Tagebuch aus Windhoek, Teil II

Fleisch ist mein Gemüse

SID
Donnerstag, 27.05.2010 | 17:07 Uhr
War es das Fleisch? Fredi Bobic musste ausgewechselt werden. Portugals Antonio Veloso tröstet
© spox
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Die Hölle für Veganer: Die Global-United-Stars ernähren sich vor dem großen Benefiz-Spiel in Namibia nur von toten Lebewesen - und leiden an der Fleischeritis. Aufklärung gibt's von Aiman Abdallah.

Die Zeitschrift "NEON" veröffentlichte in der aktuellen Ausgabe einen Artikel über Fleischfresser und Vegetarier. Oder genauer: einen Artikel darüber, dass Fleischfresser vor allem gesünder leben würden als Vegetarier.

Man könnte jetzt mit der Autorin über die Stichhaltigkeit der vorgebrachten statistischen Belege diskutieren - doch dafür fehlt mir schlicht die Muße.

Daher heißt es: Selbst ist der Aiman Abdallah! Welttorhüter Lutz Pfannenstiel und sein "Global United FC" luden 30 Fußball-Stars aus aller Welt und SPOX zu einem Benefizspiel in die namibischen Hauptstadt Windhoek ein, um auf die Folgen der Klimaerwärmung aufmerksam zu machen.

Yummy

Ein hehres Projekt, das gleichzeitig zu einem wissenschaftlichen Experiment wurde: Welche Auswirkungen hat exzessiver Fleischkonsum? Denn schnell wurde jedem Gast klar, auf welche Essensspezialitäten die einheimische Küche setzt.

Zebra- oder Krokodil-Steak hatten wir bereits am ersten Tag, daraufhin ging es weniger exotisch, dafür aber umso fleischiger zu.

Der erste Tag verlief so: Omelett mit Schinken (Durchschnitts-Fleischkonsum: geschätzte 50 Gramm) zum Frühstück, Zebra- oder Krokodil-Steak (Fleischkonsum: 350 Gramm) zum Mittagessen, Hühnchen und Schweinefleisch in Bratensauce (Fleischkonsum: 300 Gramm) als Dinner.

Panierte Scampi als Vorbereitung

Und auch der zweite Tag sollte nichts an den Routinen ändern - obwohl abends das Benefizspiel von "Global United FC" anstand.

Rührei mit Speck (Fleischkonsum: 50 Gramm) zum Frühstück, Spaghetti Bolognese (Fleischkonsum: 150 Gramm) zum Mittagessen und als "leichtes Pre-Matchmenü" (offizielle Hotel-Information) standen 90 Minuten vor dem Anpfiff Frühlingsrollen mit Hackfleisch sowie panierte (!) Hähnchen und Scampis (Fleischkonsum: 150 Gramm) zum Verputzen bereit.

Ein Graus für jeden Ökotrophologen - was die meisten der Kicker aber nicht davon abhielt, ordentlich zuzuschlagen.

Rindersteak als Fast-Mitternachtssnack

Nach dem Abpfiff um 23 Uhr wurde die Fleischorgie mit einem Rindersteak (Fleischkonsum: 350 Gramm) abgerundet. Sprich: In jeder Mahlzeit gab es Fleisch, und im Schnitt hat jeder Teilnehmer mindestens ein Kilo totes Lebewesen verputzt - woraus sich die Frage ableitet: Leben Fleischfresser wirklich gesünder als Vegetarier?

Den ersten Eindrücken zu Folge: NEIN! Fredi Bobic erlitt in der Partie gleich nach 15 Minuten eine Muskelverletzung und musste raus, Wynton Rufer kam hingegen erst in der Endphase ins Spiel, da er sich zuvor nicht fit genug fühlte.

Außerdem ließ der Fitnessstand einiger Alt-Internationalen etwas zu wünschen übrig, weswegen wie im Eishockey durchgängig ausgewechselt wurde.

Diese Longdrinks...

Ich persönlich stand nur an der Seitenlinie - was das Verletzungsrisiko enorm minimierte. Am nächsten Morgen jedoch bemerkte ich ebenfalls erste Anzeichen der Fleischeritis. Kopf- und Gelenkschmerzen, steifer Nacken, kein Appetit.

Vielleicht hat "NEON" doch unrecht.

Oder es lag an den vier Longdrinks nach dem Spiel...

Tagebuch aus Windhoek, Teil I: "Avatar" sorgt für Ärger

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