Spanier entdecken Liebe zur Nationalelf

SID
Montag, 23.06.2008 | 13:04 Uhr
em 2008, spanien, jubel, fans
© DPA
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Madrid - Als der Einzug Spaniens ins Halbfinale der Europameisterschaft besiegelt war, stieg König Juan Carlos von der Ehrentribüne in die Kabine herab und gratulierte den Fußballern.

Den spanischen Nationaltrainer Luis Aragonés schloss der Monarch fest in die Arme. "Ich werde versuchen, beim Halbfinale wieder dabei zu sein", versprach Juan Carlos. Den König hatte es während des Elfmeterschießens im Viertelfinalspiel Spanien gegen Italien kaum noch auf seinem Sitz gehalten.

Der König fieberte ebenso mit der Selección wie die Fans, die die Partie daheim in Madrid auf dem Kolumbus-Platz auf einer Großleinwand verfolgten.

20.000 Fußballbegeisterte hatten sich bei 34 Grad Hitze auf der "Plaza de Colón" versammelt. Viele von ihnen trugen die roten Trikots der Selección. Im Volksmund heißt der Kolumbus-Platz daher jetzt "Roter Platz".

Neuer Rekord in spanischer Fernsehgeschichte

Überall in Spanien strömten nach dem Sieg der Selección über Italien Menschen auf die Straßen und schwenkten rotgelbe Fahnen. Die EM verhalf dem Land zu einem neuen Fußballgefühl.

Bisher hatten die Spanier ihre Selección eher stiefmütterlich behandelt. Die Fans begeisterten sich für ihre Clubs wie Real Madrid oder FC Barcelona, aber von der Nationalelf wollten nur die Wenigsten etwas wissen. Um Zuschauer anzulocken, musste "La Roja" (Die Rote) ihre Länderspiele zumeist in Provinzarenen austragen.

Bei der EM scheinen die Spanier nun ihre Liebe für die Nationalelf entdeckt zu haben. 11,5 Millionen TV-Zuschauer verfolgten die Viertelfinalpartie am Bildschirm mit. Beim Elfmeterschießen waren es gar 15,9 Millionen, was eine Einschaltquote von 79,9 Prozent und damit einen Rekord in der spanischen Fernsehgeschichte bedeutete.

"Casillas ändert den Verlauf der Geschichte"

"Viva España!", titelte das Sportblatt "As". Die Presse feierte Iker Casillas als Helden. "Der Torwart vertreibt die Geister der Vergangenheit", betonte die Zeitung "El País".

"Seit 1984 war die Selección in keinem großen Wettbewerb über das Viertelfinale hinausgekommen. Aber Casillas ändert den Verlauf der Geschichte."

Weniger gut waren die Spanier auf den deutschen Schiedsrichter zu sprechen. "Die Darbietung Herbert Fandels war eines EM-Viertelfinales unwürdig", befand das Sportblatt "Marca".

"Die Unparteiische benachteiligte Spanien permanent und entschied im Zweifel für die Italiener." Das Konkurrenzblatt "As" ergänzte: "Fandel wird sich vermutlich selbst ärgern, wenn er seine Entscheidungen in einer Aufzeichnung zu sehen bekommt."

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