldklub der Primera Division.

Gleichstarke Offensive wie Barcelona

In diesem Jahr ist vieles anders. Nach elf Spieltagen liegt Valencia in der Tabelle auf Rang zwei - und das wird auch nach dem zwölften Spieltag so sein. Vier Punkte Vorsprung haben die Fledermäuse schon auf Real Madrid gesammelt.

Das Team von Trainer Marcelino hat in der laufenden Liga-Saison noch kein Spiel verloren und stellt mit 30 Toren eine genauso starke Offensive wie der Tabellenführer aus Barcelona. Valencia ist stark in dieser Saison, so viel ist klar.

Woran das liegt, wird allerdings erst auf einen zweiten Blick deutlich. Valencia hat einen Schritt rückwärts gemacht, um zwei vorwärts zu machen. Von Absicht darf man in diesem Fall allerdings nicht sprechen.

Lim zog sich zurück

Vielmehr hat Investor Lim nach der schwachen letzten Saison seine Einflussnahme zurückgefahren. Der Geldgeber hat ein wenig den Spaß verloren an seinem Spielzeug, Mendes ist zu einem gewissen Teil ebenfalls weitergezogen. Valencia darf wieder Valencia sein.

Das neue Duo heißt Mateu Alemy und Marcelino. Sportdirektor und Trainer bilden eine sportliche Einheit. Geld steht nicht mehr im Vordergrund, dafür eine geschlossene Mannschaftsleistung und - auch dank sportlichem Erfolg - Kontinuität.

19 Feldspieler stehen Marcelino zur Verfügung. Der Trainer hat aus teuren Transfers, Schnäppchen, gescheiterten Talenten, Leihgaben und Jugendspielern einen funktionierenden Flickenteppich gebastelt. Nicht immer sehenswert, aber durchaus funktionell.

Zwischen Lato und Zaza

Da spielt der 16 Millionen Euro teure Simone Zaza Seite an Seite mit PSG-Leihgabe Goncalo Guedes, serviert werden die Flanken auf die beiden Stürmer vom 19-jährigen Toni Lato, dessen bisher größte Errungenschaft die Nominierung für die U21 Spaniens ist.

Alemany machte in Sachen Kaderplanung auch vor großen Namen nicht Halt. Alvaro Negredo ging für 2,5 Millionen Euro zu Besiktas, Enzo Perez zog es für die gleiche Summe nach Argentinien. Auf dem Papier ein Verlust von 50 Millionen Euro in einer einzigen Saison, beide wurden vor Jahren für 25 Millionen Euro verpflichtet.

Zum Star des Teams hat sich aber ein anderer Spieler aufgeschwungen. Der von Inter Mailand ausgeliehene Geoffrey Kondogbia stellt unter Beweis, warum die Italiener im Sommer 2015 satte 36 Millionen Euro für ihn auf den Tisch legten, um ihn bei der AS Monaco auszulösen.

Kondogbia ordnet das Mittelfeld

Der 24-jährige Franzose koordiniert das Mittelfeld des FC Valencia. Er agiert wie ein verlängerter Arm des Trainers, schiebt seine Mitspieler über den Platz und überzeugt selbst mit einer beeindruckenden Ballsicherheit sowie taktischer Intelligenz.

Für die Tore sorgt Zaza, neun Stück sind es bereits nach elf Spieltagen - mehr sind bisher nur Lionel Messi gelungen. Defensiv nicht zu vernachlässigen sind Ex-Barca-Spieler Martin Montoya auf der rechten Seite sowie das Duo aus Ezequiel Garay und Jeison Murillo in der Zentrale.

Vereint wird all dieses Potenzial von Marcelinos strategischer Sicht der Dinge. Der 52-Jährige war bereits beim FC Villlarreal dafür bekannt, einen nicht unbedingt spanischen Fußball von seinem Team einzufordern.

Marcelinos Taktik bringt Erfolg

Marcelinos Valencia tendiert ebenfalls in diese Richtung. Das Team verteidigt gerne in der eigenen Hälfte und setzt dann seine Konter. Rein defensiv sind die Ches aber nicht eingestellt, vielmehr kombiniert Marcelino Tugenden des Ballbesitzspiels mit guter Defensivarbeit und einer guten Umschaltbewegung.

Es geht nicht immer schnell in die Spitze. Marcelinos Team beherrscht auch das Spiel zwischen die Linien, wechselt die Seiten und sucht nach Lücken. Ein spannendes Konzept, das nicht zum ersten Mal Erfolg einbringt.

Dafür hat der FC Valencia auch die menschlich schwierige Seite des Trainers akzeptiert. Er ist ein Sturkopf, immer hoch emotional dabei. Bei einem Jubel zerrt er sich schon mal den Oberschenkel. Aber das gefällt den Leuten in Valencia. Dort ist Fußball wieder eine Herzensangelegenheit.

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