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Island mit historischem Remis

Dienstag, 14.06.2016 | 22:49 Uhr
Islands Keeper Hannes Halldorsson rettete für seine Mannschaft ein ums andere Mal
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Venlo

Am 1. Spieltag der Gruppe F kam Portugal gegen Island nicht über ein 1:1 (0:1) heraus. Der Inselstaat sorgt damit direkt im ersten EM-Spiel seiner Fußball-Geschichte für eine faustdicke Überraschung.

Im Stade Geoffroy-Guichard in Saint-Etienne erzielte Nani für Portugal nach gut einer halben Stunde die hochverdiente Führung (32.).

Doch Island steckte nicht auf und kam in Person von Birkir Bjarnason mit dem ersten EM-Tor Islands zum schmeichelhaften Ausgleich (51.). Damit gelang dem Außenseiter bei seinem ersten EM-Auftritt nicht nur eine große Überraschung, sondern auch der erste Punktgewinn bei einer Endrunde eines großen Nationalmannschafts-Turniers überhaupt.

Durch seinen 127. Einsatz für die Selecao ist Cristiano Ronaldo gemeinsam mit Luis Figo Portugals Rekordnationalspieler.

Die Reaktionen:

Fernando Santos (Trainer Portugal): "Wir hätten mehr Tore erzielen müssen, das ist kein Geheimnis. Wir sind nicht von Island überrascht worden, wir kennen sie gut. In den ersten zehn Minuten hatten wir große Probleme, ins Spiel zu kommen. Da haben wir das Spiel nicht kontrolliert. Danach haben wir das Spiel diktiert."

Helmir Hallgrimsson (Trainer Island): "Portugal hat die besseren Einzelspieler in der Mannschaft und hatte viel mehr Ballbesitz. Aber wir haben als Einheit verteidigt. Der eine Punkt gibt uns etwas Ruhe. Die Begegnung gegen Ungarn wird für beide Teams zum Schlüsselspiel. Jeder im Stadion, egal ob Portugiese, Isländer oder Franzose, war heute von der großen Zahl isländischer Fans überrascht. Ich glaube, dass es noch nie einen besseren Auftritt von isländischen Fan gab."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Im Vergleich zum letzten Test gegen Estland (7:0) nimmt Fernando Santos folgende Wechsel vor: Ricardo Carvalho, Vierinha und Nani starten für Fonte, Soates und Quaresma. Ronaldo startet neben Nani als Stürmer.

Sein Gegenüber Lars Lagerbäck verändert die Anfangsformation nach dem 4:0 gegen Lichtenstein ebenfalls auf drei Positionen: Arnason, Bjarnason und Bödvarsson beginnen statt Saevarsson, Traustason und dem Augsburger Finnbogason. Der Star der Isländer ist der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson, der im zentralen Mittelfeld spielt.

3.: Erste Chance für den Außenseiter! Ein langer Ball findet Gylfi Sigurdsson, der die Innenverteidiger ins Leere laufen lässt und sofort abzieht. Seinen harten Schuss hält Rui Patricio nicht fest, den zweiten Versuch des Isländers kontrolliert er dann aber.

18.: Nach einer Seitenverlagerung zieht Vierinha nach innen und hält aus der Distanz drauf. Halldorsson faustet den zentralen Schuss nach oben und nimmt ihn dann sicher auf.

21.: Riesenchance für Portugal! Ronaldo tänzelt auf dem linken Flügel und schlägt eine perfekte Flanke auf Nani, der aus fünf Metern frei zum Kopfball kommt. Halldorsson wehrt den Ball mit einem klasse Fußreflex ab.

26.: Pepe schlägt einen weiten Ball auf Ronaldo, aber der Superstar trifft den schwer zu nehmenden Ball sieben Meter vor dem Gehäuse nicht. Halldorsson entschärft die Situation.

32., 1:0, Nani: Auf dem rechten Flügel hat Andre Gomes zu viel Platz und bringt den Ball flach und scharf in den Strafraum. Nani hat das richtige Timing und schiebt mit seinem ersten EM-Tor überhaupt zur verdienten Führung ein.

51.,1:1, Bjarnason: Unfassbar, Island gleicht aus! Nach einer Gudmundsson-Flanke von rechts verliert Vieirinha die Orientierung. Hinter ihm bedankt sich Bjarnason, der aus vier Metern humorlos einnetzt. Es war nach der Großchance zu Beginn erst der zweite Abschluss, mit dem Island sein erstes EM-Tor überhaupt erzielt hat!

