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Rambazamba und kalte Hose

Sonntag, 04.09.2016 | 13:00 Uhr
Deutschland startet gegen Norwegen in die Qualifikation zur WM in Russland
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Nur acht Wochen nach dem Aus bei der EM in Frankreich steht für den DFB das erste Spiel in der WM-Qualifikation an (20.45 Uhr im LIVETICKER). Löw gibt zu, dass die Mannschaft noch etwas ungeordnet ist, mahnt jedoch ungewöhnlich deutlich vor einem Fehlstart. Denn vor allem die Atmosphäre habe es in sich. Auch Kroos spricht bereits vom "schwersten Spiel der Quali". Dabei hat der Gegner mit sich selbst am meisten zu kämpfen.

Noch während der Pressekonferenz lehnte sich der norwegische Journalist zu seinem deutschen Nebenmann und stupste ihn von der Seite an. Er verstehe Joachim Löw sehr gut, da er Deutsch spreche, erklärte er seinem Kollegen flüsternd. Doch ein zentrales Wort, das der Bundestrainer benutzte, kenne er irgendwie nicht. "Was ist denn bitte 'Rambazamba'", wollte er wissen.

Schließlich war es offenbar die Kernaussage des Monologs, die alle deutschen Journalisten eifrig in den Notizblock kritzelten. Auch vom norwegischen Übersetzer, der die Situation gekonnt umschiffte, war kein Hinweis auf ein ähnliches Wort zu hören. Dabei sprach Löw wenige Sekunden zuvor doch über die Erwartungen an das erste WM-Quali-Spiel und die heiße Atmosphäre.

"Gegen den Weltmeister zu spielen, ist gerade für solche Mannschaften das Spiel des Jahres oder des Jahrzehnts. Norwegen wird uns einen heißen Kampf abliefern. Wir können davon ausgehen, dass hier morgen richtig 'Rambazamba' ist", so der Bundestrainer.

Löw mit mahnenden Worten

Der deutsche Journalist geriet ins Schleudern. Worte wie Chaos, Action und Durcheinander fielen. Doch keines schien ihm so richtig zu passen. Letztlich zwinkerte er und behalf sich mit einer kleinen Ausrede: "Wir reden morgen noch mal, wenn zehn Minuten gespielt sind." Die Kernbotschaft des Bundestrainers wurde wohl dennoch klar. Immer wieder hob Löw während der Pressekonferenz mahnend den Zeigefinger und machte klar, dass der DFB Norwegen nicht auf die leichte Schulter nehmen werde.

Denn gute acht Wochen nach dem Halbfinalaus bei der EM in Frankreich wirkt im DFB-Team alles noch ungewöhnlich ungeordnet. Die Spieler sind mit ihren Vereinen gerade erst in die Saison gestartet und haben erst eine Hand voll Spiele unter Wettkampfbedingungen absolviert. Bereits nach dem Testspiel gegen Finnland erklärte der Bundestrainer, dass es ein "Start aus der kalten Hose" sei.

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"Schwestes Spiel der Quali"

Da auch die Fehleranalyse nach der EM noch längst nicht abgeschlossen ist, kommt das erste Quali-Spiel nicht zum optimalen Zeitpunkt. Und ausgerechnet jetzt steht mit dem Auswärtsspiel in Norwegen laut Kroos auch noch das "wahrscheinlich schwerste Spiel unserer Quali" an.

Der Mittelfeldmotor sprach ehrlich über die Schwierigkeit eines Quali-Auftaktes. Es sei kompliziert, gerade unmittelbar nach einem solch großen Turnier den Schalter im Kopf wieder umzulegen. "Wir wissen jetzt, dass wir wieder zwei Jahre auf ein Ziel hinarbeiten müssen", so Kroos über mögliche Startprobleme.

Der Mittelfeldspieler weiß, wovon er spricht. Erst 2014 nach dem WM-Sieg in Brasilien stolperte der DFB etwas verkatert in die EM-Qualifikation. Nach drei Spieltagen stand Deutschland mit lediglich vier Punkten aus drei Spielen da. Dabei setzte es in Polen eine empfindliche 0:2-Pleite und vor heimischer Kulisse kam die Löw-Elf gegen Irland nicht über ein 1:1 hinaus. Auch der knappe 2:1-Sieg zum Auftakt gegen Schottland war wenig glorreich.

