Johan Vonlanthen im Interview

"Mein Image war ziemlich kaputt"

Von Christoph Köckeis
Mittwoch, 04.12.2013 | 15:38 Uhr
Johan Vonlanthen ist zurück im Profi-Fußball - das Interesse an seiner Person ebenso
© getty
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Johan Vonlanthen ist reich an Erfahrungen: Mit gerade 27 Jahren deckt er die leidvolle Pallette im Profi-Sport ab. Vom Wunderknaben zum trotzigen Rebellen - dem Schweizer widerfuhr eine groteske Wandlung. Nach einer Auszeit heuerte der offensive Feingeist bei Grasshopper Club Zürich an. Ein Interview über Fallhöhe und Sinnkrise im Fußball, zweifelhafte mediale Episoden, Sektenzugehörigkeit und Zocken mit Arjen Robben.

SPOX: Herr Vonlanthen, seit Sommer leben Sie wieder Ihren Kindheitstraum. Wie fühlt sich der geregelte Profi-Alltag an?

Johan Vonlanthen: Ich habe den Fußball während meiner Auszeit sehr vermisst. Nach derart langer Zeit wieder auf dem Platz zu stehen, tut einfach gut. Speziell bei einem Verein wie Grasshopper Zürich, der ganz vorne mitspielt und die Chance auf das europäische Geschäft hat. Ich genieße es, dabei zu sein und verspüre eine riesige Motivation, nochmal durchzustarten.

SPOX: In diesen Worten schwingt reichlich Demut mit - wonach sehnten Sie denn im Besonderen?

Vonlanthen: Wenn du dein ganzes Leben dem Fußball verschreibst, fehlt dir ohne etwas. Auf dem Rasen zu stehen, die positive Anspannung davor zu spüren, den Wettkampf an sich zu bestreiten, dieses Gemeinschaftsgefühl in der Mannschaft und das professionelle Leben. Ich kann mich gut erinnern, als ich mit elf Jahren in die Schweiz kam...

SPOX: ...und das runde Leder Ihre Integration erleichterte.

Vonlanthen: Genau (lacht). Ich konnte damals überhaupt kein Deutsch, die ersten Wochen in der Schule hatte ich Probleme. Als ich sah, dass in den Pausen im Hof gekickt wird, war ich bald dabei. Plötzlich kamen viele Freunde hinzu. Damals hatte ich nichts anderes im Kopf - leider passierten danach einige Dinge.

SPOX: Im Teenager-Alter prasselten Lobeshymnen auf Sie ein - waren Sie zu jung, um dem schier überdimensionalen Druck standzuhalten?

Vonlanthen: Wir hatten es in Kolumbien nicht gerade leicht, gehörten zur unteren Mittelschicht. Meine Mutter heiratete meinen Stiefvater und wir übersiedelten. Ich sollte in der Schweiz ein normales Leben anfangen. Danach ging alles blitzschnell - wie es in dem Geschäft eben läuft. Ich konnte nichts dafür, dass Journalisten über mich berichteten. Schlagartig war ich das Jahrhundert-Talent. Ich machte in jungen Jahren auf dem Platz vieles richtig. Aber im Umgang mit den Medien hatte ich zu wenig Erfahrung, niemanden um mich herum, der mir helfen konnte.

SPOX: Sie sagten einst: "Mir ist es egal, was andere denken. Ich will überhaupt nicht berühmt sein." Trotzdem wurden Sie fortan belagert und lernten die Begleitumstände der Prominenz kennen - inwiefern schadete Ihnen diese Einstellung?

Vonlanthen: Für uns bedeutete die Aufmerksamkeit komplettes Neuland. Mein Stiefvater war oftmals unterwegs, meine Mutter hatte keine Ahnung vom Fußball und seinen Mechanismen. Ich musste selbst leidvolle Erfahrungen sammeln, hätte mir mit jemandem an der Seite vermutlich einiges erspart. Ich war sehr jung, für diesen medialen Ansturm nicht bereit. Aber ich lernte aus meinen Fehlern. Mittlerweile weiß ich, wie wichtig die Außendarstellung ist und wie ich mich zu präsentieren habe.

SPOX: Vom Rohdiamanten zum trotzigen Rebell - Ihr Bild in der Öffentlichkeit ist geprägt von Ressentiments. Wurde ein falsches Bild gezeichnet?

Vonlanthen: Mein Image in der Schweiz und europaweit war ziemlich kaputt. Zweifellos traf ich falsche Entscheidungen. Ich kommunizierte in der Öffentlichkeit schlecht, behielt viel für mich und förderte damit Spekulationen. Es wurde jede Menge geschrieben und nicht korrekt dargestellt. Dieses Interesse an meiner Person hat mich damals total gestresst. Jetzt wünsche ich mir nichts mehr, als mein Potenzial auszuschöpfen und es im Fußball nochmals zu bringen. Die Öffentlichkeit soll mich als normaler Profi betrachten, der seinen Weg gehen möchte.

SPOX: Mit 16 Jahren debütierten Sie bei den Young Boys Bern, stiegen 2004 zum jüngsten EM-Torschützen empor. Anschließend entwickelte Ihre Karriere eine negative Eigendynamik - warum?

Vonlanthen: Ich wechselte zu PSV Eindhoven, danach kam die Europameisterschaft. Unerwartet durfte ich gegen Frankreich starten, erzielte mit 18 Jahren dieses Tor. In Holland bekam ich aber kaum Chancen. Danach traf ich die falsche Entscheidung. Ich war zu jung, um in die Serie A nach Brescia zu gehen. Ich spielte selten, obwohl ich dachte, meine Minuten zu erhalten. Es kam zum Bruch. Vor der WM 2006 in Deutschland verletzte ich mich -am ersten Tag der Vorbereitung. Ich unterschrieb bei Red Bull Salzburg. Mein Ziel war einfach, regelmäßig zum Einsatz zu kommen und meine Qualität zu zeigen. Bis zur EURO 2008 lief es zufriedenstellend, danach fingen andere Schwierigkeiten an.

SPOX: Und zwar?

Vonlanthen: Beim FC Zürich lieferte ich eine sehr gute Saison, wir spielten auch in der Champions League. Aus dem Nichts kamen diese Gerüchte. Man hat über meine Religion gemutmaßt und es hieß, ich würde am Samstag nicht mehr spielen. Leider ging ich nicht in die Offensive, ließ das unkommentiert und entkräftete sie nicht. Bei Medien, Verein und Leuten in meinem Umfeld herrschte Ungewissheit.

SPOX: Ihnen sagte man eine Sektenzugehörigkeit nach: Siebenten-Tages-Adventisten ist der Samstag heilig, demzufolge hätten Sie kaum Ihrer Berufung nachgehen können. Würden Sie sich im Nachhinein vehementer lossagen?

Vonlanthen: Zuerst war das nicht wahr - ich gehörte nie einer Sekte an. Eigentlich war das eine persönliche Angelegenheit. Jeder Mensch sollte frei über den Glauben entscheiden. In dem Moment, als ich mich nach Kolumbien verabschiedete, wurde etwa vom Karriereende geschrieben. Davon war keine Rede, auch das hätte ich konsequent dementieren sollen. Ich brauchte Ruhe und aus der Ferne konnte ich nicht eingreifen. Mich beschäftigte vieles - das Familiäre, die Religion. Der Abschied war notwendig, um mein Glück zu suchen und ein neues Leben zu beginnen.

Seite 2: Johan Vonlanthen über neue Akzeptanz und Arjen Robben

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