Knapp an der Blamage vorbei

Von Haruka Gruber/ Marcus Giebel
Mittwoch, 14.10.2009 | 19:50 Uhr
Lukas Podolski (2.v.r.) erzielte mit viel Glück den 1:1-Ausgleich für Deutschland
© Getty
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Deutschland hat im letzten Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gegen Finnland mit viel Glück ein 1:1 (0:1) erreicht.

Vor 51.500 enttäuschten Zuschauern in der ausverkauften HSH-Nordbank-Arena in Hamburg erzielte Jonatan Johansson in seinem 100. Länderspiel die Führung für Finnland.

Kurz vor dem Schluss verhinderte Lukas Podolski mit seinem 1:1 die dritte Niederlage des DFB-Teams in der WM-Qualifikations-Historie. Zuletzt hatte Deutschland 1923 gegen Finnland verloren (1:2).

Löw: "Nicht so frisch wie in Moskau"

"In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, das hat jeder gesehen. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft aber Moral bewiesen und auf den Ausgleich gedrängt", resümierte Bundestrainer Joachim Löw.

"Finnland hat defensiv gut gestanden, und wir waren nicht so frisch wie in Moskau. Gegen ganz defensiv ausgerichtete Mannschaften müssen wir in Zukunft noch zulegen", sagte der Bundestrainer.

So diskutierten die SPOX-User während des Spiels

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Deutschland mit sechs Änderungen im Vergleich zum Russland-Sieg. Die wichtigste: Statt Özil besetzt Trochowski die Zehner-Rolle.

Wegen Sperren (Pasanen, Tihinen) kommen bei Finnland Heikkinen sowie Lampi neu in die Elf. Hämäläinen beginnt statt Kolkka Rechtsaußen.

11., 0:1, Johansson: Porokara versetzt Beck und flankt von der linken Seite. Am Elfmeterpunkt verliert Lahm das Kopfballduell gegen R. Eremenko, der Ball fällt vor die Füße von Johansson, der abstaubt. Westermann zu passiv.

33.: R. Eremenko probiert es aus 30 Metern in zentraler Position und zwingt Adler zu einer Faustparade.

43.: Deutschlands beste Chance in Hälfte eins. Bezeichnend. Hitzlsperger packt das Hämmerchen aus. Seinen Schuss aus mehr als 30 Metern hätte Jääskeläinen auch mit der Mütze fangen können.

Halbzeit-Fazit: Furchtbare 45 Minuten. Das deutsche Spiel bestand aus Fehlpässen, nachlässiges Zweikampfverhalten und Passivität. Nur Ballack und Podolski in Normalform.

46.: Doppelwechsel des DFB-Teams: Hitzlsperger und Ballack raus, Gentner und Özil reich. System wird vom 4-2-4-1 bzw. 4-3-3 auf ein 4-4-2 mit Raute umgestellt.

49.: Der starke R. Eremenko zieht von der Strafraumgrenze ab, Adler faustet den Ball unnötig vor die Füße von Litmanen, der einschiebt. Durchatmen, Litmanen stand im Abseits.

61.: Trochowski kommt glücklich auf der linken Seite an den Ball und spielt ihn per Spannschuss in die Mitte, dort kann Moisander sein Bein nicht mehr wegziehen. Doch Jääskeläinen hat aufgepasst und verhindert das Eigentor.

74.: Kopfballchance für Gomez. Nach einer Flanke von Trochowski aus dem rechten Halbfeld zielt er aber zu ungenau.

77.: Beck hat auf rechts viel Platz, flankt auf den langen Pfosten. Dort nimmt Özil den Ball an und zimmert den Ball mir rechts weit über das Tor. Hätte das 1:1 sein können.

84.: Klose kommt aus fünf Metern zum Kopfball, aber Jääskeläinen macht sich ganz lang und rettet in höchster Not. Erneut sah Heikkinen vorher nicht gut aus.

90., 1:1, Podolski: Was für ein Slapstick-Tor! Konfusion im finnischen Strafraum, mit viel Glück rollt der Ball zu Podolski. Sinnbildlich für die Szene, dass Poldi aus sieben Metern den Ball nicht richtig trifft, dieser aber dennoch ins Tor kullert.

90.+2: Den letzten langen Ball von Özil verpasst Klose nur um Zentimeter.

Fazit: Katastrophale erste Hälfte, etwas bessere zweite Hälfte: Beinahe hätte Deutschland fahrlässig das dritte WM-Quali-Spiel der Historie verloren. Auch wenn die Finnen zunehmend schwächer wurden und Klose das 2:1 auf dem Kopf hatte: Das Remis war glücklich.

Der Star des Spiels: Roman Eremenko. Sehr quirlig und zweikampfstark. War an fast allen gefährlichen Situationen beteiligt, legte das Tor vor und bereitete mit seinem Distanzschüssen Adler einige Probleme. Harmonierte im zentralen Mittelfeld gut mit dem 1,92-Meter-Hünen Sparv. Seit seinem Wechsel von Udine zu Dynamo Moskau etwas in Vergessenheit geraten, bewies der 22-Jährige, warum ihm eine große Zukunft vorausgesagt wird.

Die Gurke des Spiels: Thomas Hitzlsperger. Vielleicht hätte man ihn ob seiner Formschwäche einen Gefallen getan, wenn er auf der Bank geblieben wäre. War in einer schlechten deutschen Mannschaft der Schlechteste. Schwache Zweikampfwerte, zudem mit einigen Fehlpässen und einer Körpersprache, die seine gesamte Verunsicherung ausdrückte. Eremenko kam zu seinen besten Chancen, wenn er über Hitzlspergers halblinke Seite angriff. Die Auswechslung zur Pause war eine Erlösung - für ihn und für die Fans.

Hitzlsperger: Setzen, sechs!

Die Pfeife des Spiels: Martin Atkinson. Fiel nicht weiter auf. Das größte Kompliment für einen Schiri. Lag mit seinen Assistenten bei allen wichtigen Abseitsentscheidungen richtig.

Die Lehren des Spiels: Die Leistung der Deutschen: eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass zahlreiche Spieler um das WM-Ticket kämpfen. Beziehungsweise kämpfen müssten. Von Beck abgesehen, der nach miserabler ersten Halbzeit in den zweiten 45 Minuten über die rechte Seite etliche Angriffe initiierte, bot sich keiner aus der zweiten Garde an.

Cacau: unsichtbar, Trochowski: bei weitem kein Özil-Ersatz, Gomez: verunsichert und ausgepfiffen, Westermann sowie Friedrich: hinten nicht immer zuverlässig, im Spiel nach vorne quasi nicht existent. Immerhin hat Westermann mit seinem Distanzschuss das 1:1 mit eingeleitet. Seinen Stammplatz endgültig verloren hat wohl Hitzlsperger.

Unverständlich, warum Löw derart viele Wechsel vornahm. Den Reservisten eine Chance geben, ist das eine. Die nach dem Russland-Sieg entstandene Euphorie derart leichtfertig aufs Spiel zu setzen, das andere. Die fehlende Abstimmung, zum Beispiel zwischen Cacau und Beck, war offensichtlich. Rotieren des Rotierens Willen macht keinen Sinn, das zeigte das Spiel gegen Finnland endgültig.

Davon hat keiner was. Nicht die Fans, nicht Löw - und auch nicht die eingesetzten Spieler aus der zweiten Reihe, die durch ein solch verkorkstes Spiel an Reputation verlieren.

Deutschland - Finnland: Daten & Fakten

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