Toni Polster im Interview

"Uli Hoeneß mag keine Österreicher"

Von Interview: Christoph Köckeis
Freitag, 12.07.2013 | 19:21 Uhr
Hegt eine tiefe Verbundenheit zu Köln: Toni Polster
© imago
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Er demütigte den FC Barcelona, verhalf Bayern München zum Titel und stieg beim 1. FC Köln zur Ikone empor: Toni "Doppelpack" Polster. SPOX traf Österreichs Rekord-Bomber im Rahmen von "Sport und Talk aus dem Hangar 7" bei "ServusTV". Ein Interview über Uli Hoeneß' Abneigungen, rheinische Verehrung und Wiener Schmäh. Plus: Der 49-Jährige verrät, warum Ihn seine Landsleute fürchten und Marko Arnautovic in den Zirkus gehört.

SPOX: Herr Polster, warum durften Sie damals der Bayern-Meisterfeier 1997 auf dem Rathaus-Balkon beiwohnen?

Toni Polster: (lacht) Mario Basler präsentierte den tausenden Fans ein großes Plakat von mir. Zuvor erzielte ich drei Tore gegen Leverkusen und machte den FC Bayern damit zum Meister. Wir kannten uns schon länger, telefonieren noch ab und an. Er hat Freunde in Köln, die auch meine sind. Nur: Wo er das Poster besorgte, weiß ich bis heute nicht.

SPOX: Die Münchner schwächen ihre Konkurrenz in der Bundesliga, indem sie Stars abwerben. Wie interessant waren Sie?

Polster: Tatsächlich stand ich einmal knapp davor. Ich habe gegen die Bayern vier Tore in vier Spielen gemacht. Andreas Brehme und Lothar Matthäus sprachen sehr gut über mich, wollten mich zum Klub lotsen. Letztlich hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Udo Lattek, der später in Köln ein Freund wurde, verriet mir: "Uli Hoeneß mag keinen Österreicher." Und Uli erzählte mir ähnliches über Lattek (lacht).

SPOX: Noch heute werden Sie in der Domstadt verehrt, sind eine lebende Legende. Worin liegt dieser Kult um Ihre Person begründet?

Polster: Ich schaffte, Leistungen auf dem Rasen und Spaß zu verbinden. Für mich ist genau das das Fundament jeder Arbeit. Nur lustig zu sein, reicht nicht aus. Ich erzielte Tore, habe stets mit Freude den Sport betrieben und versucht, mein Publikum zu begeistern. Und ich nehme mich nicht wichtiger als die Fans.

SPOX: Ihre musikalischen Auftritte mit den Fabulösen Thekenschlampen trugen bestimmt dazu bei: Nach einer Pokal-Blamage in Ulm traten Sie beim Kölner Ringfest auf. Die Verantwortlichen waren darüber wohl nicht begeistert.

Polster: Der Verein wusste Bescheid, kündigte es in seiner Zeitschrift an. Daher war es für mich eine normale Verpflichtung, die Initiatoren nicht im Regen stehen zu lassen, hatten sie doch Tausende von Mark in Werbung investiert. Dazu muss man, wenn es mal so nicht läuft, stehen.

SPOX: Inwiefern sehnen Sie manchmal diesen Lebensabschnitt zurück?

Polster: Ich hatte wunderschöne Momente, wurde Zweiter der Torschützenliste. Leider erlebte ich auch einen Abstieg mit. Die Verbundenheit zu Köln ist wirklich tief, ich entwickelte eine Liebe zum Effzeh. Mein Herz hängt sehr daran. Gerne würde ich irgendwann zurückkehren.

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SPOX: Sie verkörperten den Profi zum Anfassen. Und einen Profi, welcher stets markige Sprüche parat hatte. Wiener Schmäh und rheinische Fröhlichkeit - verträgt sich das?

Polster: Ich habe in diese Stadt und zu diesen Menschen gepasst. Vor der Unterschrift weiß man das nicht, doch die Leute liebten mich und ich versuchte, etwas zurückzugeben. In Sevilla war es ebenfalls perfekt. Bei Rayo Vallecano und Torino weniger. Obwohl man österreichische Witze auch auf Spanisch oder Italienisch erzählen kann (lacht).

SPOX: Bevor Sie die weite Welt erkundeten, trafen Sie in Österreich nach Belieben: 2007 wurde Ihnen der Goldene Schuh verliehen - nachträglich für die Saison 1986/87, als Sie für Austria Wien 39 Mal netzten. Überwog die Freude oder Ärger über die verspätete Würdigung?

Polster: Natürlich freue ich mich darüber, das ist eine Auszeichnung für die Ewigkeit. Damals fand ich es schade, dass es nicht reichte. Wie sich herausstellen sollte, wegen manipulierter Tore in Rumänien. Die FIFA kompensiert es, hat mich als Torschützenkönig Europas anerkannt.

SPOX: Über Torino Calcio landeten Sie beim FC Sevilla - weitere Stationen bei CD Logrones und Rayo Vallecano. Wie erlebten Sie die fußballverückten Iberer?

Polster: In Sevilla wurde mir, wie in Köln, am meisten Respekt entgegen gebracht. Dort fühlte ich mich richtig wohl, bekam unheimliche Anerkennung von den Fans zurück. Ich erlebte in Spanien zahlreiche Glücksmomente. Ich durfte gegen Real Madrid jubeln, musste aber auch ein 0:7 einstecken. Beim 2:5 im Bernabeu erzielte ich beide Treffer, beim 3:3 gegen den FC Barcelona mit Rayo deren drei. Das Schönste war bestimmt das 4:2 mit Sevilla in Barcelona. Ich traf zwei Mal, leistet zwei Assists. Die nächsten Tage wurde ich von den Medien belagert. Sobald das Spiel wieder auf dem Programm stand aufs Neue. Bis heute Sevillas letzter Sieg im Camp Nou.

SPOX: Sie lauerten dazumal im Strafraum, waren ein klassischer Torjäger. Würden Sie im Tiki-Taka-Zeitalter der Primera Division funktionieren?

Polster: Als ich noch spielte, wurde die Frage gestellt: Passt der überhaupt in den modernen Fußball. Als ich nicht mehr aktiv war, sagten sie: Hätten wir bloß einen, der vorne steht und eiskalt vollendet. Ich denke, selbst in der Gegenwart, werden Torjäger sehr gerne gesehen.

Teil 2: Polster über Arnautovic und das ÖFB-Team

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