61.: Am Strafraum spielt Andre Gomes seinen Gegenspieler aus und zirkelt den Ball mit seinem schwächeren linken Fuß aufs Tor. Halldorsson hat aber aufgepasst und wehrt den Schuss zur Ecke ab. Nach dieser ist er direkt wieder gefordert, klärt dann aber endgültig.

63.: Am rechten Flügel setzt Joao Moutinho Vieirinha in Szene, der von Grundlinie flach nach innen flankt. Dort muss Halldorsson alles in die Waagschale werfen und kann sich letztlich gegen Nani behaupten.

71.: Guerreiro bringt eine Freistoß in die Mitte, Nani verlängert diesen mit dem Hinterkopf, aber der Ball streicht Zentimeter am linken Pfosten vorbei.

85.: Wieder Halldorsson! Eine Flanke von rechts kommt perfekt auf Ronaldo, der aus kürzester Distanz aber wieder an Islands Torwart scheitert.

86.: Fast stellt der Außenseiter das Spiel komplett auf den Kopf, aber Rui Patricio ist nach einem Schuss von Finnbogason zur Stelle.

Fazit: Portugal war das deutlich bessere Team und führte fast jede Statistik an (z.B.: 24 zu 4 Torschüsse), scheiterte aber an seiner Chancenverwertung und Hannes Halldorsson. Die Isländer verdienten sich diesen Punkt hingegen über leidenschaftlichen Kampf.

Der Star des Spiels: Hannes Halldorsson. Ganz starke Partie des isländischen Keepers, der sein Team ein ums andere Mal rettete - seine Fußabwehr gegen Nanis Kopfball war Weltklasse. Der 32-jährige Torhüter vom norwegischen Klub FK Bodo/Glimt brillierte mit acht Paraden und überzeugte mit einer starken Strafraumbeherrschung.

Der Flop des Spiels: Ari Freyr Skulason. Der Linksverteidiger bekam im ersten Durchgang überhaupt keinen Fuß auf den Boden und war mit Portugals Offensivspielern komplett überfordert. Folgerichtig fiel das Gegentor über seine Seite. Bei Portugal blass: Cristiano Ronaldo.

Der Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei). Der 39-Jährige hatte mit der fair geführten Partie überhaupt keine Probleme. Als es in der zweiten Halbzeit kurzzeitig emotionaler wurde, zückte Cakir zurecht die Gelbe Karte und beruhigte das Geschehen so umgehend.

Das fiel auf:

  • Fernando Santos formierte sein Team in einem variablen 4-1-2-1-2. Nahezu alle Offensivakteure durften ihre Position freizügig interpretieren und waren viel unterwegs. Besonders auffällig war, dass die beiden Flügelspieler Andre Gomes und Joao Mario häufig einrückten, um einerseits im Zentrum für Überzahl zu sorgen und andererseits den Außenverteidigern Raum für Vorstöße zu schaffen. Auch der nominelle Zehner ließ sich häufig fallen, um das Spiel anzukurbeln.
  • Dabei verließ sich Portugal nicht auf die individuelle Qualität von den Angreifern um CR7, sondern agierte im Spielaufbau sehr geduldig und wartete auf die Lücken im Isländischen Abwehrblock. So hatten die Iberer phasenweise extrem lange Passstafetten mit etlichen Seitenwechsel - über 70 Prozent Anteil der Zuspiele waren die Folge.
  • Island hielt mit einem 4-4-2 mit zwei flachen Ketten dagegen, wobei sie die die Portugiesen zu Beginn an der Mittellinie empfingen. Im Laufe der Zeit drängte der Favorit die Auswahl des Inselstaats mit seiner Passsicherheit und individuellen Qualität immer tiefer in die eigene Hälfte zurück.
  • Auch nach dem Rückstand hatte für das Team vom Trainerduo Lagerbäck/Hallgrimsson die defensive Ordnung oberste Priorität. So machte Island dem Favoriten zwar das Leben durchaus schwer, hatte aber nur selten das Spielgerät. Nach den seltenen Ballgewinnen waren sie stets darum bemüht, die aufgerückten Portugiesen schnellstmöglich zu überspielen.
  • Nach dem Ausgleich zog Portugal die Zügel wieder an, aber Island stand gut gestaffelt und hielt in den Zweikämpfen körperlich dagegen.

Portugal - Island: Die Statistik zum Spiel

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