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Gruppe D - 2. Spieltag: Tschechien - Kroatien

Schwache Tschechen erkämpfen Remis

Freitag, 17.06.2016 | 19:52 Uhr
Darijo Srna (r.) spielte trotz eines Trauerfalls in der Familie
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Kroatien hat den zweiten Sieg bei der EURO 2016 verpasst. In der EM-Gruppe D gab das Team von Ante Cacic eine 2:0-Führung noch aus der Hand und kassierte in der Nachspielzeit den 2:2 (1:0)-Ausgleich. Die eigenen Anhänger hatten zuvor für eine Spielunterbrechung gesorgt, als sie Pyrotechnik aufs Feld warfen.

Vor 41.000 Zuschauer im Stade Geoffroy-Guichard in Saint-Etienne dominierte Kroatien über weite Strecken das Spiel nach Belieben. Nach 37 Minuten nutzte der ehemalige Bundesliga-Kicker Ivan Perisic einen Fauxpas der tschechischen Hintermannschaft und brachte sein Team in Front. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Barca-Superstar Ivan Rakitic (59.) schnell auf 2:0.

Milan Skoda brachte sein Team in der 75. Minute ran. In der Nachspielzeit erzielte Tomas Necid (90.+3) nach einem Handelfmeter den 2:2-Endstand.

Jetzt die EM 2016 tippen und gegen SPOX-Redakteure antreten!

Das Spiel musste in der 86. Minute für einige Minuten unterbrochen werden. Kroatische Fans hatten Feuerwerkskörper auf den Platz geschmissen.

Die Reaktionen:

Ivan Rakitic (Kroatien): "Es ist kein Zufall, dass noch ein Elfmeter kommt, um uns auf dem Feld einen mitzugeben. Wir können uns nur bei der UEFA und bei der tschechischen Mannschaft entschuldigen."

Ante Cacic (Trainer Kroatien): "Wir waren die bessere Mannschaft, hatten viele Chancen. Unser größtes Problem war die Auswechslung Luka Modrics, danach haben wir unsere Linie verloren. Die Leute, die Feuerwerkskörper auf das Feld geworfen haben, sind Hooligans und Terroristen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Coach Pavel Vrba tauscht das tschechische Team im Vergleich zum Spiel gegen Spanien auf zwei Positionen. Für den Bremer Gebre-Selassie spielt Skalak, im Sturm startet Routinier Lafata für Necid.

'Never change a winning team', denkt sich Kroatiens Trainer Ante Cacic. Er setzt exakt auf die erfolgreiche Elf aus dem Türkei-Spiel. Das bedeutet auch, dass Srna mit an Bord ist. Der Kapitän hatte das Team nach einem Trauerfall in der Familie zuletzt verlassen. Es sei jedoch die "beste Entscheidung", die EM weiter zu spielen.

20.: Perisic flankt von der linken Seite etwas zu weit in den Strafraum. Auf Höhe des rechten Fünfmeterraumecks versucht Cech den Ball wegzufausten, verfehlt allerdings das Leder. Mandzukic kann den Ball jedoch nicht verwerten.

21.: Mandzukic stürmt über die linke Seite nach einer schnellen Balleroberung. Er hat viel Zeit und legt die Kugel flach in den Strafraum zum herangrätschenden Perisic. Dieser verfehlt den Ball um einige Zentimeter.

37., 0:1, Perisic! Plasil mit einem fürchterlichen Ballverlust im Mittelfeld. Perisic startet daraufhin einen starken Alleingang über links, macht zwei, drei typische Übersteiger und haut das Leder kompromisslos in das linke untere Eck des Tores.

52.: Rosicky mit seiner ersten gefährlichen Aktion! Der Mann vom FC Arsenal leitet einen Konter über das Zentrum ein, findet beim zweiten Passversuch Darida auf der linken Seite, der das Leder gefährlich in die Mitte bringt. Dort steht der Hoffenheimer Kaderabek, doch sein halbrechter Schuss wird durch Vida abgeblockt.

59., 0:2, Rakitic! Hubnik mit einem katastrophalen Fehlpass in der eigenen Defensive, welcher von Brozovic abgefangen wird. Er bedient Rakitic, der auf Cech zuläuft und sehenswert per Lupfer abschließt.

75., 1:2, Skoda! Rosicky befindet sich nach einer abgeblockten Flanke von Kaderabek in Ballbesitz und spielt einen herausragenden Außenristpass aus halbrechter Position auf Skoda in den Sechzehner. Dieser steigt am Höchsten und köpft das Leder in das rechte untere Eck.

