Fussball

"Korruption systematisch verwurzelt"

SID
Die FIFA ist großen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt
© getty

Die Festnahmen gegen FIFA-Funktionären schlagen hohe Wellen. Kritik kommt nicht nur aus Deutschland, sondern auch vom englischen Verband. Die FIFA selbst zeigt sich überrascht. Der leitende Staatsanwalt kündigt derweil neue Untersuchungen an. Die Reaktionen im Überblick.

Theo Zwanziger (früherer DFB-Präsident): "Das ist ein großer Sumpf. Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Sepp Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen. Es muss intensive Untersuchungen geben. Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden."

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Es ist schockierend und schädlich für den gesamten Fußball, was sich in Zürich abspielt. Es wäre erschütternd, wenn sich die im Raum stehenden, schweren Vorwürfe gegen Mitglieder der FIFA als richtig herausstellen. In der UEFA werden wir angesichts dieser Vorkommnisse beraten, wie wir uns auf dem bevorstehenden FIFA-Kongress verhalten."

Reinhard Rauball (Ligapräsident): "Die heute bekannt gewordenen Enthüllungen übersteigen jedes Maß an Vorstellungskraft. Es wäre das absolut falsche Signal, wenn unter dem Eindruck dieser Entwicklungen die Agenda des FIFA-Kongresses wie geplant abgearbeitet würde. Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen."

Thomas de Maiziere (deutscher Innenminister): "Korruption und Geldwäsche sind schwere Vorwürfe, eine umfassende Aufklärung ist das Gebot der Stunde. Hier ist auch die FIFA gefordert. Sportereignisse wie die Fußball-WM begeistern die Menschen in der ganzen Welt. Deshalb brauchen wir eine saubere Vergabe solcher Wettkämpfe.

Heiko Maas (deutscher Justizminister): "Die Fans haben ein Recht darauf, dass das jetzt umfassend aufgeklärt wird. Korruption darf im Fußball keinen Platz haben."

Loretta Lynch (amerikanische Justizministerin): "Die Anklage deckt auf, dass Korruption weit verbreitet, systemisch und tief verwurzelt ist. Sowohl im Ausland als auch in den USA. Die heutigen Aktionen machen klar, dass das Justizministerium diese Form der Korruption beenden will."

Kelly T. Currie (zuständiger Staatsanwalt): "Der organisierte internationale Fußball braucht einen neuen Start - eine neue Chance für die Institutionen, um eine ehrliche Aufsicht und Unterstützung für einen Sport herzustellen, der auf der ganzen Welt geliebt wird. Und lassen sie mich eines klarstellen: Das ist nicht das letzte Kapitel unserer Untersuchung."

Walter de Gregorio (FIFA-Sprecher): "Bei uns geht es natürlich drunter und drüber, wir wurden von der Nachricht der Verhaftungen völlig überrascht." Über Joseph Blatter: "Er tanzt jetzt nicht in seinem Büro. Aber er ist ruhig und sieht, was passiert. Er ist kein glücklicher Mann im Moment - aber er weiß, dass das, was passiert, die Konsequenz von dem, was die FIFA angestrengt hat."

Statement der FIFA: "Die FIFA begrüßt Maßnahmen, die helfen können, jede Art von Fehlverhalten im Fußball auszumerzen. Wir sind froh, dass die Ermittlungen im Sinne des Fußballs energisch vorangetrieben werden und glauben, dass das helfen wird, die Maßnahmen zu verstärken, die die FIFA bereits getroffen hat."

Gary Lineker (ehemaliger englischer Nationalspieler): "Das ist außergewöhnlich! Die Fifa zerbricht. Das Beste, das diesem schönen Spiel möglicherweise passieren kann."

Erste Stellungnahme der UEFA: "Die UEFA ist verwundert und betrübt angesichts dessen, was in Zürich geschehen ist."

Ali bin Al Hussein (Vizepräsident der FIFA und Präsidentschaftskandidat): "Ein trauriger Tag für den Fußball. Wir können in dieser Krise nicht einfach weitermachen, in einer Krise, die nicht nur die heutigen Ereignisse betrifft. Die FIFA braucht eine Führung, die die Nationalverbände leitet, führt und schützt. Eine Führung, die ihre Verantwortung akzeptiert und das Vertrauen der Millionen Fußball-Fans der Welt zurückgewinnt."

Greg Dyke (Präsident des englischen Verbands): "Als einer der Verbände, der Blatters Herausforderer Prinz Ali nominiert haben, wird es niemanden überraschen, dass wir für ihn stimmen werden. Es muss aber ein Fragezeichen geben, ob die Wahl unter diesen Voraussetzungen stattfinden sollte.

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