Montag, 25.06.2012

Riccardo Montolivo hofft auf die Unterstützung seiner deutschen Mutter

"Il Tedesco" und der drohende Familienstreit

Wenn man für den Lexikon-Eintrag "Erleichterung" eine passende Bebilderung gesucht hätte - ein Foto von Riccardo Montolivo am Sonntagabend wäre die perfekte Wahl gewesen. Breit grinsend verließ der Mittelfeldspieler das Olympiastadion von Kiew. Dabei wusste er sehr wohl, dass er selbst es hätte vermasseln können mit seinem "wirklich schlecht" geschossenen Elfmeter, wie er ehrlich eingestand.

Gegen England hatte Montolivo seinen Elfmeter links am Kasten vorbeigesetzt
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Gegen England hatte Montolivo seinen Elfmeter links am Kasten vorbeigesetzt

Deutlich hatte Montolivo dabei den Ball links am Tor vorbei geschoben, trotzdem gewannen die Italiener im Viertelfinale gegen England 4:2. Ausgerechnet er, "Il Tedesco", der Deutsche, der die nervenaufreibende Herausforderung vom Punkt doch eigentlich schon aus genetischen Gründen perfekt beherrschen sollte.

Schließlich hatte er in seiner Jugend immer wieder geübt, oben an der Ostseeküste, wo der Sohn einer deutschen Mutter aus Schleswig-Holstein so häufig die Sommerferien bei seinen Großeltern verbracht hatte. "Egal, wir sind weiter, das ist alles was zählt. Ich bin so froh, dass wir trotz meines Fehlers noch gewonnen haben", sagte Montolivo in nahezu perfektem Deutsch.

Nach dem 4:2 (0:0) im Elfmeterschießen des letzten EM-Viertelfinals gegen England kommt es in der Vorschlussrunde für den 27-Jährigen zu einem besonderen Duell, bei dem der Haussegen etwas schief hängen könnte.

Die Pressestimmen zum Viertelfinale England - Italien
Die "Sun" hat keinen Bock mehr auf Fußball: "Hat jemand Lust auf Tennis? England verliert schon wieder im Elfmeterschießen. Die erschütterten englischen Fans können sich mit der Perspektive auf die Olympischen Spiele in London trösten"
© Getty
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Die "Sun" hat keinen Bock mehr auf Fußball: "Hat jemand Lust auf Tennis? England verliert schon wieder im Elfmeterschießen. Die erschütterten englischen Fans können sich mit der Perspektive auf die Olympischen Spiele in London trösten"
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Der "Mirror" hadert mit dem Schicksal: "Verflucht, verflucht, verflucht. Es scheint, als wäre England zum ewigen Schicksal verdammt, den ultimativen Nerventest zu verlieren - egal, wie der Trainer heißt oder wer die Spieler sind."
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Der "Mirror" hadert mit dem Schicksal: "Verflucht, verflucht, verflucht. Es scheint, als wäre England zum ewigen Schicksal verdammt, den ultimativen Nerventest zu verlieren - egal, wie der Trainer heißt oder wer die Spieler sind."
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"The Telegraph": "England hat im Pokerspiel mit dem Teufel schlechte Karten, wie die erneute Niederlage im Elfmeterschießen beweist."
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"The Telegraph": "England hat im Pokerspiel mit dem Teufel schlechte Karten, wie die erneute Niederlage im Elfmeterschießen beweist."
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La Repubblica: "Großes Italien. Die öden Engländer traten an, um nicht zu spielen. Für sie war es schon ein halbes Wunder, das Elfmeterschießen zu erreichen."
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La Repubblica: "Großes Italien. Die öden Engländer traten an, um nicht zu spielen. Für sie war es schon ein halbes Wunder, das Elfmeterschießen zu erreichen."
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"Corriere dello Sport" huldigt Andrea Pirlo: "Klasse, Genie, Boss". Und jubelt: "Italia grandissima. Der Enthusiasmus explodiert im ganzen Land. Es gibt einen Fußballgott, soviel ist sicher."
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"Gazzetta dello Sport": "Italien gewinnt mit Herz, Klasse und Biss. Es wäre schön, den Deutschen zu zeigen, dass wir keine Lektionen benötigen"
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Spaniens "As" freut sich: "Das letzte Viertelfinale brachte eine gute Nachricht: Pirlo bleibt bei der Europameisterschaft."
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"Marca": "Das Elfmeterschießen übt Gerechtigkeit am Italia bella. Prandelli hat einige populäre Vorurteile zum italienischen Fußball über Bord geworfen."
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Die "Sports Illustrated" bemüht den Darwin-Vergleich: England muss sich im Elfmeterschießen anpassen - oder aussterben.
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Die "Bild" wie immer martialisch: Am Donnerstag ist Judgement Day!
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Die "Bild" wie immer martialisch: Am Donnerstag ist Judgement Day!
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Für Holland gibt es bei der EM nichts zu jubeln. Dementsprechend nüchtern ist die Schlagzeile von "Voetbal International"
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Vorteil Deutschland

"Das ist natürlich ein besonderes Spiel, ein bisschen Familienstreit gibt es vielleicht", gestand Montolivo, der den sportlich wohl besten Sommer seines bisherigen Fußballer-Lebens erlebt: Gerade erst hat er einen Vierjahresvertrag beim AC Mailand unterschrieben und nun winkt das EM-Halbfinale gegen seine zweite Heimat Deutschland. "Aber meine Mutter drückt bestimmt auch mir die Daumen - das hoffe ich zumindest."

Seit 2007 gehört er zum erweiterten Kader der italienischen Auswahl. Nach dem peinlichen Vorrundenaus ohne Sieg bei der WM 2010 soll es nun über Deutschland zum zweiten EM-Titel nach 1968 reichen. "Deutschland ist sehr stark, sie haben absolute Topspieler und gehören mit Spanien zu den Favoriten auf den Titel", sagt Montolivo artig.

Und lässt natürlich auch den Nachteil der kürzeren Regenerationszeit gegenüber der DFB-Elf, die bereits am Freitagabend gegen Griechenland ins Halbfinale eingezogen war, nicht unerwähnt: "Deutschland konnte sich zwei Tage länger ausruhen, ich glaube schon, dass es ein Vorteil für sie ist."

Montolivo vor Deutschland-Spiel: "Wir haben keine Angst"

Dabei weiß sicher auch er, dass die Historie eindeutig für die Heimat seines Vaters und nicht die seiner Mutter spricht. Noch nie konnte eine deutsche Mannschaft bei einem großen Turnier gegen Italien gewinnen. Und trotz des großen Lobes kündigt auch Montolivo selbstbewusst an: "Wir haben keine Angst."

Selbst vor einem erneuten Elfmeterschießen würde er sich nicht drücken. "Das war heute kein guter Schuss von mir, keine Frage, aber wenn es dazu kommen sollte, werde ich wieder antreten." Typisch deutsch eben.

Riccardo Montolivo


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