Fussball

Wer rettet Markus Babbels Kopf?

Von Stefan Rommel
Alle Augen sind heute Abend auf Markus Babbel gerichtet. Wie geht es mit dem VfB-Trainer weiter?
© Imago

Das Achtelfinale als Endspiel: Markus Babbel ist mit dem VfB Stuttgart beim Zweitligisten Greuther Fürth zum Siegen verdammt. Ein Ausscheiden im DFB-Pokal würde das sichere Aus des Trainers bedeuten. Nur: Auf wen kann sich Babbel im wichtigsten Spiel seiner jungen Trainerlaufbahn wirklich verlassen - und wen kann er entbehren?

Dass das Fürther Playmobil-Stadion einmal zu seinem Schicksal werden könnte, hätte sich Markus Babbel wohl nie träumen lassen.

Babbel hat in seiner Karriere in den großen Stadien dieser Welt gespielt, in allen erdenklichen Wettbewerben. Und jetzt soll ausgerechnet die Heimstätte eines Zweitligisten, umbenannt in einen der ulkigsten Namen, zum Schicksalsort für den 37-Jährigen werden?

Babbel in der Klemme

Eine offizielle Sprachregelung beim VfB Stuttgart vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale bei der SpVgg Greuther Fürth (19 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) gibt es nicht.

Die inoffizielle geht so: Verliert der VfB und verbaut sich damit den leichtesten und nach jetzigem Stand der Dinge einzigen Weg in den internationalen Wettbewerb, ist Babbel seinen Job los.

"Ohne einen Sieg wird es für mich schwierig. Ich habe Horst Heldt gesagt: Bei aller Freundschaft zwischen uns muss jeder seinen Job erledigen. Wenn die Erfolge weiter ausbleiben, wird er zum Handeln gezwungen", weiß Babbel selbst nur zu genau, wie wichtig die Partie im Ronhof ist. "Ich weiß, dass die Reißleine gezogen wird, wenn der Erfolg ausbleibt."

Heldt fokussiert sich auf die Spieler

Das Problem ist nur: Babbel steht nicht auf dem Platz, sondern ist seinem Schicksal mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Seine Spieler haben seine Zukunft in Stuttgart in der Hand. Jene Spieler, die zuletzt sieben von acht Pflichtspielen nicht gewonnen und die letzten vier sogar verloren haben.

"Am Dienstag sind allein 18 Mann gefordert - die elf, die spielen und die anderen auf der Bank", betont deshalb auch Sportvorstand Horst Heldt und fügt energisch an: "Und sonst keiner!"

Aber auf wen kann sich Babbel in der schwierigsten Phase seiner Trainertätigkeit verlassen - und auf wen eher nicht?

Die Hoffnungsträger

Jens Lehmann: Abseits aller Mätzchen ist der Bald-40-Jährige für die meisten seiner Kollegen auf dem Platz immer noch ein Vorbild an Professionalität. Natürlich hatte auch Lehmann schon seine Aussetzer in dieser Saison, aber alleine seine Anwesenheit und seine Ansprache erzeugen in kritischen Situationen Reibungspunkte. Außerdem: Da dem VfB in der derzeitigen Lage alles zuzutrauen ist, könnte sich der erfahrene Lehmann in einem möglichen Elfmeterschießen noch als nützlicher Dienstleister erweisen.

Serdar Tasci: Der heimliche "Gewinner" der Krise. Zwar war auch der Nationalspieler bisher sportlich nicht immer über alle Zweifel erhaben, aber während der Sinnkrise Thomas Hitzlspergers und als Ersatz-Kapitän machte Tasci in der internen Hierarchie einen unheimlich großen Schritt nach vorne. Der Innenverteidiger verbindet den notwendigen Willen mit der ihm eigenen Leidenschaft und hat sich zum stillen Anführer der Mannschaft entwickelt. Derzeit ist Tasci gerade deshalb die wichtigste Stütze der Mannschaft überhaupt.

Christian Träsch: Babbels Zögling und sein treuester Kämpfer. Rutschte über seine eigentliche Position rechts in der Viererkette ins Mittelfeldzentrum und erledigt auch dort seine Aufgaben gewissenhaft und zumeist fehlerfrei. Müsste Babbel gehen, würde Träsch seinen Mentor verlieren und unter einem neuen Trainer von den größeren Namen auf seinen Positionen (Boulahrouz, Osorio bzw. Hitzlsperger, Kuzmanovic, Khedira) schnell verdrängt werden.

Elson: Die Beziehung zwischen dem Brasilianer und seinem Trainer ist nicht unbedingt die beste. Trotz teilweise überzeugender Leistungen bei seinen Kurzeinsätzen schmorte Elson fast immer auf der Bank, erst am Samstag gegen Hannover brachte ihn Babbel mal wieder von Beginn an. Im biederen Stuttgarter Mittelfeld ist Elson der Farbtupfer, der mit seiner Technik, seinem Auge und vor allem seinen gefährlichen Standards für Impulse sorgen kann.

Aliaksandr Hleb: Der Weißrusse muss momentan als der personifizierte Fehleinkauf herhalten. Größtenteils zu Recht. Aber das Jahresgehalt darf bei der Beurteilung der bisher gezeigten Leistungen nur bedingt Auswirkungen haben. Hleb ist der mit Abstand begabteste Spieler im Kader und ohne Greuther Fürth zu nahe treten zu wollen: Gegen einen Zweitligisten könnten auch zwei, drei starke Momente Hlebs reichen. Zumal der Weißrusse noch im meisten Luft nach oben hat und sich nach und nach seiner Form nähern wird.

Die Entbehrlichen

Khalid Boulahrouz: Zu Beginn war er nicht fit. Dann war er fit - und spielte trotzdem nicht. Dann spielte er, teilweise auch gut, fabrizierte jedoch zwei böse Fehler - und ist jetzt wieder raus aus dem Team. Babbel wollte den Niederländer lange Zeit nicht sehen, obwohl ein aggressiver Spieler wie Boulahrouz den Schwaben in etlichen Partien, in denen der VfB zu brav agierte, gut zu Gesicht gestanden hätte. Gegen Sevilla patzte Boulahrouz zweimal entscheidend und saß gegen Hannover sofort wieder 90 Minuten auf der Bank. Ein echter Boulahrouz-Fan scheint Babbel nicht zu sein - und umgekehrt.

Ludovic Magnin: Der nächste On/Off-Spieler. Bekam etliche Chancen und hatte gegen Arthur Boka auch die Nase vorn. Dann kam zunächst eine Verletzung, danach zwei, drei schlechte Spiele und Magnin ist wieder da, wo er nicht sein will: Auf der Bank. Da Boka derzeit aber den deutlich spritzigeren Eindruck hinterlässt und Magnin im Prinzip noch kein vernünftiges Spiel absolviert hat, ist die linke Seite mit dem Ivorer besetzt.

Ciprian Marica: Das Dauerproblem und seine Zahlen: Acht Millionen Euro teuer, 56 Bundesligaspiele, sieben Tore. Diese Saison sechs Pflichtspiele von Beginn an, null Tore. Marica hat schon genügend Chancen bekommen, genutzt hat er keine. Vom Durchbruch ist er derzeit weiter entfernt als zum Beginn seiner Stuttgarter Zeit, als er das damalige Meister-Duo Cacau und Gomez vor der Nase hatte. Und jetzt soll ausgerechnet er Babbels Kopf retten?

Buchwald stünde als Babbel-Nachfolger bereit

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