Die Raphael Honigstein Kolumne

Fünf Tops und fünf Flops der ersten Saisonhälfte

SID
Donnerstag, 15.01.2009 | 12:15 Uhr
Für Raphael Honigstein ist Chelseas Didier Drogba (l.) einer der großen Flops der bisherigen Saison
© Getty
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Weil die englische Liga keine Winterpause macht, ist es fast unmöglich, sich während der Saison einfach mal zurückzulehnen und Bilanz zu ziehen. Egal, hat sich Raphael Honigstein gedacht, und analysiert in seiner Kolumne für SPOX die Entdeckungen der ersten Saisonhälfte und die größten Verlierer.

Happy New Year, liebe User! Nach einer persönlichen Winterpause meldet sich Premier League Inside wieder zurück, und wie es sich für eine kompromisslos nach vorne schauende Kolumne gehört, gleich mal mit einem kleinen Rückblick.

Die englische Liga hat in der "Hinrunde" einige überraschende Aufsteiger hervorgebracht und ein paar überraschend schlechte Prominente. Hier ist meine "Top Five" der Newcomer und "Flop Five" der Arrivierten. Die Auswahl ist natürlich subjektiv, um nicht zu sagen: Geschmacksache, aber nicht willkürlich. Ich freue mich auf Einwände, Diskussionen, Gegenvorschläge und zustimmende Liebesbekundungen (für die Spieler, nicht für die Kolumne). Let's go.

Enttäuschungen

Didier Drogba (FC Chelsea): Bei den Blues standen, um ehrlich zu sein, zwei Drittel des Kaders in der engeren Verlosung; es ist viel schwieriger, Chelsea-Spieler zu finden, die von August bis Anfang Januar nicht enttäuscht haben. Trotzdem muss die Wahl leider auf Didi fallen. Der "Daily Telegraph" hat vor vielen Jahren einmal geschrieben, der Ivorer schaffe es, "im selben Spiel gleichzeitig wie der beste und schlechteste Stürmer der Welt" auszusehen. In dieser Saison hat er nur Letzteres geschafft. Ohne seine Wucht kommen die alten technischen Defizite zum Vorschein, unmotiviert schleppt er sich über den Platz und lässt sogar Nicolas Anelka wie einen wuseligen Aktivposten erscheinen. Man sieht dem 30-Jährigen an, dass er dringend aus London weg will.

Philipp Degen (Liverpool): Die Verpflichtung des Außenverteidigers aus der Schweiz war der Transfer-Coup des Jahres - für Philipp Degen. Der 25-Jährige kam zu dem lukrativen Drei-Jahres-Vertrag an der Anfield Road wie die buchstäbliche Jungfrau zum Kind. Ablösefreiheit schien das einzig ausschlaggebende Argument für den verletzungsanfälligen Liestaler zu sein. "You can't always get what you want", kommentierte der Pay-TV Sender "Setanta" aus Sicht der Reds schnippisch. Degen machte ein Spiel im August, wurde ausgewechselt und verletzte sich. Im November spielte der im Ligapokal, wurde ausgewechselt und verletzte sich. Nächstes Spiel: März/April. In der Reserve.

Emmanuel Adebayor (Arsenal): Kapitän William Gallas sorgte mit Miesmacher-Sprüchen und Zigarette im Mund für negativen Schlagzeilen, spielte aber letztlich eine akzeptable Hinrunde. Das lässt sich von Adebayor nicht sagen. Zugegeben, sieben Tore sind eine durchaus passable Bilanz für den Togoer. Aber wie schon in der vergangenen Saison, als der 24-Jährige sechsmal in zwei Spielen gegen Absteiger Derby traf, erzählen die Zahlen nur einen Teil der Geschichte. Drei von Adebayors Toren gelangen ihm beim 4:0 gegen Blackburn, er hat also nur in fünf seiner 18 Ligaspielen getroffen. Und das ist keine Zufall: Adebayor zeigt bei weitem nicht die Torgefahr und Präsenz wie im Vorjahr. Er wirkt unkonzentriert und seltsam lustlos. Ohne den Zielspieler laufen Arsenals Kombinationen ins Leere.

Luka Modric (Tottenham): Wir erinnern uns: der "neue Johan Cruyff" sollte er sein. Eine gewisse äußerlich Ähnlichkeit mit dem niederländischen Genie lässt sich tatsächlich nicht leugnen, aber mit einem mickrigen Ligator blieb der 24-Millionen-Euro-Mann von Dynamo Zagreb doch weit hinter den Erwartungen zurück. Zu mehr als ein paar guten Ansätzen hat es für Modric, 23, an der White Hart Lane bisher nicht gereicht. Fans sagen, er braucht einfach noch ein bisschen, um sich an das Tempo und die Härte in der Liga zu gewöhnen. Kritiker finden, ihm fehlt grundsätzlich die Schnelligkeit und Robustheit. Muss schleunigst besser werden, sonst steigt er ab. Mit oder ohne den Spurs.

