"Wir hätten 60.000 Karten verkaufen können"

SID
Montag, 19.03.2012 | 12:45 Uhr
Mike Büskens, Trainer bei Greuter Fürth, steht an der Seitenlinie ständig unter Strom
© Getty
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Zweitliga-Spitzenreiter Greuther Fürth trifft am Dienstag im Pokal-Halbfinale auf Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund (20.30 Uhr). Präsident Helmut Hack sprach über Philosophie und Zukunft des Überraschungsteams der Saison.

Frage: Herr Hack, wie groß ist die Chance, dass Ihr Klub nach Nürnberg und Hoffenheim nun auch den Meister aus dem Pokal-Wettbewerb schmeißt?

Helmut Hack: Ich glaube schon, dass wir an einem sehr guten Tag teilweise auf Augenhöhe mit Dortmund spielen können. Allerdings muss bei uns alles optimal laufen und bei der Borussia weniger. Wir haben am Dienstag die schönste Aufgabe der Welt: Wir spielen gegen die stärkste deutsche Mannschaft. Borussia Dortmund verkörpert den Fußball, den wir in etwa auch verkörpern. Attackieren, gegen den Ball arbeiten, lauffreudig sein - wir sind nur eine Nummer kleiner.

Frage: Die Arena in Fürth ist seit Wochen mit 15.500 Plätzen ausverkauft. Haben Sie nie daran gedacht, ins große Nürnberger Franken-Stadion umzuziehen?

Hack: Nein, keine Sekunde! Wir hätten 50.0000 bis 60.000 Karten verkaufen können - aber das wollten wir unseren Fans nicht antun. Sie sollen dieses Erlebnis in ihrem Wohnzimmer erleben dürfen.

Frage: Die 'Unaufsteigbaren', wie Ihr Klub wenig charmant quer durch Deutschland genannt wird, klopfen immer fester ans Tor zur Bundesliga. Mit was wäre ein Aufstieg von Greuther Fürth zu vergleichen?

Hack: Die SpVgg Greuther Fürth in der Ersten Liga, das wäre von der Leistung her so hoch zu bewerten, als wenn der FC Bayern zehn Jahre in Folge immer im Champions League-Halbfinale stehen würde. Ich bin sehr zuversichtlich. Und wer glaubt, dass wir bei einem Aufstieg Fallobst wären, der wird sich vielleicht noch wundern.

Frage: Wie schaffen Sie es immer wieder, trotz namhafter Abgänge und überschaubarem Budget eine aufstiegsreife Mannschaft zusammenzustellen?

Hack: Es ist die Philosophie, die wir hier leben. Ich kann mir schwer vorstellen - ich bin ja auch im Vorstand der DFL, dass es einen Verein im deutschen Profifußball gibt, bei dem vom Platzwart und Zeugwart angefangen, jeder diese Philosophie 'Ich lebe für das Kleeblatt' verinnerlicht und auch vorlebt. Und: Wir bieten jungen Talenten mehr, als dass wir sie nur zu guten Fußballern ausbilden. Dieses Image haben wir uns aufgebaut.

Frage: Und dan ist es ganz einfach?

Hack: Klar, man braucht auch ein gutes Näschen bei der Spielersuche - und zu uns kommen keine Zufälle. So viele Zufälle gibt es nicht. Schauen Sie: Wir haben Olivier Occean aus Offenbach, aus der Dritten Liga geholt. Für ihn haben wir 200.000 Euro hingelegt. Das müssten wir uns vorher fünfmal überlegen. Noch nie zuvor haben wir für einen Spieler so viel Geld ausgegeben. Jetzt führt Occean die Torschützenliste der Zweiten Liga an - aber auch Heinrich Schmidtgal ist ein Diamant.

Frage: Wie passt Gerald Asamoah ins Bild, den Sie in der Winterpause geholt haben?

Hack: Das Thema Asamoah hat uns einfach gereizt. Wir wollten ihn mit seiner Erfahrung, mit seinem Auftreten, mit seinem Lachen. Wenn Asamoah in einen Raum geht, dann strahlt das ganze Zimmer und nichts ist mehr dunkel. Wenn Asamoah nur noch acht Kurz-Einsätze hat, dann haben wir mit ihm alles richtig gemacht.

Frage: Gibt es ein Erfolgsrezept?

Hack: Wir haben Jahr für Jahr unsere Kompetenz weiter ausgebaut, und sind vielleicht der einzige Verein im deutschen Profi-Fußball, der eine medizinische und sportpsychologische Abteilung hat, die von einem ehemaligen Profi geführt wird. Martin Meichelbeck arbeitet mit der Universität Erlangen zusammen: Dort werden alle Daten, Informationen und Trainingseinheiten wie kleine Bausteine gesammelt. Ich war in der Lage, diesen Weg als Visionär zu begleiten - und so haben wir immer wieder den Vorsprung vor den anderen halten können. Und jetzt kommt das Allerwichtigste: Dass wir nachhaltig arbeiten - und uns selbst von einem sechsten Platz, der scheinbar wenig ist, nicht verrückt machen lassen.

Frage: Wie wichtig ist Trainer Mike Büskens?

Hack: Ich habe ja viele namhafte Trainer hier gehabt: Armin Veh, Benno Möhlmann und Bruno Labbadia. Mit Mike Büskens haben wir aber einen Trainer, der nicht besser passen könnte - und wir passen auch zu ihm. Büskens lebt diesen Verein und hat ihm noch mehr Impulse eingehaucht. Wir wären ohne ihm nicht da, wo wir jetzt stehen. Büskens ist ein Glücksfall für die SpVgg Greuther Fürth.

Die Spielvereinigung im Steckbrief

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