Fussball

Cristiano Ronaldo vor Serie-A-Debüt bei Juventus Turin: Aller Anfang ist leicht

Von Jonas Rütten
Freitag, 17.08.2018 | 12:30 Uhr
Cristiano Ronaldo macht heute sein erstes Pflichtspiel für Juventus.
© getty

Ausgerechnet in der Stadt, die durch Shakespeares Romeo und Julia weltberühmt wurde, gibt Cristiano Ronaldo heute sein Pflichtspieldebüt für Juventus Turin (ab18 Uhr live auf DAZN - im Probemonat sogar kostenlos! - und im LIVETICKER). Dass dieses aber zu einer Tragödie wird, ist unwahrscheinlich. Schließlich liegen CR7 brillante Leistungen in Auftaktspielen förmlich im Blut.

Romantik ist überall in der Stadt Verona. Dort, wo William Shakespeare eine der schönsten Tragödien stattfinden ließ, ist sie an fast jeder Ecke spürbar. Der romantische Stadtrundgang, der an der Casa di Giuliette beginnt und am Liebesbrunnen endet, ist nicht umsonst UNESCO-Weltkulturerbe.

Verona ist untrennbar verbunden mit Romeo und Julia, das Stück hat die Stadt berühmt gemacht. Da sind die beiden Fußballklubs Hellas und Chievo, sowie ihr Stadio Marcantonio Bentegodi für die meisten Touristen eher zweitrangige Sehenswürdigkeiten. Das ändert sich an diesem Samstag, wenn eine neue Attraktion die Bühne der Stadt betritt.

Sie nennt sich Cristiano Ronaldo und feiert ihre Uraufführung in der Serie A. Während Shakespeares Drama das bekannte tragische Ende nimmt, ist ein Happy End bei Ronaldos Premiere eigentlich vorprogrammiert. Den Grundstein für diese Annahme legte der Portugiese vor fast genau 15 Jahren am 16. August 2003.

Am ersten Spieltag lief es damals für Manchester United gegen die Bolton Wanderers noch nicht rund. Trotz einer 1:0-Führung war Sir Alex Ferguson unzufrieden. Kein Tempo, wenig Chancen, keine Kreativität, resümierte der Trainer in der Pause und brachte in der Hoffnung auf Besserung den 18 Jahre alten Ronaldo.

Ronaldo und seine starken Debüts

Eine knappe halbe Stunde später stand es 4:0 für Manchester. "Das war ohne Zweifel das beste Debüt eines Spielers, das ich je gesehen habe", sagte ein begeisterter George Best. Bolton-Trainer Sam Allardyce gab hinterher offen zu, gehofft zu haben, dass Ronaldo nicht einmal im Kader stehen würde.

Diese Hoffnung dürfte Miguel Angel Lotina sechs Jahre später erst gar nicht gehabt haben, als er mit Deportivo La Coruna am ersten Spieltag im Estadio Santiago Bernabeu gastierte. Natürlich stand der neue Rekordtransfer von Real Madrid in der Startelf. Natürlich gewann Real. Natürlich traf Ronaldo - und hörte mit dem Toreschießen auch so schnell nicht auf. Erst eine Sprunggelenksverletzung stoppte die Serie von fünf Treffern in den ersten fünf Ligaspielen.

Nun steht Ronaldo vor seinem nächsten Debüt. Dass es dieses Mal anders laufen wird als bei seinen Premieren in England und Spanien, ist unwahrscheinlich. Die Werte eines 20-Jährigen soll der eigentlich 33 Jahre alte Weltfußballer bei seinem Medizincheck in Turin aufgewiesen haben. Von Leistungsabfall keine Spur.

Cristiano Ronaldo und Paulo Dybala bei Juventus Turin: Batman und Robin

Davon zeugen auch seine bisherigen Auftritte im Juve-Trikot. Acht Minuten gegen die eigene U19 und fünf Minuten gegen die U23 benötigte CR7 für seine ersten beiden Treffer. Angesichts des überschaubaren Niveaus der Gegner scheint das auf den ersten Blick wenig aussagekräftig zu sein. Doch jeder Ronaldo-Treffer ist Wasser auf die Mühlen der CR7-Manie im Piemont.

"Es ist gut, dass die Fans träumen", sagt Juve-Trainer Massimiliano Allegri, bremst aber auch: "Wir müssen die Füße auf dem Boden behalten." Ein kleines Lächeln kann sich der 51-Jährige bei solchen Aussagen jedoch nicht verkneifen, denn sein Plan mit Ronaldo und Paulo Dybala gemeinsam in der Spitze scheint aufzugehen.

"Batman und Robin" taufte die Gazzetta dello Sport das Duo nach dem traditionellen Spaßkick gegen den eigenen Nachwuchs im 4000-Seelen-Dörfchen Villar Perosa. Dort hat die Industriellenfamilie Agnelli ihre Wurzeln. Vor 5000 Zuschauern und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen trafen sowohl Ronaldo als auch Dybala und harmonierten so, als würden sie schon jahrelang zusammenspielen.

