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Europa League, Finale

Bacca schießt Sevilla zum Titel

Mittwoch, 27.05.2015 | 22:46 Uhr
Der FC Sevilla hat seinen Titel verteidigt und die Europa League 2015 gewonnen
© getty
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Der FC Sevilla hat das Finale der Europa League 2015 gewonnen, den Titel somit erfolgreich verteidigt und sich mit dem insgesamt vierten Gewinn dieses Wettbewerbs zum alleinigen Rekordsieger gekrönt. Im Endspiel in Warschau schlug die Elf von Trainer Unai Emery die ukrainische Überraschungsmannschaft Dnipro Dnipropetrovsk mit 3:2 (2:2).

Vor 56.000 Zuschauern im Stadion Narodowy in Warschau ging der Außenseiter aus der Ukraine durch Nikola Kalinic früh in Führung (7.). 20 Minuten später glichen die Spanier jedoch durch Grzegorz Krychowiak aus.

Carlos Bacca erhöhte mit seinem sechsten Europa-League-Treffer in dieser Saison nur drei Zeigerumdrehungen später auf 2:1 für Sevilla (31.). Ruslan Rotan markierte kurz vor der Pause mit einem direkt verwandelten Freistoß das 2:2 (44.).

Erneut Bacca machte 17 Minuten vor dem Ende alles klar und schoss Sevilla mit seinem Tor des Abends zum Titelgewinn.

Wenige Minuten vor dem Ende der Partie folgte leider noch ein Schockmoment: Dnipros Matheus sank - womöglich als Folge eines Zusammenstoßes mit Benoit Tremoulinas - ohne gegnerische Einwirkung in sich zusammen. Der Brasilianer musste mit einer Trage vom Platz gebracht werden und wurde er mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Coach Myron Markevych gab auf der Pressekonferenz nach Abpfiff vorsichtig Entwarnung: "Soviel ich weiß, sieht es aus, als sei er okay."

Sevilla gelingt damit die erste Titelverteidigung in der Geschichte der Europa League. Zuvor gewann die Andalusier 2006 und 2007 den UEFA-Pokal. Damit sind die Spanier für die Playoffs der Champions League qualifiziert.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Dnipro lässt Stürmer Seleznyov, der beim Rückspiel gegen Napoli den Treffer zum Finaleinzug erzielte, auf der Bank. Für ihn agiert Kalinic in vorderster Front. Top-Star Konoplyanka kommt wie gewohnt über die linke Mittelfeldseite.

Sevilla mit der zu erwartenden Formation: Torjäger Bacca in der Spitze, Banega als Zehner dahinter, Gameiro draußen. Auch Ex-Gunner Reyes steht in der Startelf und spielt rechts im Mittelfeld.

7., 1:0, Kalinic: Welch ein Auftakt für den Underdog! Kalinic verlängert einen weiten Ball per Kopf auf die rechte Seite und zieht den Sprint in den Strafraum an. Matheus bekommt die Kugel und bringt die perfekte Hereingabe, die Kalinic aus wenigen Metern nur noch einnicken braucht. 4. Turniertor!

20.: Sevilla fährt jetzt einen Angriff nach dem anderen. Reyes macht den Robben, zieht mit Tempo von links in die Mitte und schließt aus 18 Metern ab. Der Schuss aufs kurze Eck geht hauchdünn neben dem Pfosten ans Außennetz.

24.: Tolle Parade! Nach einer Ecke von links taucht Krychowiak vollkommen blank am Fünfer auf, aber Boyko fischt die Kugel mit einer irren Parade aus dem Eck. Lange geht das hier nicht mehr gut...

28., 1:1, Krychowiak: Überfällig! Kurze Ecke von links, die zentral vor dem Kasten bei Bacca landet. Der Angreifer legt ab auf Krychowiak, der die Kugel aus dem Gewühl flach im rechten Eck versenkt!

31., 1:2, Bacca: Dnipro hechelt hier nur noch hinterher. Reyes mit dem fantastischen Pass in die Tiefe, Bacca darf alleine auf Boyko zulaufen, den Keeper umkurven und zur Führung einschieben. Douglas rutscht beim Rettungsversuch nur ins Leere.

38.: Dnipro findet mal wieder den Weg nach vorne. Konoplyanka probiert's von rechts mit einem präzisen Schuss aus 18 Metern, den Sergio Rico aber mit einer sensationellen Parade aus dem Giebel fischt.

44., 2:2, Rotan: Torschuss Nummer vier bringt Tor Nummer zwei - und was für eines! Rotan tritt zum Freistoß an. Der Kapitän nimmt 18 Meter zentral vor dem Kasten nur einen Schritt Anlauf und zirkelt das Leder wunderbar über die Mauer. Sensationeller Freistoß, keine Chance für den Keeper!

