Außen schwach, Zentrale stark

Von Stefan Rommel
Samstag, 29.05.2010 | 22:08 Uhr
Sami Khedira (2.v.l.) und Mesut Özil (3.v.l.) lieferten besonders im ersten Abschnitt eine gute Partie ab
© Getty
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Die deutsche Nationalmannschaft hat das vorletzte Testspiel vor der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gewonnen. Das Team von Joachim Löw siegte knapp zwei Wochen vor dem ersten Gruppenspiel gegen Australien gegen Ungarn mit 3:0 (1:0).

Gegen schwache Gastgeber hatte Deutschland zu keinem Zeitpunkt der Partie Probleme und hätte deutlich höher gewinnen müssen. So reichten Tore durch Lukas Podolski (4., Elfmeter), Mario Gomez (69.) und Cacau (73.) zum nie gefährdeten Sieg.

Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik:

Manuel Neuer: In seinem ersten Spiel als Nummer eins wenig geprüft, dann aber immer auf dem Posten. Rettet einmal gegen den durchgebrochenen Torghelle weit vor seinem Tor. Ansonsten bei einigen scharfen Hereingaben sicher, wirkte auch sonst sehr aufmerksam. Note 2

Jerome Boateng: Ein allenfalls durchschnittlicher Auftritt. Boateng hatte auf rechts überraschend viel Platz, war aber im An- und Hinterlaufen in einigen Szenen zu zögerlich und hätte viel öfter mit Tempo bis zur Grundlinie durchlaufen können. Dazu mit einigen gröberen Problemen in der Rückwärtsbewegung mit dem flinken Dzsudzsak. Der Job des Rechtsverteidigers ist nicht seine Idealposition. Insgesamt kein Bewerbungsschreiben, drei Tage vor dem Ende der Nominierungsfrist. Note 4

Per Mertesacker: Gewohnt sicher in Stellungsspiel und in den Zweikämpfen gegen den kantigen und unbequemen Torghelle. Ein klassischer Mertesacker: Kaum zu sehen, unauffällig, aber jederzeit Herr der Lage. Note 3

Arne Friedrich: Durfte auf seiner Lieblingspositon ran und erledigte seine Aufgabe neben Abwehrchef Mertesacker ohne großes Aufhebens. Lief zwei Konter der Gastgeber gut ab, ansonsten ohne nennenswerte Aktion, defensiv wie offensiv. In der zweiten Hälfte mit einem überharten Einsteigen gegen Nemeth. Note 3

Heiko Westermann: Auf der ungewohnten linken Verteidigerseite mit Steigerungspotenzial. Defensiv so gut wie nicht gefordert, offensiv aber ähnlich wie Boateng zu zaghaft und mit schwachen Hereingaben. Nutzte die großen Räume zu selten aus. Auch für ihn gilt: Die Planstelle als Außenverteidiger ist seine nicht zwingend. Note 4

Sami Khedira: Schon so etwas wie ein kleiner Ankurbler im deutschen Spiel, zeigte das, was sich der Bundestrainer von ihm erwartet. Viele Ballkontakte, gut auch in der Balleroberung. Ging immer wieder mit Zug in die Tiefe. Allerdings kam auch beim Stuttgarter nicht jeder Ball an, manch gut gemeinte Idee scheiterte an der sauberen Umsetzung. Trotzdem ein Auftritt, der Mut macht. Blieb in der Halbzeit mit leichten Oberschenkelproblemen vorsichtshalber in der Kabine. Note 2

Toni Kroos: Mit einigen sehr guten Szenen, vor allem dann, wenn er den Ball schnell und schnörkellos weiterspielte. Ergänzte sich recht gut mit Khedira, beide fädelten die Spielzüge immer wieder geschickt ein. In der zweiten Halbzeit ohne die helfenden Füße Khediras deutlich unauffälliger. In der 62. Minute war dann Schluss. Note 3

Piotr Trochowski: Begann stark, weil er sich auf die einfachen Dinge beschränkte. Danach verfiel er aber mehr und mehr in seinen übereifrigen Stil, wollte oft zu viel. Dribblings statt des einfachen Abspiels oder der Torabschluss statt der Flanke. Trochowskis Spiel haftet dann immer der Makel des übertriebenen Aktionismus an. In der zweiten Halbzeit bis zu seiner Auswechslung (62.) kaum mehr zu sehen. Note 3

Mesut Özil: Bis auf den Torabschluss ein ganz feines Spiel des Bremers. Immer anspielbar, mit einfachen, aber äußerst wirkungsvollen Pässen. Suchte oft den Doppelpass und fand dankbare Abnehmer in Khedira, Kroos oder Trochowski. Nur vor dem Tor nicht kalt genug. Scheiterte alleine in der ersten Halbzeit dreimal völlig frei vor dem starken Kiraly. Note 2

Lukas Podolski: Über seine Seite ging deutlich weniger als über rechts, was zum einen daran lag, dass Westermann sich in der Offensive etwas zu wenig zutraute; zum anderen daran, dass Podolski bisweilen zu früh in die Mitte zog, um sich die Bälle dort abzuholen. Tauchte in der zweiten Halbzeit wie die gesamte Mannschaft mehr und mehr ab. Note 3

Miroslav Klose: Ist einfach immer noch spritzig genug, im Abspiel fehlte es im Feintuning. Dazu fand er zum ansonsten durchaus ansehnlichen Kombinationsspiel kaum Bindung. Dem Münchener fehlen noch einige Prozent bis zur Normalform, auf ihn und Trainer Löw wartet noch jede Menge Arbeit bis zum WM-Auftakt. Note 4

Dennis Aogo: Der Hamburger durfte im defensiven Mittelfeld ran, konnte dort aber kaum Akzente setzen. An Aogo lief die Partie weitgehend vorbei. Seine Ecken waren etwas zu unpräzise. Note 4

Cacau: Hielt sich oft im gefährlichen Raum zwischen gegnerischem Mittelfeld und Abwehr auf und war so schwer zu greifen für die Gastgeber. Seine einzige echte Chance nutzte er eiskalt aus - das dritte Tor in den letzten beiden Länderspielen. Drängt sich immer mehr als echte Alternative auf. Note 2

Marko Marin: Kam in der 61. Minute erst ins Spiel - aber wie: Starker Antritt und präzises Abspiel vor dem 0:2 durch Gomez. Auch sonst quirlig und spritzig und von der ungarischen Deckung nur schwer zu bremsen. Beherzte Vorstellung. Note 2

Mario Gomez: Eigentlich machte er das starke Zuspiel Marins mit einer schlampigen Ballannahme schon zunichte, hatte aber Glück, dass Kiraly nur halbherzig zum Ball ging und traf so endlich mal wieder ins Tor. Immerhin wieder deutlich wuchtiger im Antritt und mit einer besseren Körpersprache als zuletzt. Note 3

Marcell Jansen: Eigentlich wollte ihn der Bundestrainer eine Halbzeit lang testen. Von seiner abgeklungenen Verletzung war nicht mehr viel zu sehen, so richtig aggressiv und energisch war Jansen aber auch nicht. Hatte immerhin noch eine schöne Szene bei einem Seitfallzieher. Aber ob das für die WM-Nominierung reicht? Note 3

Holger Badstuber: Kam nach 71 Minuten zu seinem Länderspieldebüt und durfte gleich in der Innenverteidigung neben Mertesacker ran. Ohne großen Fehler, aber auch ohne Akzente und ohne Bewertung.

Ungarn - Deutschland: Zur Analyse

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