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SID
Dienstag, 29.09.2015 | 14:12 Uhr
Michel Platini und Sepp Blatter denken nicht an Rücktritt
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Joseph S. Blatters Fußball-Imperium zerfällt jeden Tag ein bisschen mehr, doch der 79 Jahre alte FIFA-Präsident sitzt den ungeheuerlichen Skandal einfach aus. Nach der Rücktrittsverweigerung des Schweizers liegt die Zukunft des bröckelnden Weltverbands allein in den Händen der Ethikjäger und Justizbehörden - und die arbeiten die Skandal-Schlüsselfiguren langsam ab. Am Dienstag traf es Jack Warner: Der frühere FIFA-Vizepräsident wurde lebenslang aus dem Verkehr gezogen.

"In seinen Ämtern als Fußballfunktionär war er ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung", teilte die Ethikkommission mit. Warner (72), ehemaliger Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), kämpft derzeit in seinem Heimatland gegen eine Auslieferung in die USA, wo ihn ein Prozess erwartet. Sein Name tauchte auch im Strafverfahren gegen Blatter auf.

Dem FIFA-Boss wird vorgeworfen mit Warner, damals Präsident des karibischen Verbandes KFU und bis 2011 im FIFA-Exekutivkomitee, im Jahr 2005 einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen zu haben. Es geht um Beträge in zweistelliger Millionenhöhe - die dann vermeintlich in Warners Taschen flossen. Trotz des Verdachts gegen Blatter sprach die Ethikkommission aber zunächst keine Suspendierung gegen den 79-Jährigen und/oder UEFA-Präsident Michel Platini (60), der sich ebenfalls keiner Schuld bewusst ist, aus.

Niersbach: "Genau hinschauen"

Nun folgen Anhörungen und Verhandlungen - ob und wann Hans-Joachim Eckert, der deutsche Richter in der FIFA-Ethikkommission, Sanktionen verhängt, ist völlig offen. Bis dahin bleibt alles, wie es ist.

"Mit Blick auf die aktuellen Vorgänge gehört für mich zu einer seriösen Amtsführung, erst einmal sehr genau hinzuschauen, um was es geht und ob hier tatsächlich ein Fehlverhalten vorliegt", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (64) der Frankfurter Rundschau zum "Fall Platini". Der französische Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA), der Blatter Anfang 2016 beerben will, hat vom FIFA-Boss Anfang 2011 zwei Millionen Schweizer Franken (1,83 Millionen Euro) überwiesen bekommen - laut der Bundesanwaltschaft eine "treuwidrige Zahlung".

Es sei nun abzuwarten, "zu welchen Einschätzungen die Behörden oder die FIFA-Ethikkommission dabei kommen", sagte Niersbach. Er habe in einem Telefonat mit UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino "deutlich hinterlegt, dass wir als Deutscher Fußball-Bund eine aktive, transparente Darlegung der Vorgänge erwarten. Der Vorgang lässt einige Fragen offen, und es muss vor allem auch im ureigenen Interesse von Platini sein, schnellstmöglich Antworten darauf zu geben."

Platini verteidigt sich

Platini bekräftigte, das Geld rechtmäßig als Honorar für eine Tätigkeit "zwischen 1998 und 2002 als Angestellter der FIFA" erhalten zu haben. Die bei der FIFA erzielten Einkommen "habe ich den zuständigen Behörden vollumfänglich und wie gesetzlich vorgeschrieben deklariert", schrieb der UEFA-Chef in einem Brief an seine Verbände, die ihn geschlossen bei der noch nicht gecancelten FIFA-Wahl am 26. Februar 2016, die aktuell zur Farce zu werden droht, unterstützen sollen.

"Kaiser" Franz Beckenbauer würde dort gerne einen externen Kandidaten als Sieger sehen. Einen, "der zwar ein Fußballfreund, aber irgendwo in der Wirtschaft tätig ist, einen Wirtschaftsgiganten, um das System ein bisschen zu verändern", sagte Beckenbauer bei Sky Sport News HD: "Das System ist das Problem." Momentan vor allem eins von "Blattini".

"Ich bin mir bewusst, dass diese Ereignisse mein Bild in der Öffentlichkeit und meinen Ruf beeinträchtigen können", und damit auch das Bild der UEFA", schrieb Platini, der seine "ganze Energie" für die Aufklärung der "Unklarheiten oder Missverständnisse" aufbringen wolle.

Mong-Joon fordert "Notfall-Kongress"

Die Verteidigungsstrategie dabei ist die gleiche wie beim FIFA-Präsidenten. "Nichts Illegales oder Unzulässiges" habe Blatter getan, sagte dieser laut seines Anwalts den Mitarbeitern in der abgeschotteten FIFA-Zentrale in Zürich. Der Schweizer werde wie geplant bis zum Außerordentlichen Kongress im Februar FIFA-Präsident bleiben und kooperiere vollumfänglich mit den Behörden. Die anrüchige Zahlung an Platini sei "eine zulässige Vergütung", die "ordnungsgemäß innerhalb der FIFA abgerechnet" worden sei.

Zur Mithilfe gezwungen werden könnte bald der frühere costa-ricanische Fußballchef Eduardo Li, dessen Auslieferung in die USA am Dienstag bewilligt wurde. Dort erwartet ihn sein Prozess wegen der Annahme von Bestechungsgeldern.

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