Fussball

FC Bayern übt wegen Ausbootung von Müller, Hummels, Boateng, Kritik an Löw

SID

Bayern München kritisiert Bundestrainer Joachim Löw offen und fühlt sich von dessen jüngsten Personalentscheidungen überrumpelt. "Wir halten den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig", schrieben der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Der Zeitpunkt unmittelbar vor "richtungweisenden Spielen" in Bundesliga und Champions League "irritiert uns", schrieb das Führungsduo.

Rummenigge fügte im ZDF hinzu: "Der Zeitpunkt ist nicht gut für uns. Das bringt ein Stück Unruhe in den ganzen Klub." Die "Stilfrage" müsse jeder für sich selbst beantworten, der Umbruch an sich jedoch sei zu akzeptieren.

Löw hatte am Dienstag in München die 2014er-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng informiert, dass sie in seinen Plänen keine Rolle mehr spielen.

Ein Entschluss, den es "zu akzeptieren, zu respektieren" gilt, "auch wenn es einem nicht gefällt", sagte Rummenigge in der Münchner AZ , merkte aber an: "Ich glaube, unsere drei Spieler sind nicht gerade das, was ich als altes Eisen bezeichnen würde."

Löw habe "damit natürlich auch eine große persönliche Verantwortung übernommen, denn von Fußball-Deutschland wird jetzt erwartet, dass die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, die ja auch in München stattfindet, gelingt".

FC Bayern: Löws Besuch "überrascht"

"Uns hat überrascht, dass dies im Rahmen eines unangekündigten Besuches (...) an der Säbener Straße erfolgte", sagten Rummenigge und Salihamidzic, die darauf verwiesen, dass "das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am 19. November 2018" stattgefunden hat - vor dreieinhalb Monaten.

Auch Niko Kovac äußerte sich zu den Vorkommnissen. Im kicker sagte er: "Ich weiß, dass meine Spieler von der Entscheidung Jogi Löws überrascht waren. Aber Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels sind Vollprofis. Sie wissen, mit dieser Situation jetzt seriös umzugehen. ch erwarte sogar, dass sie uns allen in den kommenden Wochen eine Trotzreaktion zeigen und beweisen, dass sie immer noch zu den Besten gehören."

Der FC Bayern spielt am Samstag (15.30 Uhr im LIVETICKER) im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg. Am kommenden Mittwoch geht es gegen den FC Liverpool um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Das Hinspiel endete 0:0.

Am Dienstag hatten sich die Bayern unmittelbar nach dem Nationalmannschafts-Beben noch zurückgehalten.

Dafür hatte sich Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der vergangenen Sommer zurückgetreten war und seit dem WM-Desaster in Russland kein Wort mehr mit Löw wechselt, zu Wort gemeldet. "Kopf hoch, Bro. Seit den frühen Anfängen in den Jugend-Nationalteams haben wir viele besondere Momente zusammen gefeiert. Du bist ein wahrer Freund und ein toller Mensch, auf und neben dem Platz. Es tut mir leid, dass einer der besten deutschen Spieler der letzten Dekaden das Nationalteam auf diese Art verlassen muss", schrieb er in Richtung Boateng.

Trost für Boateng und Hummels auf Instagram

Der ehemalige Abwehrchef selbst schickte wie auch sein langjähriger Partner Hummels kleine Kinder ins Feld, um den Frust zu entladen. Boatengs Patenkind Mayla sagte in einem Videoclip bei Instagram: "Kopf hoch! Die sind doch balla-balla." Boateng selbst kommentierte: "Danke, dass Du meinen Tag aufhellst, Mayla." Hummels ließ sich von seinem Sohn Ludwig trösten: "Aufmunterer", schrieb er bei Instagram neben ein gemeinsames Foto.

DFB-Ehrenspielführer Lothar Matthäus gab Löw Rückendeckung für dessen Personalentscheidung, kritisierte aber wie die Bayern-Führung den Zeitpunkt. "Die Entscheidung finde ich okay, weil wir von einem Umbruch reden, den Zeitpunkt finde ich jedoch sehr unglücklich", sagte er in seiner Funktion als Sky-Experte: "Eine Woche vor dem Spiel gegen Liverpool bringt Löw nur Unruhe bei Bayern München rein. Man hätte diese drei Spieler nach so vielen verdienstvollen Jahren auch vor zwei Monaten aus der Nationalmannschaft verbannen können und nicht eine Woche vor dem wichtigen Spiel in der Champions League."

Bayern Nationalspieler Serge Gnabry, einer der neuen Hoffnungsträger bei den Münchnern und vor allem auch im Nationalteam, befürchtet keine negativen Auswirkungen für den Klub: "Ich war auch überrascht, aber die Jungs werden weiter Gas geben."

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