Fussball

Mut zum Boykott

Sepp Blatter ist seit 1998 Präsident des Fußballweltverbandes FIFA
© getty

Zwei Tage vor dem Kongress der FIFA werden bedeutende Funktionäre festgenommen. Die FIFA verkauft aber weiter ihr ganz eigenes Bild und stellt Präsident Sepp Blatter als Saubermann und Aufklärer dar. Die Vorgänge in Zürich zeigen: So ist Blatter nicht beizukommen. Der Schlüssel liegt bei der UEFA und einer drastischen Maßnahme. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Andreas Lehner.

So hatte sich Sepp Blatter das vorgestellt. Die Welt blickt nach Zürich. Nur der Anlass kann dem FIFA-Präsidenten nicht gefallen. Festnahmen von mehreren Spitzenfunktionären und eine an Schönrednerei nicht zu überbietende Pressekonferenz des Medienchefs haben die Aufmerksamkeit in die Schweiz gelenkt - zwei Tage vor dem eigentlichen Höhepunkt. Am Freitag will sich Blatter unter den Augen der Weltöffentlichkeit erneut mit den Stimmen diverserer Zwergstaaten zum Präsidenten wählen lassen.

Selbst nach den Vorgängen vom Mittwoch scheint dieses Szenario noch immer wahrscheinlich. Zumindest hat die FIFA keinerlei Anstalten gemacht, von ihrem Programm abzurücken. Der Präsident habe zwar nicht in seinem Büro getanzt, aber er sei entspannt und ruhig und sehe zu, was passiert.

Es ist das alte Prinzip des Aussitzens, mit dem Blatter schon so einige Krisen und Skandale in der FIFA überlebt habt. Auch dieses Mal vertraut er dieser Methode - und wenn nicht alles täuscht, wird er damit wieder Erfolg haben.

Die Reaktionen aus den FIFA-kritischen Ländern folgten dem zu erwartenden Muster. Blatter müsse als Präsident die Verantwortung übernehmen, der Kongress könne am Freitag nicht nach dem ursprünglichen Plan ablaufen und an eine Wahl sei eigentlich nicht zu denken. Indirekt wurde Blatter von vielen Funktionären zum Rücktritt aufgefordert.

In einer normalen Welt wäre ein Rücktritt Blatters auch unausweichlich, aber es geht hier um die FIFA, die oft genug bewiesen hat, dass sie sich wenn nötig ganz einfach ihre eigene Welt bastelt. Auch die Verantwortlichen in Europa wissen, dass sie Blatter trotz der immer größer werdenden Skandale so nicht loswerden. Die FIFA argumentiert mit dem bizarren Saubermannimage des Schweizers. Immerhin sei dieser nicht angeklagt und es werde auch nicht gegen ihn ermittelt. Viele kleinere Verbände, die von Blatter immer wieder mit Spenden bedacht werden, folgen dieser hanebüchenen Argumentation. Der afrikanische Kontinentalverband (CAF) - mit 54 Mitgliedsstaaten die größte Konföderation - hat Blatter seine Gefolgschaft schon zugesichert.

Blatter ist weder am Freitag noch bei einer Wahl zu einem späteren Zeitpunkt zu verhindern. Den Schlüssel für ein Ende des Schweizer Paten an der Spitze des Weltverbandes haben nach wie vor die europäischen Mitgliedsstaaten in der Hand. Große Verbände wie der DFB, die englische FA oder die französische FFF müssen sich ernsthaft mit einem Boykott der Weltmeisterschaften beschäftigen.

Eine WM ohne die großen Vertreter aus Europa würde dem Produkt WM als Wirtschaftsfaktor Nummer eins der FIFA schaden. Das wäre auch zum Nachteil der Steigbügelhalter Blatters und könnte zu einem Umdenken führen. Aber noch fehlt den Verbänden bisher der Mut.

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