Mittwoch, 04.06.2008

EM 2008

Rehhagel bleibt für Griechen "König Otto"

Seekirchen - Der Europameister hat zumindest schon die Herzen österreichischer Schulkinder gewonnen: Beim ersten öffentlichen Training des Titelverteidigers waren die griechischen Fans unter den 1000 Besuchern noch klar in der Minderheit.

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© DPA

Doch wenn am Donnerstagabend erneut die Türen im Sportzentrum Seekirchen bei Salzburg aufgehen, dürften alle 1500 Eintrittskarten vergriffen sein. Der örtliche Verein rechnet mit vielen Anhängern aus Hellas, die den Spielern und "König Otto" huldigen - so wie zuvor 8000 Griechen in Offenbach.

Trainer Otto Rehhagel genießt als Vater des sensationellen EM-Triumphes von 2004 weiter Kultstatus. Auch vereinzelte Pfiffe bei der schwachen Generalprobe gegen Armenien konnten seiner Beliebtheit nichts anhaben.

Der in zwei Monaten 70 Jahre alt werdende Trainer winkte auf dem Bieberer Berg den weiß-blau gekleideten Fans zu und bedankte sich mit erhobenem Daumen für die Sympathiebekundungen.

Mit Otto zur WM

Der Trainer-Veteran ist seit August 2001 im Amt und seit dem Abschluss der EM-Qualifikation im November 2007 der griechische Auswahlcoach mit den meisten Partien.

"Niemand konnte ahnen, dass ich so viele Spiele in der Verantwortung bin", sagte Rehhagel nach dem 75. Spiel. "Die Tatsache, dass wir weniger als 25 Minuten für eine Übereinkunft gebraucht haben, zeigt das gegenseitige Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit", erklärte Verbandspräsident Vassilis Gagatsis bei der Vertragsverlängerung Ende März.

Rehhagel soll die Griechen nach der EM zur WM-Endrunde 2010 führen, nachdem der Europameister ausgerechnet die WM 2006 in der Heimat des Trainers verpasst hatte.

Gespräche über Armenien

Umso souveräner absolvierte der Titelverteidiger die Qualifikation für das EM-Turnier, wo am kommenden Dienstag Schweden in der Gruppe D erster Vorrundengegner ist. Weitere Kontrahenten in Salzburg sind Russland und Spanien.

Das enttäuschende 0:0 gegen Armenien dürfte in diesen Tagen noch einmal zur Sprache kommen. "Wir haben in Salzburg noch Zeit, das Spiel aufzuarbeiten. Wichtig ist, dass man sich auf den Punkt genau sicher ist, wen man bringen kann", hatte Rehhagel nach der Nullnummer erklärt. "Ich hoffe, dass wir nach einer Woche dort so weit sind."

Öffentliche Äußerungen von ihm sind rar. Die griechische Mannschaft war am Dienstag geradewegs vom Flughafen in ihr Quartier nach Hof bei Salzburg gefahren.

Rehhagel spart nicht mit Kritik

Nicht einmal Blasmusik im Hotel sollte die Konzentration stören, außerdem darf Rehhagels Verhältnis zu den Medien weiter als gespannt gelten.

In Frankfurt wurde nach der 2:3-Pleite gegen Ungarn geheim trainiert. Die Fotografen machten ihre Bilder durch den Zaun, andere Berichterstatter stellten Leitern auf, um etwas vom Training zu erhaschen.

Ein deutscher Journalist war nach der Partie gegen die Armenier Ziel geharnischter Kritik von Rehhagel. Auch die griechischen Journalisten empfanden den Trainer als extrem geladen. Doch sollten erneut sportliche Heldentaten gelingen, dürfte Rehhagel auch von den Medien wieder gefeiert werden.


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