Marcell Jansen im Interview

Jansen: "Wir werden Rooney stoppen"

Von Für SPOX in Südafrika: Stefan Rommel
Freitag, 25.06.2010 | 19:19 Uhr
Marcell Jansen hat in 32 Länderspielen zwei Tore für das DFB-Team erzielt
© Getty
Advertisement
Premier League
Sa18:30
Meister vs. Tabellenführer: Chelsea - ManCity
Copa do Brasil
Cruzeiro -
Flamengo
Ligue 1
Monaco -
Montpellier
Premiership
Hamilton -
Rangers
Championship
QPR -
Fulham
Primera División
Celta Vigo -
Girona
J1 League
Niigata -
Kobe
J1 League
Kawasaki -
Cerezo Cosaka
Primera División
Deportivo -
Getafe
Premier League
Huddersfield -
Tottenham
Premier League
Man Utd -
Crystal Palace
Championship
Ipswich -
Bristol City
Primera División
Sevilla -
Malaga
Ligue 1
PSG -
Bordeaux
Serie A
Udinese -
Sampdoria
Premier League
Chelsea -
Man City
Primera División
Levante -
Alaves
Championship
Reading -
Norwich
Ligue 1
Amiens -
Lille
Ligue 1
Dijon -
Straßburg
Ligue 1
Guingamp -
Toulouse
Ligue 1
Nantes -
Metz
Ligue 1
Rennes -
Caen
Premier League
Stoke -
Southampton (Delayed)
Primera División
Leganes -
Atletico Madrid
Serie A
Genua -
Bologna
Premier League
Bournemouth -
Leicester (DELAYED)
Premier League
West Ham -
Swansea (DELAYED)
Premier League
West Brom -
Watford (DELAYED)
Serie A
Palmeiras -
Santos
Eredivisie
Alkmaar -
Feyenoord
Serie A
Neapel -
Cagliari
Premier League
Arsenal -
Brighton
Championship
Sheffield Wed -
Leeds
Ligue 1
Troyes -
St. Etienne
Serie A
Benevento -
Inter Mailand
Serie A
Chievo Verona -
Florenz
Serie A
Lazio -
Sassuolo
Serie A
SPAL -
Crotone
Serie A
FC Turin -
Hellas Verona
Primera División
Barcelona -
Las Palmas
Ligue 1
Angers -
Lyon
Primera División
Real Madrid -
Espanyol
Ligue 1
Nizza -
Marseille
WC Qualification South America
Bolivien -
Brasilien
WC Qualification South America
Venezuela -
Uruguay
WC Qualification South America
Kolumbien -
Paraguay
WC Qualification South America
Chile -
Ecuador
WC Qualification South America
Argentinien -
Peru

In "kritischen Spielen" ist Marcell Jansen immer ein Thema bei Löw - auch gegen England (So., 15.45 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY). Jansen über das Achtelfinale, seine Bayern-Zeit und das Geheimnis eines modernen Außenverteidigers.
 

SPOX: Herr Jansen, was muss ein moderner Außenverteidiger heute mitbringen, um bei einer WM zu bestehen?

Marcell Jansen: In den vergangenen Jahren hat sich sehr viel getan, vor allem im Spiel nach vorne. Wenn eine Mannschaft es schafft, sehr ballsicher zu spielen, bieten sich hinter der Mittellinie oft Räume, in denen man als Außenverteidiger - ob links oder rechts - die Offensive unterstützen kann. Daher ist das Zusammenspiel zwischen dem Außenverteidiger und dem vor ihm postierten Mittelfeldspieler immer wichtiger geworden. In Hamburg haben Dennis Aogo und ich das zuletzt sehr gut gemacht. Viel zu oft wird nur nach vorne geguckt und gefragt: Wer schießt da die Tore? Das aber ist im heutigen Fußball auf hohem Niveau gar nicht mehr so interessant. Viel wichtiger ist: Wie kompakt ist eine Seite?

SPOX: Das ist überall gleich?

Jansen: Nein, das ist extrem abhängig von der jeweiligen Spielauffassung. In Mönchengladbach etwa konnte ich die Position viel offensiver ausfüllen als bei Bayern München. Das lag daran, dass ich in Gladbach immer Dampf machen musste, damit auch über die Seite etwas nach vorne geht - und gleichzeitig sollte ich hinten am besten auch noch alles wegräumen. In München sollten wir den Offensivspieler den Rücken freihalten.

