Auftaktspiel und Alex Frei verloren

Schweizer Albtraum gegen harmlose Tschechen

SID
Sonntag, 08.06.2008 | 12:29 Uhr
Fußball, EM 2008, Schweiz
© DPA
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Basel - Leid- statt Eidgenossen: Ein weinender Kapitän an Krücken, ein Land im Tal der Tränen. Nur Augenblicke nachdem Alexander Frei humpelnd aus der Kabine zurückgekehrt war, traf das Zufalls-Tor des Tschechen Vaclav Sverkos den EM-Gastgeber Schweiz mitten ins Herz.

"Fußball ist oft nicht gerecht. Für uns ist nur dieses Spiel vorbei, nicht aber die EM", sagte der Schweizer Nationaltrainer Jakob "Köbi" Kuhn nach dem doppelten Albtraum im Eröffnungsspiel.

Für Borussia Dortmunds Frei ist die EM zu Ende. Der "Ballack der Schweiz" erlitt einen Teilanriss des Innenbandes im linken Knie. "Natürlich ist das ein Schock. Es ist fatal, einen Kapitän so zu verlieren", sagte Kuhn.

Sechs bis acht Wochen Pause für Frei 

Das tragische Missgeschick nach dem Zweikampf mit Italien-Profi Zdenek Grygera (42.) beendete den Traum des Schweizer Rekordschützen von einem Happy End eines Seuchenjahres. Nach Hüft- und Wadenoperationen musste Frei achteinhalb Monate pausieren und schaffte erst in der Bundesliga-Endphase sein Comeback.

Die Partie im SPOX-Spielfilm noch einmal erleben 

"Das ist eine Saison gewesen, die ich nie wieder erleben möchte. Ich ziehe mich an der EM hoch", hatte der in Basel geborene Torjäger vor der Abreise zur EURO noch voller Zuversicht gesagt. "Das bedeutet eine Pause von mindestens sechs, acht oder sogar zwölf Wochen", so nun die niederschmetternde Prognose seines neuen BVB-Trainers und des "ZDF"-Experten Jürgen Klopp. "So eine Situation ist tragisch."

"Wir kämpfen jetzt für Alex" 

Die eidgenössischen Spieler wollen nach dem Aus ihres Hoffnungsträgers und Antreibers die Köpfe aber nicht hängen lassen. "In der Kabine herrschte keine Niedergeschlagenheit. Wir müssen nun für Alex und die Nation kämpfen", forderte der Ex-Stuttgarter Marco Streller.

Schämen müssen sich die zu "Leidgenossen" gewordenen Eidgenossen für den Auftritt mit doppelt unglücklichem Ende nicht. "Es ist bitter, aber wir haben ein europäischen Topteam teilweise an die Wand gespielt", resümierte der Leverkusener Profi Tranquillo Barnetta vor dem "Endspiel" am Mittwoch in Basel gegen die Türkei.

Eine Chance, ein Treffer 

Wie Hohn muss es in seinen Ohren geklungen haben, als Tschechiens Nationaltrainer Karel Brückner nach destruktiven Defensiv-Gekicke auch noch behauptete: "Wir haben eine gute Leistung abgeliefert." Das Tor des 15 Minuten vorher eingewechselten Sverkos (71.) resultierte aus der einzigen Chance des Ex-Europameisters.

"Es war der beste Augenblick meiner Karriere", freute sich der Ex-Akteur von Borussia Mönchengladbach und bekannte, dass auch dabei Glück im Spiel war: "Ich schoss schnell, habe den Ball aber nicht richtig getroffen."

Gegen Portugal reicht das nicht 

Im Gegensatz zu ihrem Trainer gaben seine Spieler zu, das Tor zum Viertelfinale mit Fortunas Hilfe weit geöffnet zu haben. "Aus einem Minimum haben wir das Maximale gemacht", meinte David Jarolim (Hamburger SV).

Auch Sturm-Hüne Jan Koller von Absteiger 1. FC Nürnberg beschönigte nichts: "Es war ein glücklicher Sieg und wir haben enttäuscht." Indirekt kritisierte er die unansehnliche Mauertaktik von Brückner. "Wir müssen offensiver spielen. Gegen Portugal reicht das nicht", sagte er vor dem Spiel gegen Ronaldo und Co.

Die Schweizer haderten nicht nur mit dem Unglück von Frei und dem 0:1-Pech, sondern auch mit dem italienischen Referee Roberto Bossetti. "Ein, zwei klare Elfmeter hätten wir bekommen müssen", schimpfte Barnetta über die ausgebliebenen Pfiffe bei strittigen Handaktionen von Tomas Ujfalusi.

"Wir geben nicht auf" 

"Solche Situationen passieren. Ich bekomme den Ball gegen die Hand, aber ich kann dagegen nichts machen", meinte der Kapitän und Ex-Hamburger arglos. Diplomatisch kommentierte Kuhn die Szenen: "Das war keine Entscheidung, sondern eine Nichtentscheidung."

Wichtiger für ihn ist nun, wie seine weiterhin auf den ersten EM-Sieg der Geschichte wartende "Schweizer Garde" wieder aufrichten und die Nation wieder in Stimmung bringen kann. "Wahrscheinlicher ist es nicht geworden, dass wir weiterkommen", so Kuhn.

Doch vor vier Jahren habe Gastgeber Portugal auch das erste Spiel verloren und sei ins Finale eingezogen. "Das ist absolut möglich. Selbstverständlich geben wir nicht auf - ganz im Gegenteil."

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