Freitag, 13.06.2008

EM 2008

Papa Del Piero soll's für Italien richten

Zürich - In der größten Not ist der Kleinste wieder der Größte. Stehaufmännchen Alessandro Del Piero feiert bei der EM Italiens Comeback des Jahres: Vom Auslaufmodell zum Retter der Nation.

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© DPA

Von Trainer Roberto Donadoni schon ausgemustert, ist der gerade mal 1,73 Meter große Stürmer plötzlich wieder der Held der verunsicherten Azzurri.

"Ich bin bereit. Ich will bei dieser EM entscheidend sein und habe keine Angst", sagte der Star von Juventus Turin und packte sich beim Schicksalsspiel gegen Rumänien alle Verantwortung auf seine Schultern.

"Die Geburt unseres Sohnes Tobias hat mein Leben verändert, seitdem geht es bergauf, er gibt mir Kraft", verriet Del Piero sein Erfolgsgeheimnis.

Seit dem 20. Oktober letzten Jahres ist der junge Vater tatsächlich fulminant durchgestartet. Mit 21 Treffern holte sich der Juve-Kapitän zum ersten Mal die Torjägerkrone in der Serie A.

Vom Sensibelchen zum Chef

"Ich bin so gut wie noch nie", sagte Del Piero bei der Europameisterschaft - und das ohne die geringste Überheblichkeit. Mit 33 Jahren ist das "Sensibelchen" von einst zum charismatischen Chef auf dem Platz gereift.

Der einzige, der beim Weltmeister den verletzten Fabio Cannavaro als Kopf der Mannschaft ersetzen kann. Vorbei die Zeiten, als sich der Freistoßkünstler seit seinem Nationalmannschaftsdebüt vor 12 Jahren von sämtlichen Trainern unverstanden fühlte.

Noch im vergangenen Sommer hatte der frustrierte Del Piero gefordert: "Entweder ich spiele im Sturm oder gar nicht!" Daraufhin schmiss ihn Donadoni aus der "Squadra Azzurra".

Der große Del Piero-Tag

Jetzt musste er den diplomatischer gewordenen Del Piero zurückholen und nun auch noch hoffen, dass ausgerechnet der ihm gegen Rumänien den eigenen Job rettet.

Am Vorabend des Spiels ernannte der Coach den mit 86 Länderspielen routiniertesten Italiener zum Kapitän und bestätigte ihn - ganz gegen seine Gewohnheit - schon früh für die Startelf.

"Del Piero ist ein Spieler mit großem Charisma", lobte Donadoni. Dafür bekam der geprügelte Coach erstmals Lob von der Presse: "Na endlich, das war die richtige Wahl", gratulierte "La Gazzetta dello Sport", an dem ganz Italien den "großen Del Piero-Tag" erwartete. "Mit Alex kommt neuer Schwung", atmete "Tuttosport" auf.

Toni voller Lob

"Wir waren beim WM-Sieg vereint, nun müssen wir es auch in der Not sein", appellierte der Liebling der "Tifosi" schon nach dem 0:3-Auftaktdebakel gegen die Niederländer an die Ehre der Azzurri.

Schon in Bern war er der heimliche Chef, jetzt ist er es offiziell. Luca Toni lobte ihn als "herausragenden Stürmer mit großer Ausstrahlung". Der Bayern-Stürmer ist Del Pieros Wunschpartner: "Ich will möglichst nah bei ihm in der Spitze agieren", sagte der mit 26 Länderspieltreffern erfolgreichste Torjäger der Italiener in Zürich.

So sei Italiens Sturm am stärksten, um seinen letzten großen Traum wahr werden zu lassen. "Nur der EM-Titel fehlt mir noch", sagt der Lockenkopf, der bei der WM 2006 im Halbfinale das 2:0 gegen Deutschland erzielte und später in Berlin Weltmeister wurde.

Forever Juve

Bei Juve gewann er fünf Meistertitel, einmal die Champions League und vor allem die Herzen der Fans: Als der Rekordmeister im Ligaskandal zum Zwangsabstieg verurteilt wurde, schwor er Juve ewige Treue.

"Ein Gentleman verlässt seine Dame nicht", sagte Del Piero und schoss den in Italien "La Vecchia Signora" ("Große alte Dame") genannten Klub mit 41 Toren in zwei Jahren von der Serie B zurück in die Champions League. Eine fußballerische Glanztat und Charakterprobe.


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