Sonntag, 15.06.2008

EM 2008

Mainzer forschen über Fan-Konsumverhalten

Mainz - Professor Holger Preuß ist ein Freund des runden Leders, nicht nur weil es sein Beruf von ihm verlangt. Bei der EM interessiert sich der Mainzer Sportwissenschaftler aber mehr für die Zuschauer in den Stadien und Fanmeilen als für das Geschehen auf dem Rasen.

Holger Preuß
© DPA

Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Norbert Schütte untersucht er die wirtschaftliche und touristische Wirkung der EM im Gastgeberland Österreich. Auftraggeber der Studie sind die vier österreichischen Austragungsorte Innsbruck, Salzburg, Wien und Klagenfurt sowie die Regierung in Wien.

"Das Ausgabeverhalten von Besuchern von Sportgroßveranstaltungen ist ein anderes als das von Städte- oder Kulturtouristen", erklärt Preuß.

20 Studenten im Einsatz 

Daher hätten alle Vorhersagen, in welchem Maß Österreich von der EM-Austragung profitiert, auf Schätzungen beruht. "Man weiß weder, wie viele Leute kommen, noch, was sie ausgeben."

Um das herauszufinden, sind während der EM 20 österreichische Studenten im Einsatz, die in unmittelbarer Nähe der Stadien und in den Fanmeilen mehrsprachige Fragebögen verteilen.

Die Wissenschaftler rechnen nach eigenen Angaben mit einem Rücklauf von mehr als 6000 Fragebögen. Die zweite Hälfte der Studie zur Zufriedenheit der EM-Besucher und dem Image der Austragungsstädte wird von Wissenschaftlern des Management Center Innsbruck erstellt.

Reise- und Konsumverhalten

Im Mainzer Teil der Untersuchung geht es um das Reise- und Konsumverhalten der EM-Besucher. Eine der Fragen lautet etwa: "Wie viel werden Sie für die EM ungefähr ausgeben?" - aufgeschlüsselt nach Essen, Softdrinks, Alkohol, Eintrittskarten oder Unterkunft.

Die Daten erlauben auch Rückschlüsse auf unterschiedliche Nationalitäten: Welche Landsleute sind besonders ausgabefreudig, welche besonders knauserig?

Abgefragt wird außerdem, wie viele Nächte die Besucher in Österreich verbringen, wie lange sie sich in dem Land aufhalten und welche Tagesausflüge sie planen.

Brasilianer 2006 top 

Dieses Konzept habe sich bereits bei der WM 2006 als sehr effektiv und zuverlässig erwiesen, erklärt der Sportökonom. Auch damals hatte Preuß die Wirkung der WM unter die Lupe genommen.

Insgesamt spülten die 1,3 Millionen ausländischen Gäste im WM-Sommer rund 2,5 Milliarden Euro in die Kassen von Einzelhandel, Gaststätten und Tourismusindustrie. Der Staat profitierte der Studie zufolge mit 1,265 Milliarden Euro Steuermehreinnahmen.

Im Oktober will Preuß die Auswertung der EM-Studie vorlegen. Schon jetzt macht er sich Gedanken über die nächsten großen Sportereignisse: Die Ergebnisse der WM- und der EM-Untersuchung könnten auch für deutsche Städte interessant sein.

Etwa für Berlin, Gastgeber der Leichtathletik-WM 2009, oder für die Austragungsorte der Frauen-Fußball-WM 2011. Dank Preuß wissen sie, welche Gäste sie besonders umgarnen müssen. Denn eine Erkenntnis der WM 2006 lautete: "Keiner hat so viel eingekauft wie die Brasilianer."


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