Dienstag, 19.04.2016
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Bayern glanzlos im DFB-Pokal-Finale

Die Form steht schwarz auf weiß

Der FC Bayern steht nach dem 2:0-Sieg über Werder Bremen im Finale des DFB-Pokals. Das Spiel des FCB mutet dabei etwas holprig an. Kommentiert wird die Leistung von Vereinsseite gänzlich unterschiedlich, die Frage nach der aktuellen Verfassung der Mannschaft lässt sich aber einfach beantworten.

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Da stand man nun in der Mixed Zone der Allianz Arena und man rätselte. Alle taten das. Journalisten, Spieler, Trainer, Offizielle. Es ging um die Einordnung von Bayerns 2:0-Sieg gegen Werder Bremen am Dienstagabend.

Man zog die Fakten heran - die waren relativ klar: Der deutsche Rekordmeister und -pokalsieger steht zum 21. Mal in seiner Vereinsgeschichte im Finale des DFB-Pokals und hat die Chance, dort seinen 18. Triumph in diesem Wettbewerb zu feiern. Und: Der Traum vom Triple lebt in München - und ganz speziell bei Pep Guardiola - noch immer.

Aufschluss über die eigentliche Verfassung des FC Bayern gab das aber noch nicht. Warum war der FCB gegen Werder so ins Straucheln geraten? Oder war es sogar ein bewusstes Zurückschrauben der Intensität? Gefälligkeit? Müdigkeit? Planlosigkeit? Die Aussagen der Bayern streuten in verschiedenste Richtungen. Dabei musste die wichtigste Frage gar nicht verbal beantwortet werden.

Müller: Der Spielplan schlaucht

Thomas Müller sah die Thematik einmal mehr sehr gelassen. Völlig normal sei es, bei der gestiegenen Intensität in der Schlussphase der Saison nicht eine Gala auf die nächste folgen lassen zu können. "Es ist natürlich schwierig, alle drei Tage auf Top-Niveau zu sein", sagte der Matchwinner, der den FCB mit seinem Doppelpack quasi im Alleingang nach Berlin geschossen hatte: "Die Motivation passt, man kann aber nicht jeden Tag die 100 Prozent erreichen."

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Deutlich unterstrich der Stürmer, dass der straffe Spielplan schlaucht. "Wir haben ja nun schon seit ein paar Wochen ganz wichtige Wochen. Die hören ja nicht auf. Bisher halten wir durch und ich hoffe, dass wir auch bis zum Ende durchziehen", so Müller weiter. Er setzte voll auf die Karte Physis. Ohne dass es direkt fiel, zeichnete sich das Stichwort 'Verschnaufpause' ab. Diese sind hin und wieder nötig und auch möglich - wenn es der Gegner zulässt.

Werder, das zwar mutig verteidigte und nach vorne spielte, gewährte dem FCB diese Luft zum Durchatmen. Den Gästen fehlte die Durchschlagskraft in der Spitze. Bis zum vermeintlichen 1:1, als Schiedsrichter Tobias Stieler den Zweikampf zwischen Bartels und Alaba abpfiff, hatte man nie das Gefühl, dass Werder den knappen Rückstand wirklich noch einmal wettmachen könnte.

Lahm: Müssen besser werden

Ganz und gar nicht so einfach wollte Philipp Lahm das Thema herunterbrechen. Schon in den vergangenen Wochen hatte der Kapitän seine Mannschaft öffentlich mehrmals in die Pflicht genommen und Leistungssteigerungen gefordert. Nach dem Werder-Spiel knüpfte er erneut dort an: "Wir hatten unsere guten Phasen, nur leider haben wir es nicht über 90 Minuten geschafft. Das muss sich wieder ändern."

Lahm wirkte unzufrieden. Fast schon gereizt antwortete er auf die Fragen nach der aktuellen Form seiner Mannschaft: "Wir müssen wieder besser Fußball spielen, das ist unser kleines Problem."