67.: Was für ein Durcheinander im Dnipro-Strafraum! Ein Ecke von rechts klatscht Boyko direkt nach vorne ab, doch Krychowiak braucht wenige Meter vor dem Tor zu lange und wird bei seinem Versuch geblockt. Auch Coke bleibt mit seinem Nachschuss hängen. Irgendwie bekommt Dnipro die Kugel dann weg.

73., 2:3, Bacca: Ein verünglückter Befreiungsschlag flippert vor dem Sechzehner hin und her und landet schließlich bei Vitolo, der geistesgegenwärtig in den Sechzehner auf Bacca durchsteckt. Kurzer Antritt, trockener Abschluss rechts unten - Boyko ist machtlos!

79.: Wahnsinniger Reflex von Boyko! Kankava mit einem desolaten Befreiungsschlag, der umgehend als Flanke wieder in den Sechzehner kommt. Bacca ist ganz frei, trifft den Ball aus sechs Metern aber unsauber mit der Schulter. Trotzdem lenkt Boyko das Ding mit einer Glanztat über den Querbalken. Auch die folgende Ecke setzt der Goalgetter hauchzart daneben.

Fazit: Dnipro kämpfe aufopferungsvoll und überraschte auch im Finale mit seiner Effizienz. Sevilla rannte geduldig an und hatte in Bacca den Mann in seinen Reihen, der letztlich den Unterschied ausmachte.

Der Star des Spiels: Carlos Bacca. Steter Unruheherd, der zu jeder Zeit Gefahr ausstrahlte. Bereitete den Ausgleich vor und vollstreckte danach beide Male eiskalt.

Der Flop des Spiels: Leo Matos. Dnipros Linksverteidiger war viel beschäftigt, Sevillas Angriffe liefen fast ausnahmslos über seine Seite. Hatte mit Reyes große Probleme und stand gleich mehrere Male schlecht im Raum.

Der Schiedsrichter: Souveräne Vorstellung und unaufgeregte Spielführung von Martin Atkinson (England). Verteilte korrekte persönliche Strafen und lag auch in der 6. Minute damit richtig, beim Duell zwischen Reyes und Rotan im Dnipro-Strafraum nicht auf Elfmeter für Sevilla entschieden zu haben. Ließ die Pfeife auch beim Zweikampf zwischen Vitolo und Matheus stumm, obwohl der Dnipro-Akteur seinen Gegenspieler touchiert hat - knifflige Entscheidung.

Das fiel auf:

  • Dnipros Plan war klar: Hinten mit zwei dicht gestaffelten Ketten zu zehnt verteidigen und bei Ballgewinn über Kalinic, der rund um den Mittelkreis abgestellt wurde, Meter nach vorne machen. Dies ging beim frühen Führungstor vorzüglich auf.
  • Sevilla reagierte mit einem variablen Angriffsspiel auf den Rückstand. Beim Spielaufbau wurde das Mittelfeld aufgefüllt, so dass bisweilen ein 3-5-2 entstand. Die Andalusier konnten sich aus engen Räumen immer wieder fußballerisch befreien, häufig auch im Eins-gegen-eins. Zudem schnappten sich die Spanier viele zweite Bälle und hielten so den Druck auf Dnipros Defensive hoch.
  • Sevilla überraschte Dnipro einige Male mit klug ausgeführten Standardvarianten, nach denen es stets gefährlich wurde. Aus einer solchen resultierte auch das 1:1.
  • Die Ukrainer legten im Spiel gegen den Ball eine hohe Physis an den Tag. Wenn es nicht mehr anders ging, wurde oftmals auch die klassische Grätsche ausgepackt. Doch besonders die Reaktion nach dem 1:2 war bemerkenswert: Dnipro rückte offensiv besser nach und schaffte es vor allem über die Flügel in den Rücken der gegnerischen Abwehr.
  • Diese Abwechslung fehlte dagegen im zweiten Durchgang: Dnipro beschränkte sich wieder auf die Defensive, Sevilla rannte an. Zwar gelangen den Ukrainern nach Ballgewinnen ein paar vielversprechende Umschaltaktionen, doch diese versandeten letztlich aufgrund mangelnder Unterstützung im vorderen Drittel. Sevilla ließ die Kugel am Boden, blieb in seinen Bemühungen klar und geduldig - und belohnte sich mit dem verdienten Siegtreffer.

Dnipro Dnipropetrovsk - FC Sevilla: Daten und Fakten

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