Jo (Manchester City): Der Brasilianer kam zum absoluten Schnäppchenpreis von 27 Millionen Euro aus Moskau, kann also das unangenehme Klima im Nordwesten Englands nicht für seine Nicht-Leistungen verantwortlich machen. Selbst in dem von unbegrenzten Petrodollars aus Abu Dhabi hochgepäppelten Verein gibt man sich mit einem einzigen, einsamen Saisontor nicht zufrieden. Jos Einstellung neben dem Platz soll, so wird in Manchester gemunkelt, auch nicht gerade hoch-professionell sein. Trainer Mark Hughes will den 21-Jährigen ausmustern. Das Motto kann, um es mit den Worten der Beatles zu sagen, nur "Back to the USSR" heißen.

Entdeckungen

Ashley Young (Aston Villa): "You're a genius, you're a genius", rief Villa-Trainer Martin O'Neill Young unmittelbar nach dem 3:2-Auswärtssieg beim FC Everton zu, bei dem der 23-Jährige in der Nachspielzeit mit einem sehenswerten Solo den entscheidenden Treffer erzielte. Young kostete Villa schon 2007 knapp 15 Millionen Euro, als er noch beim FC Watford in der zweiten Liga spielte, doch der irrsinnig schnelle, wendige Flügelstürmer ist jeden Penny wert. Als klassischer Konterspieler ist er eine enorm wichtige Waffe für das Team aus Birmingham und einer der Hauptgründe für die hervorragenden Ergebnisse. Sein persönlicher Trend geht klar Richtung Champions League und WM 2010.

Martin Laursen (Aston Villa): Auch alte Hasen können Shooting-Stars sein. Der Däne galt vor vielen Jahren mal als kommender Superstar, kam jedoch beim AC Milan nicht an den Tattergreisen, pardon, Routiniers in der Verteidigung vorbei. Seine vier bisherigen Spielzeiten in der Premier League verliefen unspektakulär, doch in dieser Saison zeigt der 31-Jährige fehlerfreie Partien im Akkord. Von so einem souveränen, inspirierenden Abwehrchef können Chelsea und Arsenal momentan nur träumen.

Amr Zaki (Wigan): Wigan Athletic verdankt seine exzellente Tabellenposition den vielen, vielen brillanten Transfers. Der beste von allen ist Zaki. Der ägyptische Stürmer kam auf Leihbasis und zum Nulltarif aus Kairo und lief in den Strafräumen Amok: Zehn Tore in 16 Spielen sind eine phänomenale Bilanz. Der 25-Jährige ist schnell, technisch stark und erstaunlich widerstandsfähig. Die Frage ist nur, ob Wigan es sich leisten kann, ihn über die Saison hinaus weiter zu beschäftigen.

Marouane Fellaini (Everton): Ganz klar in der Top Five, allein schon wegen der sensationellen Frisur. Der vielseitig verwendbare, 21-jährige Belgier, war mit 22 Millionen Euro-Ablöse sicherlich nicht billig, aber sein Geld wert. Wenn Fellaini im Mitttelfeld nicht gerade herrlich die Gegenspieler abgrätscht und 30 km runterspult, spielt er einen sehr gepflegten Ball. Everton-Trainer David Moyes hatte zuletzt keinen einzigen gelernten Stürmer zur Verfügung, kam aber unter anderem wegen dem starken Spiel des Belgiers auch so zu Punkten. Man sollte den klassischen Allrounder mit dem Afro im Auge behalten. Er ist viel zu gut, um auf Dauer bei den Toffees zu spielen.

Geovanni (Hull City): Der 29-Jährige Brasilianer war schon bei Benfica und Barcelona, musste aber erst ins gottverlassene Kingston-upon-Hull auswandern, um zum Star zu werden. Geovanni Deiberson Mauricio Gomez spielte als Zehner, Flügelspieler oder hängende Spitze eine beachtliche Hinrunde für den Aufsteiger. Ohne ihn hätten die Tigers sicherlich weniger fette Beute gemacht. Seine Sternstunde kam beim 2:1-Auswärtssieg bei Arsenal im September. Geovannis erstes Premier-League-Treffer war ein 28-Meter-Knaller, der klarer Sieger bei der Wahl zum Tor des Monats in der "BBC" wurde.

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Raphael Honigstein lebt und arbeitet seit 15 Jahren in London. Für die "Süddeutsche Zeitung" berichtet er über den englischen Fußball und ist Kolumnist für die britische Tageszeitung "The Guardian". Beim Premier-League-Rechteinhaber "Setanta Sports" fungiert Honigstein als Experte für den deutschen Fußball. In Deutschland wurde der 34-Jährige auch bekannt durch sein Buch "Harder, Better, Faster, Stronger - Die geheime Geschichte des englischen Fußballs". Zudem ist er als Blogger bei footbo.com tätig.

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