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Ungarn arbeiten an Heldenstatus

SID
Donnerstag, 23.06.2016 | 12:24 Uhr
Ungarn schoss sich mit einem furiosen 3:3 ins Achtelfinale
© getty
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Aus Bernd Storck sprudelten die Worte nur so heraus, seine Stimme bebte, er holte kaum Luft. Der Trainer der Ungarn hatte es nach dem verrückten Spiel gegen die Portugiesen um Superstar Cristiano Ronaldo eilig. Schließlich wollte der Mann aus Herne der ganzen Welt so schnell wie möglich erzählen, wie stolz er auf "sein Team" ist.

"Fantastisch", "unglaublich" und "einmalig" presste Storck heraus, als er nach dem 3:3 (1:1) im abschließenden EM-Vorrundenspiel über den Gruppensieg referierte.

Und dann nahm der 53-Jährige, der mit seiner Auswahl am Sonntag im Achtelfinale in Toulouse (21.00 Uhr) auf Belgien trifft, Sätze in den Mund, die ganz Ungarn aufhorchen ließen.

"Ab jetzt möchte ich endgültig nicht mehr über die Vergangenheit sprechen. Wir haben die ganze Zeit in einem großen Schatten gelebt. Die Ära, in der Ferenc Puskas und die anderen tolle Sachen gemacht haben, war aber vor 60 oder 70 Jahren", sagte Storck: "Die aktuelle Mannschaft hat es verdient, dass man über sie spricht. Ich habe die ganze Zeit dafür gekämpft, das zu erreichen."

"Vor niemandem Angst"

Wenn es nach Storck geht, sollen also seine "Riesen" tatsächlich dafür sorgen, dass die Erinnerung an die legendäre "Goldene Elf" um ihren Kapitän Puskás, die das WM-Finale 1954 so sensationell mit 2:3 gegen Deutschland verloren hat, endlich verblasst.

Um das zu erreichen, wird der Gruppensieg aber sicher nicht genügen - auch wenn er in den Straßen von Budapest frenetisch gefeiert wurde. Die favorisierten Belgier müssen in jedem Fall noch aus dem Weg geräumt werden, damit Torwart-Oldie Gabor Kiraly ("Der Gruppensieg sagt alles über die Mannschaft") und seine Kollegen Heldenstatus erlangen.

Storck fällt allerdings kein Grund ein, warum dieses Unterfangen nicht gelingen sollte. "Es ist großartig, was wir zusammen erreicht haben. Wir haben auch weiterhin vor niemandem Angst. Ich bin von meiner Mannschaft überzeugt", sagte der frühere Bundesliga-Profi, der seit einem Jahr als Nachfolger von Pal Dardai die Geschicke des zweimaligen Vize-Weltmeisters (1938 und 1954) bestimmt: "Ich habe 23 gleichwertige Spieler. Jeder kann den anderen ersetzen. Das Team entwickelt sich von Spiel zu Spiel weiter - und darüber bin ich sehr glücklich."

Ungarische Presse voller Lob

Auch Storcks Assistent Andreas Möller glaubt daran, dass die Reise des EM-Vierten von 1972 bei der ersten Endrunden-Teilnahme seit der WM 1986 noch nicht zu Ende ist. "Es macht großen Spaß mit den Jungs. Wir spielen mit Herz und mit Leidenschaft", sagte der 48 Jahre alte Welt- und Europameister: "Dass wir das Achtelfinale erreicht haben, ist schon fantastisch. Alles weitere ist eine Zugabe. Aber wir wollen auch am Sonntag unsere bestmögliche Leistung abrufen."

Darauf bauen auch die Medien, die das Storck-Team schon jetzt euphorisch feiern. "Die Wunder-Mannschaft", titelte die Zeitung Magyar Nemzed: "Es war schon zuvor erstaunlich, was das Team geleistet hat. Und nun geht die Geschichte weiter." Auch das Blatt Nepszabadsag ist der Meinung, dass Ungarn bereits "ein Wunder vollbracht" hat.

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