Die Unsterblichkeit wartet

Von Für SPOX in Berlin: Florian Bogner
Sonntag, 16.05.2010 | 14:19 Uhr
Der FC Bayern gewann zum achten Mal in seiner Geschichte das Double
© Getty
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Die Trilogie des FC Bayern München steht kurz vor der Vollendung: Im DFB-Pokalfinale war Werder Bremen einfach eine Klasse schlechter. Die Feierlichkeiten der Münchner fielen eine Woche vor Madrid dementsprechend abgeklärt aus. Uli Hoeneß und Oliver Kahn ergehen sich derweil in Schwärmereien.

Man kennt das ja aus Hollywood: Bei fast jeder Trilogie ist Teil zwei mehr oder weniger nur ein Vehikel zwischen Fundament der Story im ersten Part und dem großen Finale zum Schluss. Auch beim FC Bayern war das DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen nur ein Cliffhanger - ein weiteres Mosaik in einem Kunstwerk, das in der nächsten Woche in Madrid vor der Vollendung steht.

Sicher gab es in Teil zwei einen neuen Hauptdarsteller (Franck Ribery) und ein paar neue Statisten (Werder Bremen), die große Schlacht blieb allerdings aus - es war vielmehr ein Gemetzel. "Man muss anerkennen, dass Bayern viel stärker war als wir. Wir waren auch nicht mutig genug", ließ selbst Werder-Kapitän Torsten Frings keinen Zweifel an der bajuwarischen Überlegenheit an diesem Abend aufkommen.

"Wir spielen momentan einen Fußball vom Allerfeinsten - das muss auch der Gegner zugeben", frohlockte FCB-Präsident Uli Hoeneß und adelte den aktuellen Kader: "Die Mannschaft ist spielerisch stärker als die von 2001. So wie wir im Moment die Gegner zumindest national dominieren, haben wir das damals nicht gemacht."

Eine Aussage, der auch Oliver Kahn entsprach. "Das war eine Demonstration der Stärke, eine Demonstration der Macht des FC Bayern. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Kluft zwischen den Bayern und den Konkurrenten so gigantisch war", sagte der Ex-Torwart.

Rummenigge für Madrid siegessicher

Die Bayern stürzten sich dieser Tage von einem Fest ins nächste - wenn auch in Berlin mit angezogener Handbremse gefeiert wurde. Zwar hatten die Spieler Ausgang "bis zum Morgengrauen" (Christian Nerlinger) und Trainer Louis van Gaal hatte auf der Pressekonferenz extra betont, dass es unter ihm keine Sperrstunde gebe, dennoch wollte auf dem Bankett in der Hauptstadtvertretung des Hauptsponsors keine übertriebene Party-Stimmung aufkommen.

Sicher, Spieler und Trainer labten sich ausgiebig an Wein und Feinschmecker-Buffet und der ein oder andere zog nach Ende des offiziellen Parts gegen 2.30 Uhr noch ins Berliner Nachtleben weiter. Dennoch war der Fokus der Münchner bereits gen Europa gerichtet - nach Madrid, wo in der nächsten Woche das Champions-League-Finale gegen Inter Mailand stattfindet.

"Wir haben eine Demonstration des Fußballs gesehen - wie schön und wie leicht Fußball sein kann", schwärmte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Bankett-Rede mit der festen Überzeugung, "dass diese Mannschaft das historische Ereignis am nächsten Samstag packt".

Schweinsteiger benennt den Unterschied

Mit dem achten Double der Vereinsgeschichte hat der FC Bayern sein Soll bereits übererfüllt und die nationalen Gegner mal wieder distanziert. Eine Saison am Rande der Unsterblichkeit wird es aber erst, wenn der Topf mit den großen Ohren zum fünften Mal den Weg an die Säbener Straße findet.

