Fussball

Die kuriosen Verflechtungen zwischen dem portugiesischen und dem luxemburgischen Fußball

© SPOX

Der Rivale als Vorbild

Und wo Benfica ist, da sind der FC Porto und Sporting Lissabon nicht weit weg. In diesem Fall liegt Porto knapp zehn Kilometer im Süden und Sporting knapp 30 Kilometer im Westen. Hier der aktuell viertklassige Vorortklub FC AS Luxemburg/Porto, dort das aktuell drittklassige Sporting Steinfort aus dem 5000-Einwohner-Dorf Steinfort nahe der Grenze zu Frankreich. Auch ihre Wappen sind denen der berühmten Namensgebern nachempfunden.

Sporting Steinfort aber ist anders als Hamm Benfica keine Erfolgsgeschichte. "Wir haben mittlerweile quasi null Kontakt mit dem Mutterverein", sagt Steinforts Vize-Präsident Daniel Hansen gegenüber SPOX und Goal und er sagt es resignativ. "Es gibt keine finanzielle, materielle oder sportliche Unterstützung. Die Kooperation hat uns überhaupt nichts gebracht."

2007, ein Jahr nachdem sich Hamm Benfica formiert hatte, ging Sporting Steinfort den gleichen Weg. Der Rivale als Vorbild! Portugiesischstämmige Vereinsmitglieder hätten damals den Kontakt mit dem Mutterverein hergestellt, erzählt Hansen. Eine Delegation reiste dann nach Portugal, um die Modalitäten zu klären: Steinfort durfte Sportings Wappen und Namen verwenden, musste aber anders als Hamm Benfica dafür bezahlen. Ein Teil der Mitgliedsbeiträge floss von Steinfort nach Lissabon.

Sportlich startete der Klub zunächst genauso durch wie das Vorbild und stieg ebenfalls in der ersten Saison erstmals in die erste Liga auf - doch so schnell wie der Aufschwung gekommen war, so schnell folgte auch der Niedergang. Gegen Hamm Benfica setzte es zwei Niederlagen und Sporting Steinfort stieg wieder ab, bevor sich eine Rivalität wie in Lissabon entwickeln konnte. Während sich Hamm Benfica im Oberhaus etablierte, übernahm sich Sporting Steinfort finanziell und wurde in die dritte Liga durchgereicht. Hilfe vom Mutterverein gab es keine, ihn schien all das nicht zu interessieren.

Das Missverständnis Sporting Steinfort

Was hat Benfica besser gemacht als Sporting? Warum hat es dort geklappt und hier nicht? Da wäre der Standort: hier das Dorf Steinfort, dort die Stadt Luxemburg Stadt. Und auch die generell größere Anzahl an Benfica-Fans im Vergleich zu denen, die es mit Sporting halten. "Dass der Unterschied so groß ist, ist uns erst danach bewusst geworden", gibt Hansen zu. Während Hamm Benfica großes Interesse heraufbeschwor, tat sich im Umfeld von Sporting Steinfort nichts.

"Wir wollten mit der Kooperation mehr Zuschauer und Spieler anlocken, aber das hat nicht funktioniert. Vor ein paar Jahren kam mal ein Sporting-Fan vorbei, der seine Söhne nur wegen unseres Namens unbedingt hier spielen lassen wollte", sagt Hansen. "Aber der war auch der einzige!"

Die einstigen Initiatoren der Kooperation haben den Verein mittlerweile verlassen und so gibt es nichts mehr, was Steinfort an Sporting hält. Für Ende dieses Monats ist eine Generalversammlung anberaumt, bei der über eine Auflösung der Kooperation und eine Umbenennung in FC Steinfort abgestimmt werden soll. "Uns wurde zuletzt immer wieder zugetragen, dass die Bewohner der Gemeinde diese Verbindung nicht mehr wollen und sich nicht mehr mit dem Verein identifizieren", sagt Hansen. Er rechnet fest mit einer mehrheitlichen Zustimmung für das Ende des Missverständnisses.

Während die lediglich zu Beginn vielversprechende Beziehung zwischen Sporting und Steinfort derzeit in die Brüche geht, wurde die zwischen zwischen Porto und dem FC AS Luxemburg nie richtig heiß. Seit 2008 besteht die Kooperation, höher als in die dritte Liga ging es nicht.

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