Sonntag, 15.06.2008

EM 2008

Hickersberger für neues Cordoba bereit

Wien - Die Spieler beschwören das "Wunder von Wien", ganz Österreich träumt vom Viertelfinale - und Josef Hickersberger vom Leben ohne Fußball.

EM 2008, Josef Hickersberger, Österreich
© DPA

Der EURO-Thriller gegen Deutschland am Montag (20.30 Uhr im SPOX-Ticker) in Wien elektrisiert das EM-Mitgastgeberland, doch der Teamchef bereitet offenbar seinen vorzeitigen Abschied vor.

Bei einer Niederlage im K.o.-Spiel gegen den Erzrivalen war es womöglich seine letzte Partie auf der Trainerbank der Österreicher. Hickersberger will aber noch die einmalige Chance nutzen, über den Lieblingsgegner aus Deutschland ins Viertelfinale nach Basel zu kommen.

"Es geht um Alles oder Nichts, Aufstieg oder das Ende aller Träume", ist das Motto vor dem wichtigsten Spiel seiner Trainerlaufbahn.

Hickersberger entspannt 

Feinsinnige Bonmots, charmante Scherze und Lebensweisheiten - Hickersberger präsentierte sich am Wochenende in Stegersbach in Hochform. "Es gibt im Leben wichtigere Dinge", sagte er ganz entspannt.

Der Super-Montag in Wien kann aber sein größter Tag werden. Oder auch nicht. Dann bleibt er der Faröer-Pepi, weil er sich und Österreich vor fast 18 Jahren gegen die Faröer-Inseln fürchterlich blamiert hat.

Hickersberger wird den am Jahresende auslaufenden Vertrag nicht verlängern und nach der EM einem Nachfolger Platz machen, glauben die, die ihn lange kennen.

Kontrollierte Offensive 

Im kleinen Kreis hat er sich ein paar Journalisten anvertraut und quasi sein Rücktrittsgesuch eingereicht. "Egal, wie's ausgeht. Schreibt's mich raus", soll er gesagt haben. Doch zunächst will der 60-Jährige seine Mission, den jahrelang belächelten österreichischen Fußball nach vorne zu bringen, fortsetzen.

Mit kontrollierter Offensive will Hickersberger den Deutschen ein Bein stellen, "auch wenn mir das als Zaudern oder Feigheit ausgelegt wird".

In der Dreier-Abwehrkette soll der 35-jährige Routinier Martin Hiden den gesperrten Sebastian Prödl vertreten und mit Martin Stranzl und Emanuel Pogatetz Deutschlands "gefährliche Spitzen" Miroslav Klose, Mario Gomez oder Lukas Podolski entschärfen.

"Ballack ist der Schlüsselspieler" 

Im Mittelfeld treten die zweikampfstarken Joachim Standfest, Jürgen Säumel und Christian Fuchs gegen die deutschen Schaltstationen Michael Ballack und Thorsten Frings an.

"Ballack ist absolute Weltklasse und der Schlüsselspieler, aber es gibt keine Manndeckung", sagte Hickersberger. Im Angriff besitzen der Bremer Martin Harnik und Roland Linz trotz ihrer eklatanten Abschlussschwäche sein Vertrauen.

Hicke ist bereit für das Wunder gegen den "haushohen Favoriten" aus Deutschland: "Wir sind nicht chancenlos, wenn wir totalen Einsatz und Leidenschaft zeigen und das nötige Spielglück haben."

Herzog will neue Helden sehen 

Die Mannschaft redet nach Harniks "Hosenscheißer"-Spruch nur noch über sich selbst. "Wir können Helden werden", sagte Verteidiger Emanuel Pogatetz. "Das ganz Land steht hinter uns, wir wollen Geschichte schreiben", meinte Rene Aufhauser am Sonntag vor der Abfahrt nach Wien.

Teammanager Andreas Herzog will den "Mythos Cordoba auslöschen. Es ist Zeit für neue Helden. Wir werden über uns hinauswachsen, haben nichts zu verlieren. Für Deutschland wäre das Aus eine Katastrophe".

Mit "Immer wieder Österreich"-Gesängen begrüßten ein paar Dutzend Fans die Mannschaft am Sonntagmittag bei der Ankunft in ihrem Wiener Hotel.

Medien heizen Partie an

Im Schweizer Haus im Prater stimmten sich fröhliche Österreich-Anhänger mit Schlachtgesängen auf den Showdown ein."Schalala lala - Wien wird Cordoba" und "Alle fahren nach Basel, nur die Deutschen nicht" schallte es durch den Traditions-Biergarten im Prater.

Die Sonntagszeitungen heizten mit Schlagzeilen wie "Erfolgsrezepte für Sommermärchen" ("Kurier") und "Zehn Gründe, warum Deutsche Piefkes bleiben" ("Österreich") die Stimmung an.


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