KSC-Trainer Alois Schwartz im Interview: "Es ist ein Fluch, die Relegation zu verlieren"

Von Nicolai Lehnort
Donnerstag, 01.03.2018 | 14:28 Uhr
Alois Schwartz hat den KSC zurück in die Erfolgsspur geführt.
© getty
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Alois Schwartz hat den Karlsruher SC in der 3. Liga in die Erfolgsspur geführt. Im Interview spricht der 50-Jährige über den Einstieg beim KSC, das Scheitern in Nürnberg und warum es bei den Franken jetzt so gut läuft.

Außerdem vergleicht er seine Trainerstationen und erklärt den Fluch der Relegation.

SPOX: Herr Schwartz, bei Ihrer Vorstellung als Trainer des KSC sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer: "Man sollte den Blick auch mal weg von der Tabelle richten." Wie gerne werfen Sie momentan einen Blick auf die Tabelle?

Alois Schwartz: Ich schaue sehr selten auf die Tabelle.

SPOX: Obwohl der KSC aktuell auf Platz vier liegt, punktgleich mit dem SV Wehen auf dem Relegationsplatz?

Schwartz: Ja. Das habe ich von Anfang an gesagt. Wir wollten erstmal Stabilität und Konstanz in die Mannschaft bekommen, das ist uns gut gelungen. Wir sind jetzt auf einem ordentlichen Weg.

SPOX: Zu Ihrem Amtsantritt Ende August stand der KSC auf Rang 16. Nun sind Sie seit 15 Spielen ungeschlagen. Wie haben Sie das geschafft?

Schwartz: Wir haben mit einfachen Dingen angefangen, das hat gefruchtet, und das haben wir peu a peu weitergeführt. Wichtig ist, dass wir sehr diszipliniert auftreten und gut gegen den Ball spielen. Die Entwicklung ist auch sehr gut anhand unserer Ergebnisse zu sehen. In diesen 15 Spielen haben wir nur drei Gegentore kassiert.

SPOX: Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Schwartz: Unsere Torausbeute ist ausbaufähig. Obwohl wir in diesem Jahr mehr Torchancen als im letzten Jahr herausgespielt haben, kommen wir in 26 Spielen nur auf 29 Treffer. Da müssen wir effektiver und abgeklärter werden.

SPOX: Sie haben zuhause noch kein Spiel verloren (10 Siege, 3 Unentschieden, 17:5 Tore). Wie erklären Sie sich die Heimstärke?

Schwartz: Hundertprozentig kann ich Ihnen das nicht beantworten. Wir knien uns voll rein, bringen viel Leidenschaft auf den Platz und die springt auf die Ränge über. Ein schönes Zusammenspiel mit den Fans zu haben, ist wichtig.

SPOX: Apropos Fans: Die träumen teilweise schon vom Aufstieg in die Bundesliga. Wie gehen Sie damit um?

Schwartz: So weit sind wir noch lange nicht. Jetzt müssen wir erstmal schauen, dass wir unseren Weg in der dritten Liga weitergehen.

Das Abschneiden des KSC in den letzten zehn Jahren

SaisonLigaPlatzierung
2017/183. Liga4. (aktuell)
2016/172. Liga18. (Abstieg)
2015/162. Liga7.
2014/152. Liga3. (Aufstiegsrelegation)
2013/142. Liga5.
2012/133. Liga1. (Aufstieg)
2011/122. Liga16. (Abstiegsrelegation)
2010/112. Liga15.
2009/102. Liga10.
2008/09Bundesliga17. (Abstieg)

SPOX: Vor Ihrem Engagement haben Sie lange überlegt, ob Sie das Angebot des KSC überhaupt annehmen sollen. Warum?

Schwartz: Über so eine Entscheidung denkt man natürlich lange nach. Der KSC ist eine Top-Adresse, ein Traditionsverein. Ich habe zuvor vier Jahre lang in der 2. Liga gearbeitet, da überlegt man sich schon, ob man eine Liga nach unten geht. Die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mich letztlich aber überzeugt.

