"Tor gegen Deutschland wie ein Lottogewinn"

SID
Montag, 10.08.2009 | 13:17 Uhr
Berti Vogts (M.) trainiert seit dem 1. April 2008 die Nationalmannschaft Aserbaidschans
© Getty
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Aserbaidschan holte in der WM-Quali erst einen mageren Punkt. Von Frustration ist bei Trainer Berti Vogts dennoch nichts zu spüren. Er kümmert sich mehr um die Zukunft. Sogar eine Rückkehr zum DFB schließt "Foqts" nicht aus.

Kein Sieg, kein Tor: Obwohl die Bilanz der Nationalmannschaft von Aserbaidschan in der laufenden WM-Qualifikation verheerend ist, hat Berti Vogts seinen Optimismus nicht verloren. Der frühere Bundestrainer, der mit der Auswahl der Kaukasus-Republik am Mittwoch in Baku im Hinspiel auf Deutschland (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) trifft, wirkt völlig entspannt und will von Frustration nichts wissen.

"Weil ich in in erster Linie sehen möchte, dass sich die Mannschaft in die richtige Richtung entwickelt. Und da sind wir ein gutes Stück vorangekommen", sagte der 62-Jährige, der die DFB-Auswahl 1996 zum EM-Titel geführt hat und seit Frühjahr 2008 eine neue Herausforderung in Aserbaidschan übernommen hat.

Nach McBertie kommt Berti "Foqts"

Der Weltmeister von 1974, der sich bereits seit einigen Wochen in Baku aufhält und zwischen den schweißtreibenden Trainingseinheiten bei 35 Grad am Pool entspannt, freut sich auch das Wiedersehen mit seiner alten Mannschaft.

"Natürlich ist das für mich ein besonderes Spiel, denn ich habe immer noch ein sehr gutes Verhältnis zum DFB. Zudem verfolge ich die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft ganz genau", äußerte der ehemalige Terrier, der auf der offiziellen Internetseite des Verbandes als Berti "Foqts" aufgelistet ist.

Verhältnis zum DFB wieder gut

Sein Verhältnis zum DFB, das nach seiner Trennung im Herbst 1998 zunächst gestört war, ist mittlerweile wieder gut. Vogts: "Ich glaube auch, dass ich stolz auf meine 19 Jahre beim DFB sein kann, in denen ich gute Arbeit geleistet habe. Ich habe beim DFB eine wunderschöne Zeit erlebt. Ich weiß auch, dass ich dem deutschen Fußball alles zu verdanken habe. Und egal, wo ich arbeite, interessieren mich immer zuerst die Ergebnisse meiner ehemaligen Mannschaften, der Nationalmannschaft und von Borussia Mönchengladbach."

Der 96-malige Nationalspieler weiß aber genau, dass er am Mittwoch gegen die deutsche Mannschaft nicht allzuviel ausrichten kann. "Meine Mannschaft soll die Chance nutzen, von Deutschland zu lernen. Wenn wir das Hinspiel in Baku knapp und beim Rückspiel nicht zu hoch verlieren, wären wir mehr als zufrieden. Klar ist aber, dass die deutsche Mannschaft der Topfavorit in beiden Spielen ist", sagte der frühere Gladbacher Profi.

Schmunzelnd fügt er hinzu: "Ein Tor gegen Deutschland wäre für meine Mannschaft wie ein dicker Lottogewinn."

Arbeit zahlt sich später aus

Obwohl es bislang für seine Mannschaft noch nicht zu einer Sensation gereicht hat, sieht er den 137. der Weltrangliste auf dem richtigen Weg, wenngleich sich seine Arbeit in dem Fußball-Entwicklungsland erst später auszahlen werde: "Ähnlich wie in meiner Zeit in Schottland habe ich die Mannschaft nach und nach verjüngt. Die Erfolge nach einem solchen Umbruch stellen sich zwangsläufig erst später ein. Das hat man in Schottland gesehen und das wird man auch in Aserbaidschan sehen, wenn man die nötige Geduld hat. Wenn man an dem Konzept mit jungen Spielern festhält, wird man in vier bis fünf Jahren im europäischen Fußball mithalten können."

Ob er an der Verwirklichung dieses Konzeptes weiter aktiv mitwirkt, steht noch in den Sternen. Grundsätzlich kann sich Vogts aber schon vorstellen, seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag zu verlängern: "Vorstellen kann ich mir alles. Aber sicherlich muss man dann frühzeitig abklären, inwieweit der Verband in der Lage ist, meinen Vorstellungen zu folgen. Grundsätzlich habe ich im Verband eine sehr gute Unterstützung für meine Arbeit."

Rückkehr zum DFB nicht ausgeschlossen

Falls er eines Tages seine Zelte in Baku abbricht, schließt Vogts ein Comeback im deutschen Fußball nicht aus.

"Vielleicht nicht als Trainer, sondern als Technischer Direktor. Ich könnte mir auch vorstellen, dem DFB als Berater zu helfen", sagte Vogts, der der DFB-Auswahl in den kommenden Monaten eine Menge zutraut: "Deutschland wird ohne Wenn und Aber Gruppensieger und ist für mich auch einer der großen Anwärter auf den WM-Titel."

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