"Ein Double ist schön, aber ein Triple noch besser", meinte Philipp Lahm. Dementsprechend fokussiert wirkten auch die Spieler nach dem Pokal-Triumph. Kapitän Mark van Bommel hatte sogar trotz des 4:0-Sieges noch Anlass zur Kritik: "Es war nicht perfekt, weil wir in der ersten Halbzeit mehrere Chancen vergeben haben." Van Gaal meinte gar: "Wir können noch besser."

Bastian Schweinsteiger sprach hingegen fast ehrfürchtig von der Charakterstärke der Mannschaft und lobte ausdrücklich die Spieler aus der zweiten Reihe: "Selbst die, die auf der Bank oder der Tribüne sitzen, freuen sich mit und unterstützen die Mannschaft. Das ist der große Unterschied zu den vergangenen Jahren."

"Die Mannschaft ist bereit, heiß, hungrig", fasste Lahm die Gemütslage der Bayern vor dem Spiel gegen Inter Mailand treffend zusammen.

Ribery darf nach Madrid

Für Franck Ribery wird es wohl der letzte Auftritt im Bayern-Trikot gewesen sein - für diese Saison und vielleicht auch für immer. Der Franzose darf zwar auf Geheiß seines Nationaltrainers Raymond Domenech in jedem Fall mit den Bayern nach Madrid reisen, das Urteil des CAS bezüglich der Sperre des 27-Jährigen steht jedoch noch aus.

Ungeachtet dessen hatte sich Uli Hoeneß in den letzten Tagen mehrfach auffällig aufdringlich um Ribery gekümmert. Schon beim Bundesliga-Finale sah man Hoeneß, den Arm väterlich um den Spieler gelegt, im innigen Gespräch mit dem Franzosen.
Samstagnacht wiederholte sich dieses Bild: Hoeneß zog Ribery auf dem Bankett zur Seite, legt ihm den linken Arm um die Schulter und redete auf seinen Starspieler ein.

Öhm = fifty-fifty

Ob er ihm dabei nun den Weg zurück zum Mannschaftshotel erklärte, oder doch noch mal eindrücklich darauf hinwies, dass er beim FC Bayern ja nun wirklich ein lauschiges Plätzchen gefunden habe, an dem er verweilen solle, war freilich nicht ersichtlich. Ribery nickte zwischen Hoeneß' Sätzen nur eifrig.

Zuvor hatte ihn Bayern-Stadionsprecher Stephan Lehmann schon mit der Frage "Franck, bleibst Du?" überrascht. Ribery grinste, wackelte mit dem Kopf und meinte nur: "Öhm..." Dieses "Öhm" präzisierte Ribery im französischen Fernsehen am Sonntag: "Ich weiß noch nicht, ob ich bleibe oder gehe. Es steht 50 zu 50. Ich hoffe, dass ich es nach der Weltmeisterschaft weiß."

Ribery verließ die Veranstaltung Samstagnacht übrigens gegen halb Drei mit dem Taxi - im Schlepptau die Kollegen Holger Badstuber ("Der Pokal darf gerne noch öfter in meine Hände"), Mark van Bommel und Mario Gomez, der zwar erneut nicht eingewechselt wurde, aber dennoch tapfer mitfeierte.

Allofs und die Pistole

Weniger in Feierlaune waren hingegen die Bremer, die von der Titelverteidigung geträumt hatten, dann aber ins aufgeweichte Gras des Berliner Olympiastadions bissen.

"Die Bayern haben einen Lauf. Sie sind nur zu stoppen, wenn man optimal gegen sie spielt. Und wir waren heute ganz weit weg von unserem optimalen Spiel", resümierte Geschäftsführer Klaus Allofs.

Eigentlich hatten sich die Bremer nach dem Erreichen der Champions-League-Qualifikation ja vorgenommen, das Spiel locker und befreit anzugehen - nur eben in der Offensive und nicht in der Defensive. Allofs beschrieb das mit einem filmreifen Zitat: "Bei uns läuft es offenbar viel besser, wenn wir die Pistole auf der Brust haben." Touche!

Van Gaal: "Bei mir gibt es keine Sperrstunde"

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