Sonntag, 10.01.2010

Afrika-Cup

Afrikas Stars kämpfen um Ägyptens Nachfolge

Fünf Monate vor dem WM-Start beginnt heute in Angola das erste Fußball-Highlight des Jahres 2010 auf dem schwarzen Kontinent. Titelverteidiger beim 27. Afrika-Cup ist Ägypten.

Ägypten feiert den Sieg beim Afrika-Cup 2008
© sid
Ägypten feiert den Sieg beim Afrika-Cup 2008

Die Fußball-Welt blickt auf Angola, Südafrika schaut in die Röhre: Fünf Monate vor der WM muss der Gastgeber die sportliche Generalprobe beim Afrika-Cup (10. bis 31. Januar) vor dem Fernseher verfolgen.

Die Superstars des Kontinents wie Didier Drogba, Samuel Eto'o und Michael Essien geben sich dafür ein Stelldichein und testen ihre Form für das Weltsportereignis des Jahres.

"Das ist wie eine kleine WM und für alle die wichtigste Generalprobe", sagte Anthony Baffoe, langjähriger Bundesliga-Profi und heute Sportdirektor des deutschen WM-Gruppengegners Ghana: "Der Afrika-Cup hat eine enorme Bedeutung. Wer ihn nur einmal gewinnt, dem wird ewige Ehre zuteil. Wir wollen in Angola unbedingt gewinnen."

Vier Chelsea-Stars reisen nach Angola

Nicht alle anwesenden fünf WM-Teilnehmer werden die Afrika-Meisterschaft so ernst nehmen - und für die europäischen Vereine ist das Turnier seit jeher ein einziges Ärgernis.

Das hat sich auch 2010 nicht geändert: So muss der FC Chelsea alleine vier Stars ersetzen, und auch einige Bundesliga-Klubs stellen wie immer zähneknirschend Leistungsträger ab.

Obafemi Martins (VfL Wolfsburg), Chinedu Obasi (beide Nigeria/1899 Hoffenheim) und Mohamed Zidan (Borussia Dortmund), mit Ägypten Titelverteidiger, sind die prominentesten Namen unter den 16 nominierten Profis aus der deutschen Eliteklasse.

Den größten Zank aber gab es um Anthar Yahia vom VfL Bochum: FIFA-Chefmediziner Jiri Dvorak musste konsultiert werden.

Dieser entschied in Zürich, dass der Algerier, der seine Mannschaft vorher zur WM geschossen hatte, fit genug ist, um eventuell (!) im Verlauf des Turniers spielen zu können.

"Das gefällt uns natürlich gar nicht", sagte VfL-Manager Thomas Ernst.

Eto'o will Kamerun zum Titel schießen

Die Topstars spielen allerdings in England, Italien oder Spanien. Samuel Eto'o, Starstürmer von Inter Mailand und zudem Afrika-Cup-Rekordschütze (16 Tore), will den Topfavoriten Kamerun zum Titel schießen.

"Wir werden siegen. Und es ist mein wichtigstes Ziel, den Rekord für die meisten Tore während eines einzigen Cups zu knacken." Zehn Tore sind nötig, um die bisherige Bestmarke von Mulamba Ndaye (9 für Zaire 1974) zu überbieten.

Kamerun ist die Nummer elf der FIFA-Weltrangliste, keiner der 15 Konkurrenten, die in vier Stadien (Luanda, Cabinda, Benguela und Lubango) um den Titel spielen werden, ist besser platziert.

Yeboah: "Wir gewinnen das Finale"

Ein alter Bekannter aus der Bundesliga ist dennoch sicher, dass Ghanas Black Stars das Rennen machen werden.

"Wir gewinnen das Finale und bringen die Trophäe nach Hause", sagte der ehemalige Torjäger Tony Yeboah.

Ein gewichtiges Wörtchen mitreden wollen der Rekordsieger Ägypten, der das WM-Ticket verpasst hatte, die Elfenbeinküste mit Chelsea-Star Drogba, Algerien und Nigeria. Angola selbst wird keine Chance eingeräumt.

Attentat sorgt für Angst

Überhaupt ist es ein kleines Wunder, dass die 12-Millionen-Einwohner-Nation, WM-Teilnehmer von 2006, acht Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges ein Kontinentalturnier ausrichten kann.

Als hätte Angola keine anderen Sorgen: Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren ist die zweithöchste der Welt, lediglich 40 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu ausreichend Trinkwasser, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 38,87 Jahren.

Dennoch wurden angeblich 150 Millionen Euro in Luandas Prachtstadion "11. November" (50.000 Zuschauer) investiert, in dem am 31. Januar der Titelträger gekürt wird.

Zwei Tage vor dem Start des Cups ließ ein Attentat auf den Tross der togolesischen Mannschaft mit drei Todesopfern die Sicherheits-Diskussion hochkochen.

Die Sperber um ManCity-Star Emmanuel Adebayor sagten daraufhin ihre Teilnahme zunächst ab, änderten in der Nacht zum Sonntag aber ihre Entscheidung.

"In Gedenken an die Toten": Togo will spielen


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