International: Blitzlichter aus Europa

Darüber lacht die Welt!

Von SPOX
Montag, 06.12.2010 | 14:16 Uhr
Die Platzverhältnisse beim Spiel zwischen Chievo Verona und dem AS Rom waren katastrophal
© Imago
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Nicht nur Roma-Präsidentin Rosella Sensi ist der schlechte Rasen in Verona sauer aufgestoßen. Claudio Ranieri kommentierte das Spiel als "Beach-Soccer". Manchester City gibt sich farbenfroh zu Weihnachten und Sol Campbell tritt in einen elitären Klub ein. Pedro wird beim FC Barcelona einfach vergessen.

Serie A

von Oliver Birkner

Schlammschlacht in Verona: Darüber lacht die Welt, kommentierte Roma-Präsidentin Rosella Sensi am Wochenende. Chievo gegen den AS Rom (2:2) dürfte zwar nicht zum weltweiten Straßenfeger avanciert sein. Doch diejenigen, die eingeschaltet hatten, konnten sich tatsächlich amüsieren. Nach starken Regenfällen und vier Partien in sieben Tagen versuchte die Stadt Verona den Rasen für die Partie kongenial mit Sandaufschüttungen spielbereit zu machen. Bei der Sand-Schlammschlacht im Stadio Bentegodi fühlte man sich dann irgendwie in Zustände der 60er Jahre zurückversetzt. Ein wenig Nostalgie kann ja nicht schaden. Um all dem noch die Krone aufzusetzen, hielt es die Stadt nicht einmal für notwendig, die Linien des kürzlich ausgetragenen Rugby-Duells zwischen Italien und Argentinien zu entfernen. Eine bittere Pille für die Roma, erfolgte Chievos Ausgleich doch nachdem der Schiedsrichter wegen Taddeis Verwirrung im Kreide-Wirrwarr einen falschen Einwurf der Gäste geahndet hatte. Roma-Coach Claudio Ranieri disqualifizierte die Partie als "Beach Soccer" und die Präsidentin verfiel in Sarkasmus: "So ist der Calcio ein exzellenter Exportartikel."

Sado-Maso als Hilfe: Eine Problem-Lösung hatte wie immer der allseits beliebt verstaubte Staatssender "Rai" parat. Für Verona und dessen durch Überschwemmungen angeschlagene Region Veneto animierte einer der Sportreporter nach der Partie im Bentegodi die Zuschauer: "Lasst uns Veneto unterstützen und per SM aushelfen." Eigentlich eine originelle Idee, neben überschwemmten Kellern und Straßen noch mit ein bisschen Sado-Maso in der Wunde zu bohren. Wer darauf nicht so steht, kann natürlich auch auf Hilfe per SMS ausweichen.

Der graue Wolf schlägt zu: Zum Abschluss müssen nach dem 15. Spieltag noch drei Preise verliehen werden. Einer geht an Hernan Crespo: Der mittlerweile 35 Jahre alte graue Wolf verbreitet immer noch Schrecken in den gegnerischen Abwehrreihen und erzielte bei Parmas 2:1 über Udine seine Serie-A-Tore 150 und 151. Eine weitere Auszeichnung erhält Bologna, das im Derby 2:0 in Cesena siegte. Seit Juli wird bei den Rot-Blauen kein Gehalt gezahlt. Die Spieler nagen fraglos nicht am Hungertuch, doch mit wieviel Herzblut sich das Team Woche für Woche gegen den drohenden Abstieg stemmt, ist alles andere als selbstverständlich. Da hat die Welt durchaus schon Söldner-Gegenbeispiele gesehen, bezahlte wohlgemerkt. Zu guter Letzt verdiente sich auch Kevin-Prince Boateng eine Auszeichnung: Dem Berliner gelang bei Milans 3:0 gegen Brescia sein erster italienischer Treffer - zur Freude führte er eine Radschlag-Salto-Kombination auf, die sich dermaßen ungelenk präsentierte, dass man um Boatengs Gesundheit fürchten musste. Den Preis erhält er in der Kategorie Torjubel-Originalität, dem Betrachter sei allerdings nahe gelegt: don't try this at home!

 

Premier League

von Raphael Honigstein

Rache von Londons Bürgermeister: Am Donnerstag hatte die "Sun" noch einen lieben, offenen Brief an Sepp Blatter und die FIFA auf die Titelseite gesetzt, doch nach der Abstimmungsniederlage gegen Russland in Zürich gab es kein Halten mehr. "Verkauft", titelte der "Mirror", "Russland verschiebt die WM nach Russland", ätzte die "Sun". Die Engländer fühlen sich - nicht ganz zu Unrecht - vom FIFA-Exekutivkomitee verraten. Aus Rache hat Londons Bürgermeister Boris Johnson Sepp Blatter und seine Gerontokraten-Bande von den Olympischen Spielen 2012 ausgeladen, zudem will der englische Fußballverband eine Revolution gegen die "Galacticos der Korruption" ("Sun") anzetteln. Richtig spannend wird das Thema spätestens, wenn die FIFA der Anregung von Franz Beckenbauer folgt und die Wüsten-WM von Katar 2022 in die Wintermonate verlegen will. Die Premier League wird da kaum mitspielen.