Quali-Modus erfordert Leistung

Einen vergleichbaren Start kann sich das deutsche Team aufgrund der unterschiedlichen Quali-Modi nicht leisten. Während sich bei der EM die beiden Führenden der Gruppen direkt qualifizierten, ist nun nur der Spitzenreiter automatisch beim Turnier dabei. Gerade wegen der Problematik des ersten Spiels weiß Kroos, dass "ein Start in die Quali auch mal etwas holprig sein kann. Trotzdem sollten wir in der Lage sein, die Spiele alle zu gewinnen."

Leichteste Gruppe? Schwerste Gruppe? Die wichtigsten Fragen vor dem Quali-Start

Der Bundestrainer wurde in seiner Ansprache noch deutlicher und richtete einen Appell an die Mannschaft. "Dieses Mal möchte ich nicht so eine durchwachsene Qualifikation haben. Meine Erwartungshaltung ist klar: Wir müssen uns in gewissen Dingen in den nächsten zwei Jahren entscheidend verbessern. Dieser Weg beginnt mit drei Punkten morgen", so der Bundestrainer mahnend.

Norwegen: Ödegaard bereitet Sorgen

Sein norwegisches Pendant, Per-Mathias Hogmo, muss sich indes mit ganz anderen Themen herumschlagen. Der Wirbel um Übertalent Martin Ödegaard, der im Januar 2015 zu Real Madrid wechselte, bringt Unruhe ins sonst so beschauliche norwegische Umfeld. Während viele Fans in ihm den Heiland des nationalen Fußballs sehen, tritt Hogmo stets auf die Euphoriebremse und wählt den unpopulären und für einige Fans nicht nachvollziehbaren Weg.

Ödegaard trainiere in der zweiten Mannschaft von Real und das Niveau für seine Entwicklung sei dort eben zu schlecht. Trotz personeller Sorgen griff der Nationaltrainer deshalb konsequent durch und nominierte den 17-Jährigen für das Spiel gegen Deutschland nicht. "Er ist nicht reif und nicht gut genug", so die schlichte Erklärung Hogmos.

Die Posse um Ödegaard passt ins norwegische Gesamtbild. Denn der Haussegen bei den Skandinaviern hängt generell etwas schief. Erst jüngst wurde die EM in Frankreich trotz der Aufstockung auf 24 Teams nach zwei Playoff-Niederlagen gegen Ungarn knapp verpasst. Seit inzwischen 16 Jahren warten die Fans in Norwegen deshalb bereits auf eine Turnierteilnahme ihres Landes.

Löw über Stärke Norwegens

Auch die aktuelle Form des Teams macht wenig Hoffnung auf eine WM-Teilnahme. Erst vor wenigen Tagen kassierte das Hogmo-Team eine 0:1-Heimpleite gegen eine No-Name-Truppe aus Weißrussland. Die nationale Presse unkte anschließend bereits und schrieb, dass Deutschland doch hoffentlich die Damenmannschaft schicken werde. Ansonsten sei man sowieso chancenlos.

"Das ist das übliche Geplänkel", winkte Löw ab, der sich nicht von der norwegischen Presse beeinflussen lassen wollte. Statt auf den Zug aufzuspringen, unterstrich er vielmehr die Stärken des Gegners: "Ich gehe davon aus, dass sie uns nicht früh attackieren. Sie können gut kontern und sind auch bei hohen Bällen gefährlich."

Mit welcher Aufstellung Löw die kommende Aufgabe angeht, ließ er nicht durchblicken. Erst gegen Finnland testete die deutsche Mannschaft ein äußerst variables 3-4-3. Dass dies gegen Norwegen erneut zum Einsatz kommt, ist unwahrscheinlich. Ballbesitz werden die Deutschen erneut reichlich haben, das ist unabhängig vom System. Norwegen wird gewohnt defensiv agieren und sich vor allem auf eines konzentrieren: Rambazamba.

Norwegen - Deutschland: Daten zum Spiel

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