SPOX: Was gefällt Ihnen am besten?

Jansen: Am wohlsten fühle ich mich natürlich, wenn ich mich nach vorne einbringen kann. Das ist ja auch meine Spielweise. Wenn es die Situation erlaubt, aus eine guten Ordnung heraus mit nach vorne zu marschieren, dann werde ich das machen. Dann hält mich nichts mehr hinten. Das ist doch, was einen guten Außenverteidiger ausmacht. Wenn der Gegner allerdings mit drei Stürmern antritt, bedeutet das für die Außenverteidiger ein eher defensives Spiel - es sei denn, deine Mannschaft ist so überlegen, dass der Stürmer eher dir folgen muss als umgekehrt.

SPOX: Wenn Sie für Joachim Löw ein Bewerbungsschreiben aufsetzen müssten. Was spricht für Sie?

Jansen: In den vergangenen Jahren habe ich auf beiden Positionen gespielt: links defensiv und im linken Mittelfeld. Mit unterschiedlichen Erfahrungen in der Nationalelf. Bei der EM habe ich gegen Kroatien einen Bock geschossen, das wurde an die ganz große Glocke gehängt, obwohl wir in diesem Spiel insgesamt schwach waren. Aber im Finale habe ich eine Halbzeit lang gegen Spanien gut gespielt, das hat jedoch niemanden interessiert. In Traditionsvereinen wie Gladbach und Bayern habe ich links hinten gespielt, in Hamburg oft auch mehr offensiv. Ich hatte am Saisonende einige Verletzungsprobleme, aber im Training der Nationalmannschaft habe ich mich so aufgedrängt, dass ich einen positiven Eindruck hinterlassen habe. Daher könnte es gut sein, dass ich am Spiel gegen England wieder dabei bin. Es macht mich stolz zu wissen, dass ich in kritischen Spielen ein Thema bin.

WM-Rechner: Tippe Deutschland zur Weltmeisterschaft!

SPOX: Es heißt, bei Ihnen sei eine hundertprozentige Fitness unabdingbar, um die geforderte Leistung zu zeigen.

Jansen: Ich hatte schon einige Unfälle, wegen denen ich länger ausgefallen bin. Aber das waren ja nie Verletzungen, die ich mir wegen unprofessioneller Lebensweise zugezogen habe. Sondern, weil mich einer umgelegt hat oder ich umgeknickt bin. Da kann man so viel Gemüse essen, wie man will, so etwas passiert. Ich kam also nie in die Situation vieler anderer Fußballer, die sagen können: Ich bin da, ich bin fit. Ich musste mich immer herankämpfen.

SPOX: Wie wichtig sind dabei Ihre Laktose-Intoleranz und das Gluten-Problem?

Jansen: Das war nur ein Baustein des Problems, aber kein großer. Und wir haben das in den Griff bekommen. Ich esse hier in Südafrika auch nur laktose- und glutenfreie Speisen. Der wichtigste Baustein waren die Verletzungen, die jetzt aber vollständig auskuriert sind. Ich bin richtig gesund und glücklich deshalb.

SPOX: Verfügen Sie über England-Erfahrung?

Jansen: In der U 21 haben wir vor fünf oder sechs Jahren gegen England gespielt und 2:1 gewonnen - das war ein geiles Spiel. Es war in England, und Stefan Kießling hatte die falschen Fußballschuhe mit. Er musste sich andere leihen und hat dennoch getroffen.

SPOX: Wenn Sie die englische A-Mannschaft anschauen: Wen schätzten oder fürchten Sie am meisten?

Jansen: Fürchten muss man keinen. Aber natürlich kann von ihnen in der Offensive jeder etwas sehr effektives machen. Wenn man Wayne Rooney in dieser Saison verfolgt hat, weiß man, das ist schon Wahnsinn. Andererseits trifft er aber auf eine Mannschaft, die ihn stoppen wird.

SPOX: Und Ihre Mannschaft zeigt noch keinen Lagerkoller?

Jansen: Nein, das ist ja auch gut hier. Der DFB hat sich wie immer viele Gedanken gemacht, damit das gar nicht erst entsteht.

SPOX: Ein Spieler braucht aber auch eine Balance für Körper und Kopf. Kommt der Kopf hier nicht zu kurz?