Angesichts des angespannten Verhältnisses zwischen Dybala und Lionel Messi in der argentinischen Nationalelf hegten nicht wenige Zweifel daran, dass es zwischen CR7 und seinem neuen Sturmpartner auf Anhieb passen würde. Dybala etwa klagte vor der WM, dass es "ein bisschen schwierig" sei, mit Messi zusammenzuspielen. Ein Problem, dass er mit Ronaldo offensichtlich nicht hat.

Juves Taktik unter Allegri mit Cristiano Ronaldo: Vergnügt und mutig

Gegen die U19 ließ Allegri in einem 4-4-2 mit "Batman und Robin" als Doppelspitze agieren. Dass dieses System jedoch nicht in Stein gemeißelt ist, wird angesichts der Eigenarten von Allegri deutlich. "Oft kommt mir nachts vor dem Spiel ein ausgezeichneter Gedanke, und ich werfe die geplante Aufstellung und Taktik über den Haufen", erzählte der 51-Jährige einst.

Er konzentriere sich auf eine balancierte, aber offensive Ausrichtung. Ganz wichtig sei aber, dass die Spieler "sich vergnügen und mutig auftreten". Besonders Dybala wusste das in den vergangenen Jahren zu schätzen: "Er gibt mir alle Freiheiten", sagte der Stürmer, der in der abgelaufenen Saison 26 Tore in 46 Spielen erzielte.

Mit Ronaldo als Sturmpartner dürften Dybalas Freiheiten nicht weniger werden. Durch seine schiere Präsenz bindet der Portugiese zwangsläufig Defensivspieler, was Dybala wiederum Räume verschafft.

Fünf bis sechs potentielle Stammspieler auf der Juve-Bank

"Ronaldo wird bei uns da spielen, wo er schon immer gespielt hat, nämlich im vorderen Drittel. Dort wird er Tore schießen, genau wie er es schon immer getan hat", sagte Allegri.

Bei Real kam Ronaldo häufig über links mit Zug ins Zentrum, wo Karim Benzema lauerte. Ein ähnliches Konstrukt ist mit Mario Mandzukic und Dybala in einem 4-3-3 auch in Turin nicht ausgeschlossen.

Angesichts des prall gefüllten Mittelfelds mit Miralem Pjanic, Blaise Matuidi, Rodrigo Bentancur, Sami Khedira und Emre Can hat Allegri eine Menge Spielraum. Dazu kommen noch die Außenstürmer Douglas Costa, Juan Cuadrado und Federico Bernardeschi. Zwangsläufig werden also fünf bis sechs potenzielle Stammspieler auf der Bank Platz nehmen müssen.

Juve ohne Buffon und Higuain, aber mit Bonucci: Vergeben und vergessen

"Der Klub hat die Mannschaft des Vorjahres sehr verbessert", sagt Allegri über die getätigten Transfers. Tatsächlich hat sich auch abseits der Ronaldo-Verpflichtung einiges getan. Nach 17 Jahren endete mit dem Abschied von Keeper Gianluigi Buffon eine Ära.

Der Vereins-Ikone wurden ebenso keine Steine in den Weg gelegt wie Gonzalo Higuain, der nach nur zwei Jahren zum AC Milan weiterzog. Der Argentinier sah nach der Ankunft von Ronaldo keine Perspektive mehr.

Gonzalo Higuain: Tore und Assists bei Juventus Turin

SaisonSpieleToreTorvorlagen
2017/1850238
2016/1755324

Von den Rossoneri kehrte zudem Leonardo Bonucci nach nur einem Jahr zu Juve zurück. Bonucci, der nach seinem umstrittenen Wechsel im letzten Sommer nur wenig Kredit bei den Fans hat, verspricht jedoch für die Defensive das zu sein, was Ronaldo für die Offensive ist: kein weiteres Talent, sondern eine unmittelbare Verstärkung für das große Ziel, die Champions League nach 22 Jahren wieder nach Turin zu holen.

"Der Titel in der Champions League war auch vorher schon ein Ziel des Vereins, doch der Transfer von Ronaldo wird uns einen zusätzlichen Schub geben, dieses Ziel auch zu erreichen", sagt Allegri. Die Botschaft ist klar: Das italienische Double reicht in diesem Jahr nicht mehr. Auch die Tifosi, die Ronaldo nach vier Triumphen in der Königsklasse als personifizierte Titelgarantie mit "Bring uns die Champions League"-Rufen empfingen, sehen das so.

In Ronaldo kam der X-Faktor, der Juve in den vergangenen CL-Duellen gegen Barcelona (2015), den FC Bayern (2016) und Real (2017, 2018) gefehlt hat. In Bonucci kam ein zwar schwieriger Charakter zurück, der eine Mannschaft aber führen und stabilisieren kann.

Für den ultimativen Erfolg wurden bei Juventus Turin alte Kriegsbeile begraben und sehr viel Geld in die Hand genommen. Ronaldos Vita lässt auf einen erfolgreichen Einstand zum Ligastart schließen. Doch zumindest in Manchester und Madrid gelang es CR7 nicht, gleich in der ersten Saison den Henkelpott zu holen.

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