DFB-Team: Was steckt noch im Kader?

Letzte Chance aufs Final-Ticket

Freitag, 24.06.2016 | 17:43 Uhr
Emre Can und Lukas Podolski sind bisher noch ohne Einsatz bei dieser EM
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Mit dem Achtelfinale gegen die Slowakei beginnt für Deutschland am Sonntag (18 Uhr im LIVETICKER) die heiße Phase der EM. Löw wittert ob des vermeintlich kleinen Namens des Gegners die letzte Chance, Neues auszuprobieren. Für mehrere Spieler könnte die Hoffnung auf einen EM-Einsatz damit sterben.

"Zwei verschiedene Mannschaften" werde er brauchen, hatte Joachim Löw vor der EM gesagt: Eine für die Gruppenphase und eine für die K.o.-Runde. Wie genau das zu verstehen war, erschließt sich nach Part eins der EM noch nicht einhundertprozentig.

In den bisherigen Spielen nahm der Nationaltrainer kaum Änderungen vor. Es spielte die vermeintliche Stammelf. Diejenigen, auf die Löw auch gerade jetzt, wenn es ernst wird, setzen will.

Dass er gegen Nordirland mit Mario Gomez und Joshua Kimmich erstmals doch ein bisschen Bewegung in die Startelf - und letztlich auch ins deutsche Spiel - brachte, zahlte sich aus. Die Entscheidung, das Duo einzusetzen, erfolgte aber unabhängig von einem Zwei-Phasen-Plan. Er musste reagieren.

Deschamps ist das Gegenbeispiel

Ab der am Sonntag beginnenden Ausscheidungsphase wird Löw seine Mannschaft nicht komplett auf links drehen. Der Kern steht, was auch gut ist. Jedoch hätte der Bundestrainer die Gruppenphase intensiver dazu nutzen können, Alternativen zu testen. Personell und taktisch.

Didier Deschamps, zum Beispiel, tat das. Er ließ im zweiten Spiel seine Top-Stars Pogba und Griezmann draußen, um seinen ebenfalls begnadeten Kickern Coman und Martial die Bühne zu geben, sich zu zeigen. Und um selbst zu sehen, ob er ihnen in der späteren Turnierphase vertrauen kann.

Zeitgleich stellte er das Zentrum um, ließ das französische Spiel anders aufbauen und suchte neue Wege in die Spitze. Es hatte einen weiteren netten Nebeneffekt: Regeneration für den einen oder anderen Leistungsträger. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Immergleicher Schürrle - wichtig für Schweini

Löw ließ diese Möglichkeiten verstreichen. Der Schürrle-Wechsel war in allen drei Spielen der immergleiche. Immergleich war auch dessen Wirkungslosigkeit.

Generell wechselte Löw wenig und spät. Dass Schweinsteiger zweimal kam, war wichtig für den Kapitän. Mit seinem Tor gegen die Ukraine gelang ihm persönlich und für das Kollektiv ein Motivationsschub, seine gut 20 Minuten Einsatzzeit gegen Nordirland waren der nächste Schritt in Richtung Startelf.

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Die winkt dem Ex-Münchner schon gegen die Slowakei. Co-Trainer Thomas Schneider äußerte sich am Donnerstag vielsagend: "Basti ist in einem guten Zustand, er wird jede Woche besser, stabiler und spielfreudiger. Er kommt langsam auf ein Niveau, dass er uns von Anfang an helfen kann."

Einige schauen nur zu

Das bedeutet aber auch, dass einige andere Spieler bislang nur zuschauen. Bei den meisten von ihnen wird es wohl auch dabei bleiben. Noch ohne Einsatz sind die beiden Ersatztorhüter Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen sowie Jonathan Tah, Julian Weigl, Emre Can, Lukas Podolski und Leroy Sane.

Gerade bei Sane, der vom Trainerstab seit Monaten große Wertschätzung erhält, verwundert es ein wenig, dass er bislang noch keine Minute auf dem Platz stand. Seine technischen Qualitäten liegen auf der Hand, seine Dribblings wirken zudem fließender und gefährlicher als die Schürrles im letzten Jahr.

Schneider und Marcus Sorg lobten am Donnerstag die Rolle der Reservisten: "Es macht Spaß zu beobachten, mit welchem Engagement sie bei der Sache sind. Alle wissen, dass man nur Erfolg haben kann, wenn man an einem Strang zieht." Munter machende Worte, die die Betroffenen aber klar einzuordnen wissen.

Bitter für Can und Podolski

Schneider wies darauf hin, dass es keiner besonderen Ansprache bedürfe, um die bislang sieben in den drei Gruppenspielen noch nicht eingesetzten Profis weiter zu motivieren. "Es geht nicht darum, sie bei Laune zu halten. Sie wissen, dass sie wichtig sind und eine große Wertschätzung haben", sagte der frühere Stuttgarter Trainer und ergänzte: "Sie wissen, dass sie im Turnier noch zum Einsatz kommen."

Das wird keinesfalls bei allen der Fall sein. Dass die Torhüter hinter Manuel Neuer nur Backups sind, war von Beginn an klar. Genauso wenig überrascht es, dass der nachnominierte Tah noch nicht gespielt hat und das wohl auch nicht mehr wird.

Was ist aber mit Can und Podolski? Vor allem der Liverpooler Can ist mit ganz anderen Ambitionen angereist. Vier der fünf Länderspiele vor der EM hat er bestritten, in Frankreich nahm Löw ihn aus dem System. Podolski selbst kündigte auch an, nicht nur zum Motivieren dabei zu sein. Sie hätten ihre Chance sicher in der Gruppe verdient gehabt, jetzt wird es für beide eng.

Und Julian Weigl? Bei ihm ist es eine Kann-Situation. Er hat auf der Sechs natürlich Deutschlands Leader vor sich. Qualitativ ist ihm in jedem Fall zuzutrauen, dass er bei einem möglichen EM-Debüt einen ähnlich guten Job gemacht hätte wie Kimmich gegen Nordirland. Der Dortmunder ist mit 20 aber ebenfalls noch sehr jung. Seine Enttäuschung würde sich wohl in Grenzen halten.

Letzte Chance aufs Final-Ticket

Löw hat nur noch dieses eine Spiel, in dem seine Mannschaft klar als Favorit ins Duell geht. Danach warten mit Spanien, Italien, England oder Frankreich die Großen. Die EM hat gezeigt, wie sehr man derzeit auf vermeintliche Rollenverteilungen aufpassen muss, jedoch hat Deutschland den Anspruch, gegen die Slowakei ins Viertelfinale einzuziehen - egal, wer aus dem 23-köpfigen Kader auf dem Feld steht.

Der Bundestrainer wird am Sonntag kein Risiko gehen, indem er viel austauscht. Das wäre in der Gruppe mal möglich gewesen, jetzt kann jeder Fehlgriff das Aus bedeuten. Trotzdem ist die Partie die letzte Chance, noch einmal jemand Neues reinzuwerfen oder taktisch anders zu agieren. Was jetzt noch geprobt wird, kann in späteren Runden besser genutzt werden.

Wer nach Sonntagabend EM-Minuten vorzuweisen hat, der hat gute Chancen, auch im weiteren Turnierverlauf eingesetzt zu werden. Für Sane stehen die Anzeichen gut, auf diesen Zug noch aufzuspringen. Für die anderen bleibt der von Schneider zitierte gemeinsame Strang.

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