SPOX: Hatten sie auch andere Angebote vorliegen?

Schwartz: Es gab schon Gespräche. In der 2. Liga gab es ein paar Kandidaten, die ihre Trainer früh beurlaubt haben. Natürlich hätte man auch warten können. Aber die Aufgabe, einen Traditionsverein wieder in die Spur zu bringen, hat mich gereizt.

SPOX: Hatten sie zu Amtsantritt das Gefühl, dass ihnen bei den Spielern aufgrund ihrer Erfahrung mit Aufstiegen ein besonderer Ruf vorauseilt?

Schwartz: Die Mannschaft und ich haben sehr schnell zusammengefunden. Gerade in der Anfangsphase waren die Ergebnisse wichtig, so findet man schnell Vertrauen. Jetzt sind wir eine Einheit. Bei uns gibt's keinen Neid und keine Missgunst.

SPOX: Nicht so glatt lief es für Sie bei Ihrer Station beim 1. FC Nürnberg. Sie sind dort nach einer Dreiviertel-Saison entlassen worden. Warum hat es beim Club nicht geklappt?

Schwartz: Der Club hatte die Relegationsspiele zur Bundesliga verloren. Für einen Traditionsverein wie Nürnberg war es selbstverständlich, im Jahr darauf aufzusteigen. Die Relegation aber hatte ihre Spuren hinterlassen, auch in der Psyche der Spieler. Es ist ein Fluch, die Relegation zu verlieren.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Schwartz: Viele Spieler verlassen den Verein, einige nehmen die Enttäuschung lange mit und andere kriegen den Kopf nicht frei. Da ist es nicht einfach, wieder in die Spur zu kommen. Man sieht das aktuell auch bei Eintracht Braunschweig. Die Mannschaft hat Relegation gespielt und befindet sich jetzt in den unteren Tabellenregionen. Greuther Fürth erging es ähnlich. Dem KSC ist es ein Jahr zuvor nach der Niederlage gegen den HSV auch passiert.

SPOX: Als Trainer hinterfragt man sich nach einer Entlassung auch immer selbst. Welche Fehler haben Sie in Ihrer Zeit in Nürnberg gemacht?

Schwartz: Natürlich habe ich auch Fehler gemacht. Aber ganz ehrlich: Das Kapitel ist abgehakt. Ich schaue nicht mehr zurück - sondern nach vorne. Für mich war klar, dass es für Nürnberg im zweiten Jahr einfacher wird und der Verein eine richtig gute Rolle in der 2. Liga spielen wird. Das liegt auch daran, dass der VfB Stuttgart und Hannover 96 aufgestiegen sind und die Liga keine "Großen" mehr hat, sondern ausgeglichener ist.

SPOX: Zum Amtsantritt in Karlsruhe gab es ebenso hohe Erwartungen und einen Umbruch in der Mannschaft. Kann man die Situation in Karlsruhe mit der in Nürnberg vergleichen?

Schwartz: Ein bisschen, ja. Das Medienaufkommen ist nicht ganz so groß wie in Nürnberg, aber nach der Relegation in Nürnberg sagten alle, das nächste Ziel sei der Aufstieg und ähnlich war es in Karlsruhe. Der KSC ist zwar abgestiegen, aber aus der Tradition heraus wird der Klub als Ligakrösus wahrgenommen. Für viele Fans ist der Wiederaufstieg ein Muss. Dass sich eine Mannschaft nach den vielen Transfers erst wieder finden muss und in der 3. Liga auch guter Fußball gespielt wird, wird oft zu wenig beachtet. Andere Mannschaften wie der FSV Frankfurt und der SC Paderborn sind dieses Unternehmen auch schon mal blauäugiger angegangen und wurden durchgereicht. Die 3. Liga ist kein Selbstläufer.

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