Sie nannten ihn Gerd

Von Micha Schneider
Dienstag, 19.01.2016 | 12:32 Uhr
Samed Yesil steht seit 2012 beim FC Liverpool unter Vertrag
© getty
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Samed Yesil knipste in den deutschen U-Nationalmannschaften wie der Teufel und wurde als kommender Superstar gepriesen. Nach seinem Wechsel zum FC Liverpool riss er sich aber zweimal das Kreuzband. In der Schweiz will er nun wieder Anschluss finden - und sich für Jürgen Klopp empfehlen. Die Zeit läuft ihm aber langsam davon.

Samed Yesil lässt den Ball nach einer Flanke vom rechten Strafraumeck geschickt von seiner Brust abtropfen, fackelt nicht lange und bringt den Ball im rechten unteren Toreck unter. Es war sein erstes und bislang einziges Tor für seinen neuen Verein FC Luzern in der Schweizer Super Lig und bedeutete gleichzeitig den Sieg gegen den FC Zürich. Auf dessen Trainerbank saß ein gewisser Sami Hyypiä, unter dem für Samed Yesil einst alles begann.

Der kantige Finne verhalf dem jungen Deutsch-Türken 2012 als 17-Jährigem bei Bayer Leverkusen zu seinem ersten und bislang einzigen Bundesligaeinsatz. Beim 3:3 gegen Hertha BSC kam er in der 81. Minute für Tranquillo Barnetta aufs Feld.

Beeindruckende Torquote in den U-Teams

Yesil machte schon sehr früh von sich reden und wurde als Ausnahmetalent und legitimer Nachfolger eines Mario Gomez oder Miro Klose gehandelt. Seine Torquoten? Phänomenal. Für die Leverkusener U-17 schoss er in 44 Spielen 37 Tore, für die U 19 in 31 Partien 21 Tore.

Aber nicht nur national sorgte er für Furore: Die U17-Weltmeisterschaft 2011 war seine große Bühne. Yesil spielte berauschend auf, erzielte sechs Treffer selbst und bereitete fünf weitere vor - von seinen Mannschaftskameraden wurde er in Anlehnung an den Bomber der Nation nur noch "Gerd" genannt. Sein damaliger Trainer Steffen Freund schwärmte in den höchsten Tönen: "Er kann jederzeit ein Spiel für uns entscheiden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er trifft." Internationale Scouts standen fortan Schlange.

Ein Hype, mit dem man erst einmal zurecht kommen muss in jungen Jahren. Kritiker meinen, dies konnte er nie, die plötzliche Aufmerksamkeit hätte ihm nicht gut getan. "Mein Trainer Steffen Freund nannte mich auch Gerd Müller. Aber ich bin ein bodenständiger Typ, so etwas macht mich nicht verrückt", erzählte Yesil mal in der Bild.

Mit 18 zum FC Liverpool

In Leverkusen kam nach seinem ersten Bundesligaeinsatz aber kein weiterer dazu. Nach der Sommerpause stand Yesil weder im Pokal noch zum Liga-Auftakt im Kader. Stattdessen kam er viermal in der Regionalliga zum Einsatz.

Als 18-Jähriger zog er schließlich aus, um die Fußballwelt zu erobern. Er wechselte in die Premier League zum FC Liverpool. "Ein mutiger Schritt", wie Bayer-Sportchef Rudi Völler damals konstatierte.

Etwas mehr als drei Jahre ist es inzwischen her, dass Samed Yesil auf dem Rasen der legendären Anfield Road im Sturmzentrum von Beginn an auf dem Feld stand, Seite an Seite mit Stars wie Steven Gerrard oder dem Shooting-Star Raheem Sterling. Im League Cup durfte sich das junge deutsche Talent nun eine Halbzeit lang beweisen - ehe Trainer Brendan Rodgers Luis Suarez für ihn aufs Feld schickte.

Zwei Kreuzbandrisse als Karriereknick

Yesil war also schon ganz nah dran, stand auf der Schwelle zu den ganz Großen."Ich hoffe, dass ich in ein oder zwei Jahren in der ersten Mannschaft spielen kann. Es ist ein Traum, für Liverpool zu spielen", sagte der gebürtige Düsseldorfer damals.

Doch der Wechsel nach England stand unter keinem guten Stern - die hoffnungsvolle Karriere wurde jäh unterbrochen. Nur wenige Monate nach seinem Debüt riss er sich das Kreuzband und wurde anschließend in der U 21 langsam an die erste Mannschaft herangeführt. Im Januar 2014 dann der nächste Tiefschlag: Erneuter Kreuzbandriss, Yesil fiel wieder monatelang aus und verlor den Anschluss an die erste Mannschaft.

Jetzt spielt Yesil in der Schweiz. Eine wichtige Rolle beim Wechsel kam dabei Roland Vrabec zu, dem Assistenten von Markus Babbel beim FC Luzern. Er coachte Yesil bereits bei der U19-Nationalmannschaft und verlor ihn auch in seiner Zeit beim FC Liverpool nicht aus den Augen. "Es geht jetzt nur darum, Spielpraxis zu sammeln", sagte Yesil Mitte November in der Bild.

Die letzten drei Spiele musste er allerdings von der Bank aus verfolgen. In neun Partien traf Yesil bislang lediglich einmal. Keine Bilanz, die mächtig Eindruck hinterlässt bei seinem Noch-Arbeitgeber aus England.

Happyend dank Jürgen Klopp?

Es wird langsam eng für das Supertalent, das noch bis 2016 an den FC Liverpool gebunden ist. Doch noch ist der Zug nicht abgefahren. Yesil ist noch immer erst 21 Jahre alt und verfügt über genügend Selbstvertrauen. "Ich kenne meine Qualität und traue mir zu, mich dort durchzusetzen", sagt er.

Den Trainerwechsel von Brendan Rodgers zu Jürgen Klopp hat er aus der Ferne genauestens verfolgt: "Als ich gehört habe, dass er Trainer wird, dachte ich, 'oh wie cool'. Er ist bekannt dafür, auf junge Spieler zu setzen."

Einen Kontakt zu Jürgen Klopp hat es allerdings noch nicht gegeben: "Ich spreche lieber mit Toren, als ihm Weihnachtskarten zu schicken. Wir reden miteinander, wenn es soweit ist."

Weihnachten ist vorbei und Klopp würde sich ohnehin am meisten über Tore freuen. Viel Zeit, um auf sich aufmerksam zu machen, bleibt Samed Yesil allerdings nicht.

Samed Yesil im Steckbrief

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