Tevez streitet mit Mancini: Apropos Scheichs: Bei Manchester City geht es jede Woche heiß her, ganz unabhängig von den Ergebnissen. Nach dem 1:0-Sieg gegen Bolton beherrschten nicht Citys respektable Titelchancen, sondern eine neuerliche Kontroverse um Carlos Tevez die Diskussionen. Der argentinische Kapitän geriet mit Trainer Roberto Mancini aneinander, weil dieser ihn in der 90. Minute auswechselte. Kein Problem, sollte man meinen, aber der stolze Carlito sieht das anders: er wurde schon elf Mal in dieser Saison ausgewechselt und versteht nicht, warum. Nur Johan Elmander (12) musste bisher öfters früher vom Platz. Am Abend nach dem Streit machte das Team aber einen Punkt hinter den Streit, bzw. hunderte von Punkten. Die Spieler mussten in Verkleidung zu einer Weihnachtsfeier, deren Motto nur "Der Riddler hat Masern" gewesen sein kann.

Klub der 500er: Newcaste-United-Veteran Sol Campbell wurde am Sonntag Mitglied in einem exklusiven Klub. Nach David James (572), Ryan Giggs (555) und Gary Speed (535) kam auch der 36-Jährige zu seinem 500. Premier-League-Spiel. Leider erwischte der Verteidiger der Elstern einen rabenschwarzen Tag fuer sein Jubiläum. Beim 1:3 gegen West Bromwich Albion gab der ehemalige Spurs- und Arsenal-Verteidiger eine äußerst unglückliche Figur ab. "Er sah aus, als ob er alle 500 Premier-League-Spiele allein in dieser Saison absolviert hat", schrieb der "Guardian". Und das war noch höflich formuliert.

 

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Home, sweet home: Die Auszeichnung "bester Veranstaltungsort" hat das Estadi Cornella-El Prat bereits im Sommer erhalten. Seit anderthalb Jahren spielt Espanyol im Stadion vor den Toren der Stadt, und das mit mittlerweile sehr großem Erfolg. Schon in der letzten Saison war die Heimbilanz mit sehr vernünftigen 33 Punkten schon akzeptabel, jetzt starten die Blau-Weißen aber erst so richtig durch. Das 1:0 gegen Sporting Gijon war der siebte Sieg im siebten Heimspiel. Espanyol ist also fast so etwas wie das kleine Borussia Dortmund Spaniens. Vorbei sind die elendigen Jahre im gehassten Olympiastadion. Der Geist des ehemaligen Sarria-Stadions hat Einzug gehalten ins Cornella-El Prat.

Dicke Luft: Beim anderen "kleinen" Stadtverein herrscht dagegen ein sehr angespanntes Klima. Atletico hat bei Abstiegskandidat UD Levante schon wieder verloren und den Kontakt zu den Champions-League-Plätzen längst verloren. Für Präsident Enrique Cerezo, der die Rojiblancos vor der Saison als dritte Kraft in Spanien sah, der nächste Tiefschlag nach der EL-Pleite gegen Saloniki. Nach der sechsten Saisonniederlage gerät Trainer Quique Sanchez Flores jetzt voll in die Schusslinie. "Ich weiß nicht, wer Schuld hat. Aber das war eins der schlimmsten Spiele seit Jahren! Entweder wir wachen auf oder wir suchen eine Lösung", polterte Cerezo. Quique selbst verfolgte das Spiel wegen seiner Sperre von der Tribüne aus. Vielleicht sieht er sich da demnächst öfter wieder. Zuletzt glänzte er schließlich schon in seinem Zweitjob als Co-Kommentator des spanischen Fernsehens.

Chaos am Gleis: Der Streik der spanischen Fluglotsen hat am Wochenende für ein heilloses Durcheinander gesorgt. Der FC Barcelona hätte beinahe das Auswärtsspiel in Osasuna verpasst, musste mit Bus und Bahn anreisen und kam gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn erst am Stadion an. Leo  Messi hätte im Trubel beinahe seine Sporttasche vergessen, die Kollegen den armen Pedro - bis irgendeinem aufgefallen war, dass einer fehlt ("Falta uno! Falta uno!"). Anstatt die Schuld jetzt aber komplett auf die Streikenden zu schieben, nimmt Barca-Boss Sandro Rossell die Episode auf seine Kappe. Er habe schließlich mit dem Verband verhandelt und sei nicht zu einem adäquaten Ergebnis gekommen. Weniger entspannt sieht Flughafenbetreiber AENA die Angelegenheit: Gegen 442 Fluglotsen wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Im schlimmsten Fall drohen bis zu acht Jahre Gefängnis.

Berbatow: Der Killer im Schaukelstuhl

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