Jansen: Wir sind hier technisch sehr gut ausgerüstet, und man kann mit Computern und Kameras viele Sachen machen, die einen ablenken. Per Skype und I-Chat sind wir gut ausgerüstet, da kann man auch richtig was arbeiten.

SPOX: Sie führen eine Marketingagentur in Hamburg - und arbeiten hier vom Teamhotel in Südafrika weiter mit?

Jansen: Es ist jetzt nicht so, dass ich hier täglich drei oder vier Stunden am Computer arbeite. Aber ich halte mich auf dem Laufenden, lasse mir wichtige Dinge als E-Mail schicken, schau die durch und telefoniere mit meinen Mitarbeitern. Das mache ich, damit der Kopf ein bisschen frei ist.

SPOX: Die Vorrunde ist jetzt vorbei: Was hat Sie am meisten positiv überrascht bei dieser WM?

Jansen: Auffallend ist, dass viele Mannschaften sehr gute Leistungen gezeigt haben, die man überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Japan, Slowakei, selbst die ausgeschiedenen Algerier haben temporeichen Fußball gezeigt. Das sah sehr dynamisch und geschickt aus, von früher kannte man das gar nicht. Mit Argentinien als Favorit hatte ich allerdings gerechnet. Sie haben halt eine gute Mischung aus aggressiven Defensivspielern und sehr kreativen Stürmern. Wenn man sieht, wie sogar die Offensivspieler nach hinten arbeiten, dann weiß man, um was es für die geht.

SPOX: Die argentinische Defensive gilt doch als Schwachstelle, oder?

Jansen: Als sie im März gegen uns gespielt haben, habe ich davon nichts gemerkt. Klar, Veron spielte schon, als ich noch in Pampers herumlief. Aber der ist immer noch schnell und ein toller Spieler.

SPOX: Und im deutschen Team?

Jansen: Bei uns stimmt die mannschaftliche Geschlossenheit. Auch die Art und Weise, wie wir spielen. Die weiten Wege, die wir in diesem Turnier gehen. Wenn das so bleibt, können wir sehr stark sein.

SPOX: Was haben Sie gedacht, als das frühe WM-Aus von Italien klar war?

Jansen: Das war keine Überraschung.

SPOX: In dieser Gruppe?

Jansen: Es geht doch auch um Entwicklung, und da ist Italien stehengeblieben. Da geht es um Nachwuchsarbeit, um eine Liga, die funktionieren muss. Aber Italien spielt seit zehn Jahren fast mit derselben Mannschaft - irgendwann geht's dann halt nicht mehr.

SPOX: Bei der letzten WM waren Sie das Nesthäkchen, jetzt gehören Sie mit 24 Jahren schon zu den Älteren.

Jansen: Das ist wirklich komisch. Bei den letzten beiden Turnieren war ich jeweils der Jüngste, und plötzlich bin ich in der Mitte. Aber das ist ja, was passieren muss: Es darf nie passieren, dass einer in meinem Alter der Jüngste ist. Dann würde ja keine Entwicklung stattfinden. Du brauchst doch neue Spiele, es geht doch weiter.

SPOX: Ist die Mannschaft vielleicht nicht doch zu jung?

Jansen: Nein, außerdem kann niemand dafür, dass erfahrene Spieler aus Verletzungsgründen ausgefallen sind. Dann muss man das so nehmen, wie es kommt. Bei uns stimmt einfach die Entwicklung: Wir haben eine tolle Mannschaft, wir haben eine tolle Jugendarbeit, ein tolles System. Klar kann in einer Phase, wo sich viele noch finden müssen, auch mal etwas in die Hose gehen. Aber das soll man nicht anprangern. Schauen Sie mal nach unten: Wann sind deutsche Jugendmannschaften schon einmal in Serie mit Titeln nach Hause gekommen?

SPOX: Die A-Mannschaft darf aber auch was gewinnen.

Jansen: Wir sind ja auch immer oben dabei. Und der Respekt uns gegenüber ist da. Das hören wir ja schon in unseren Vereinen von den Spielern aus anderen Nationen. Aber ganz oben ist es halt sehr eng, und man braucht manchmal auch ein bisschen Glück.

Deutschland vor dem Achtelfinale: Die Formkurve spricht für England

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung