Hertha nach Pyro-Skandal in zweiter Runde

SID
Montag, 14.08.2017 | 22:53 Uhr
Anhänger von Hertha BSC zünden Pyrotechnik beim Pokalspiel in Rostock
© getty
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Feuerwerkskörper als Wurfgeschosse, brennende Sitzschalen und schwarzer Rauch über dem Spielfeld: Hertha BSC hat sein von einem Pyro-Skandal überschattetes Erstrundenspiel im DFB-Pokal mit viel Mühe gewonnen.

Bei Drittligist Hansa Rostock setzten sich die Berliner im zwischenzeitlich für gut 15 Minuten unterbrochenen Hochrisikospiel erst in der Schlussphase mit 2:0 (0:0) durch.

Hertha machte damit den ersten Schritt auf dem Weg zur ersehnten Endspielteilnahme im heimischen Olympiastadion am 19. Mai 2018. Angesichts der skandalösen Umstände geriet das sportliche Ergebnis jedoch zur Nebensache.

"Normalerweise freut man sich nach einem Auswärtssieg im Pokal. Diese Freude will sich bei mir nicht einstellen, weil wir viele unschöne Szenen gesehen haben. Das will niemand bei einem Fußballspiel sehen", sagte Hertha-Manager Michael Preetz in der ARD. Rostocks Trainer Pawel Dotschew erging es ebenso: "Solche Sachen gehören nicht zum Sport. Wir distanzieren uns davon. Das schadet uns allen. Leider gibt es so schwarze Schafe, die alles kaputt machen."

"So etwas habe ich zum ersten Mal erlebt", zeigt sich auch Hertha-Coach Pal Dardai bestürzt. "Ich rede aber lieber über das Spiel. Wir hatten viel Ballbesitz. Bei solchen Spielen entscheidet das erste Tor. Mitch Weiser hat das hervorragend gemacht."

U21-Europameister Mitchell Weiser (86.) und Vedad Ibisevic (90.+2) erzielten die späten Treffer für die Gäste, die sich den Erfolg dank einer Steigerung in der zweiten Halbzeit letztlich verdienten. Das Spiel stand allerdings kurz vor dem Abbruch. Im Hertha-Block wurden nach 76 Minuten zahlreiche Bengalos gezündet, zudem flogen Böller aufs Spielfeld. Im Rostocker Block wurden derweil Fahnen verbrannt. Schiedsrichter Robert Hartmann unterbrach das Spiel und schickte beide Teams in die Kabine.

Hertha-Coach Pal Dardai setzte im Angriff in Abwesenheit des verletzten U21-Europameisters Davie Selke neben Kapitän Ibisevic auf den schnellen Alexander Esswein. In der Innenverteidigung gab Karim Rekik ebenso sein Pflichtspieldebüt wie Mathew Leckie auf Rechtsaußen.

Hertha startete mit einer offensiven Ausrichtung. In Ballbesitz rückten die Außenverteidiger Marvin Plattenhardt und Weiser weit nach vorn, dafür ließ sich ein defensiver Mittelfeldspieler zurückfallen. Die ersten Minuten gehörten dennoch Rostock, das früh störte und so diverse Fehlpässe des Europa-League-Starters provozierte.

Chaoten in Hertha- und Hansa-Sektoren

Auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit tat sich Berlin im Spielaufbau schwer. Unter der fehlenden Präzision der Zuspiele litt zudem das Tempo bei den Offensivaktionen. Bei der einzigen nennenswerten Chance der ersten Halbzeit verzog Esswein (19.). Hansa stand in der kampfbetonten Begegnung meist gut sortiert, blieb bei vereinzelten Vorstößen aber harmlos.

Für erste unschöne Szenen sorgten die Berliner Fans, die zahlreiche Feuerwerkskörper zündeten, unmittelbar nach Wiederanpfiff. Ein Geschoss schlug gar in der Hansa-Kurve ein, Hartmann unterbrach die zuvor als Hochrisikospiel eingestufte Partie kurzzeitig.

Knapp eine Viertelstunde vor Schluss flogen erneut Leuchtkugeln aus dem Hertha-Block. Während beide Teams in die Kabine geschickt wurden, landete Pyrotechnik mehrfach auf dem Rasen. Die Polizei trennte Gästeblock von der Rostock-Fankurve.

Das Spiel fand ohnehin unter erhöhter Polizeipräsenz statt, die Zuschauerkapazität war um mehrere Tausend Plätze reduziert worden. Mit Schmähgesängen gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatten sich beide Fanlager vor dem Anpfiff noch solidarisch gezeigt.

Hertha kam in der zweiten Halbzeit besser ins Spiel. Zunächst scheiterte Kalou freistehend aus rund elf Metern (54.), dann traf Darida erst Pfosten. Den folgenden Seitfallzieher Kalous parierte Hansa-Torwart Janis Blaswich glänzend (beide 63.). Hertha drängte weiter auf die Führung, wurde vom skandalösen Verhalten des eigenen Anhangs jedoch kurzzeitig ausgebremst. Dann trafen Weiser und Ibisevic.

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