Fragen zu Werders mutigem Auftritt wollte er erst gar nicht kommentieren: "Es ist uninteressant, was der Gegner gemacht hat. Das können Sie später die Bremer Spieler fragen", wimmelte der 32-Jährige ab. Sein Tenor war klar: Um die Ziele zu erreichen, darf der FC Bayern in den nächsten Wochen nicht nachlassen. Er wollte, dass es alle im Team noch einmal zur Kenntnis nehmen.

In der Tat erlaubten sich die Gastgeber deutlich mehr einfache Fehler im Spielaufbau als sonst. "Nur" 83,7 Prozent der Pässe kamen beim Mitspieler an. Das heißt auch, dass fast jeder fünfte Ball beim Gegner landete - eine für den sonst so dominanten FC Bayern schwache Quote. "Das wird sich verbessern", kündigte Lahm aber an.

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Rummenigge und Ribery: Das Ziel wurde erreicht

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge wollte sich auf ausufernde Form-Diskussionen überhaupt erst gar nicht einlassen: "Das Ziel war es, nach Berlin zu fahren, und das Ziel haben wir erreicht." Auch auf die Frage, ob der Sieg durch die Schwalbe von Arturo Vidal begünstigt worden war, hatte er eine klare Antwort: "Ich denke, Thomas Müller war heute entscheidend. Er hat zwei Tore gemacht, dadurch haben wir gewonnen - nicht durch den Elfmeterpfiff."

Wie der Sieg letztlich zustande gekommen war, interessierte Rummenigge herzlich wenig: "Die Mannschaft hat gewonnen. In dieser Phase der Meisterschaft ist das Ergebnis wichtiger als die Qualität des Spiels. Dass wir sicherlich ein Stück weit besser spielen können, als das in den ersten 20 oder 30 Minuten der zweiten Halbzeit der Fall war, ist klar. Ich habe aber keinen Grund zum Lamentieren."

Ähnlich einfach hielt es auch Franck Ribery: "Es war nicht unser bestes Spiel, aber wir haben gewonnen und sind im Finale in Berlin. Das ist wichtig", fasste der Franzose zusammen. Und irgendwie hatte er Recht: Fußball ist eben ein Ergebnissport. Wen interessiert schon das kurzweilige Wie?

Die Form steht schwarz auf weiß

Eine direkte Antwort auf die Formfrage lieferten die Akteure nach dem Spiel also nicht. Die brauchte es letzten Endes auch gar nicht mehr, denn - wie am Dienstag klar wurde - hat man sie in den letzten Wochen ohnehin schon beantwortet.

Der FCB kann auf eine herausragende Entwicklung zurückblicken: Seit Wochen sagt man über das Team, es spiele nicht am Limit. Gleichzeitig ist Guardiolas Mannschaft dem Triple in jedem Wettbewerb aber Schritt für Schritt nähergekommen. Mit Ergebnissen. Sehr guten Ergebnissen. In den 19 Pflichtspielen 2016 leistete sich der FCB nur einen Ausrutscher: Das verschmerzbare 1:2 zuhause gegen Mainz Anfang März.

"Wir sind bereit und wir sind da", befand Ribery entsprechend selbstbewusst. Jeder weiß, dass an der Säbener Straße in diesen Tagen alle so denken. Der Verein ist bereit, nach 2013 noch einmal das ganz Große zu schaffen.

Auf die Frage, was man Positives aus dem Werder-Spiel mitnehmen könne, sagte Rummenigge bestimmt: "Die Südkurve hat es auf den Punkt gebracht: 'Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin'." Genau das steht schlussendlich auch schwarz auf weiß - und es spiegelt die aktuelle Form des FC Bayern bestens wider.

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Benedikt Treuer

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Benedikt Treuer(Redaktion)

Benedikt Treuer, Jahrgang 1992, kam 2014 zu SPOX. Aufgewachsen in Mainz, zog es ihn nach dem Publizistikstudium in die bayerische Landeshauptstadt. Ist seit August 2015 festes Mitglied der Redaktion, hauptsächlich im Fußball-Ressort tätig. Mit der Nationalmannschaft war er 2016 bei der EM in Frankreich vor Ort. Verantwortlich für das DFB-Team, den FC Bayern, den VfL Wolfsburg und Mainz 05. Zudem im Tennis und Golf zuhause.

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