Mittwoch, 19.05.2010

DFB-Team

Joachim Löw sucht den WM-Kapitän

Joachim Löw hält sich bei der Frage nach dem neuen Kapitän der Nationalmannschaft bedeckt. Die meisten Experten sprechen sich für Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger aus.

Jogi Löw (l.) hat noch keinen neuen Kapitän für die DFB-Elf bestimmt
© sid
Jogi Löw (l.) hat noch keinen neuen Kapitän für die DFB-Elf bestimmt

Bayern-Coach Louis van Gaal favorisiert Philipp Lahm, Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg fordert Bastian Schweinsteiger - nur von Miroslav Klose spricht bei der Suche nach einem neuen DFB-Kapitän bislang niemand.

"Die Position des Kapitäns ist ohnehin überbewertet, nicht ein Spieler ist gefragt, sondern mehrere", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, der sich wie auch Bundestrainer Joachim Löw in der K-Frage weiter bedeckt hält.

Dabei ist Klose nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Michael Ballack mit 94 Länderspielen erfahrenster Nationalspieler im WM-Aufgebot. Zudem ist der Angreifer vom Champions-League-Finalisten Bayern München stellvertretender Kapitän und ältester Feldspieler.

Von diesen Kriterien hält der frühere Nationalspieler Effenberg allerdings nichts. "Dieses System sollte der DFB kippen, das ist doch veraltet. Es geht doch nicht nach der Anzahl der Länderspiele, sondern danach, was für eine Persönlichkeit ein Spieler ist, wie er mit dem Trainerstab, den Mitspielern und den Medien umgehen kann", sagte Effenberg der "AZ".

Effenberg hält Schweinsteiger für optimale Lösung

Diese Aufgabe traut Effenberg dem Münchner Angreifer Klose, der in dieser Bundesliga-Saison nicht über die Reservistenrolle hinausgekommen war, offenbar nicht zu. Viel mehr soll es Bastian Schweinsteiger richten, der als zentraler Mittelfeldspieler auch mehr Einfluss auf die Achsen zwischen Abwehr und Angriff hat.

"Für mich muss Bastian Kapitän werden. Bastian ist mit 25 Jahren zwar noch relativ jung, er hat aber die Erfahrung und agiert im Zentrum des Spiels - das zählt", sagte Effenberg.

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Derweil spricht sich Bayern-Trainer Louis van Gaal eindeutig für Außenverteidiger Philipp Lahm aus, der nach dem Ballack-Ausfall auch eine echte Alternative für die defensive Mittelfeldposition ist. "Lahm ist ein sehr guter Kapitän, er kann eine Mannschaft führen. Er hat seine eigene Meinung - und er spielt immer. Das ist wichtig", sagte van Gaal. Lahm selbst zeigte sich nicht abgeneigt, bei der WM die vorübergehende Nachfolge von DFB-Kapitän Ballack zu übernehmen. "Wenn man mich fragt, sage ich nicht nein", sagte Lahm.

Von der K-Frage nicht in die Enge treiben lassen will sich Schweinsteiger, der sich zunächst einmal darauf konzentrieren muss, sportlich die Lücke zu füllen, die durch Ballacks WM-Aus entstanden ist. "Ich mache mir deshalb jetzt nicht noch mehr Druck. Ich konzentriere mich auf mein Spiel und bin überzeugt, dass wir auch ohne Ballack eine gute WM spielen werden", sagte Schweinsteiger.

Löw spielt weiterhin auf Zeit

Bundestrainer Joachim Löw spielt auf der Suche nach dem WM-Kapitän wie auch in der Torwart-Frage mit dem Faktor Zeit. "Das kann und will ich jetzt nicht beantworten. Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagte Löw im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft auf Sizilien.

Bierhoff und Löw arbeiten auf der Ferieninsel derzeit mit allen Tricks, um der Mannschaft einzutrichtern, dass das Spiel der DFB-Auswahl nicht von einem Kapitän abhängt. So wurde am Dienstag dank der Unterstützung eines Sponsors Jonah Lomu nach Sciacca eingeflogen.

Der Neuseeländer war einst der beste Rugby-Spieler der Welt und für die All Blacks nie zu ersetzen. Und der 35-Jährige hatte offenbar genau die richtige Ansage an das DFB-Team im Gepäck.

"Jonah Lomu hat berichtet, dass sein Team kurz vor einer WM mal Kapitän und Vizekapitän verloren hat", sagte Bierhoff. Die Botschaft ist eindeutig - es geht auch ohne den Capitano.

Ballacks WM-Aus und die Folgen: Das große Vakuum


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