90+2: Vida spielt den Ball mit der Hand. Es gibt Elfmeter für Tschechien! Vida sieht zudem die Gelbe Karte.

90+3, 2:2, Necid! Necid knallt den Ball links unter die Latte! Nichts zu machen für Keeper Subasic. Tschechien schafft nun doch noch den Ausgleich!

Fazit: Tschechien versagt im ersten Durchgang auf ganzer Linie und erspielt sich kaum Chancen. Kroatien hat zunächst alles im Griff, gibt nach der Auswechslung von Modric jedoch das Spiel komplett aus der Hand.

Der Star des Spiels: Luka Modric. Hirn, Motor und Herzstück der kroatischen Mannschaft. War stets erste Anspielstation im Spielaufbau und leitete somit eigentlich jeden Angriff seiner Mannschaft gekonnt ein. Verlagerte das Spiel ein ums andere Mal stark und spielte dabei kaum Fehlpässe. In Kooperation mit dem offensiveren Rakitic eine bärenstarke Achse. Erst nach seiner Auswechslung wegen Beschwerden in der Leistengegend verlor Kroatien komplett den Faden.

Der Flop des Spiels: Jiri Skalak. Bekam auf der linken Seite den Vorzug vor Gebre-Selassie und enttäuschte auf ganzer Linie. Hing auf dem Flügel komplett in der Luft und kam auf lediglich 14 Ballaktionen. Gewann zudem offensiv wie defensiv keinen einzigen Zweikampf. Dass nach seiner Auswechslung frischen Wind in die tschechische Offensive kam, spricht ebenfalls nicht für Skalak.

Der Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England). Zeigte nach dem Ellenbogencheck von Badelj (14.) früh die Gelbe Karte und sorgte somit für Ruhe in einer zunächst hektischen Partie. Bewies beim Zwischenfall mit den Feuerwerkkörpern einen ruhigen Kopf und unterbrach das Spiel völlig zu Recht. Auch die mutige Entscheidung, in der Nachspielzeit Elfmeter zu geben, war korrekt.

Das fiel auf:

  • Vom tschechischen Hurra-Fußball aus der Qualifikation war nichts zu sehen. Speziell in der ersten Halbzeit wirkte die Vrba-Elf hektisch und unsortiert. Kroatien attackierte oft früh mit drei Mann und setzte die überforderten Hubnik und Sivok vor unlösbare Aufgaben. Da sich keinerlei Anspielstationen boten, mussten die Innenverteidiger fast immer abdrehen und den Umweg über Keeper Cech wählen. Dieser prügelte die Kugel dann weit nach vorne. Von 12 weiten Bällen im ersten Durchgang fand kein einziger den Weg zum Mitspieler.
  • Brachten die Tschechen den Ball erfolgreich ins Mittelfeld, war meist nach wenigen Kombinationen Schluss. Kroatien stellte das Zentrum durch Modric und Badelj bärenstark zu und zwang die Tschechen somit zu Ungenauigkeiten und schlimmen Ballverlusten. Die Passquote lag nach gut 30 Minuten bei verheerenden 50 Prozent. Aus einer solchen Situation entstand das 1:0 durch Perisic. Den ersten tschechischen Torschuss gab's erst in der 52. Minute.
  • Kroatien hingegen ließ sich von der zerfahrenen Anfangsphase nicht anstecken. Modric nutzte die riesigen Löcher zwischen den tschechischen Ketten gut und kurbelte im Zusammenspiel mit Rakitic das Spiel an. Beide variierten mit dem Tempo gut und verlagerten das Spiel zunächst oft auf den Flügel, sodass Kroatien nach dem Seitenwechsel 12 Flanken aus dem Spiel auf dem Zettel hatte. Die nötige Präzision fehlte jedoch zu oft. Die Kroaten brannten kein offensives Feuerwerk ab und erspielten sich keineswegs unzählige Torchancen, sie profitierten vielmehr von den schlimmen individuellen Fehlern der tschechischen Hintermannschaft und nutzten diese eiskalt aus. Zudem gewannen sie 64,6 Prozent der Zweikämpfe. Das ist der zweihöchste Wert der EM-Geschichte (1. Platz: Spanien mit 64,7 Prozent gegen Portugal im Jahr 2012).

Tschechien - Kroatien: Die Statistik zum Spiel

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