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BVB gegen Legia mit historischem Schützenfest

Dienstag, 22.11.2016 | 22:40 Uhr
Shinji Kagawa erzielte seinen ersten Doppelpack in der Champions League
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Borussia Dortmund hat in der Gruppenphase der Champions League den vierten Sieg gefeiert. In einem wilden Schlagabtausch gab es gegen Legia Warschau ein 8:4 (5:2). Die Borussia erzielte nach einem Rückstand innerhalb von 16 Minuten fünf Tore und stellte somit einen neuen Rekord in der Königsklasse auf.

Vor 55.094 Zuschauern im Signal Iduna Park entwickelte sich vor allem im ersten Durchgang eine vogelwilde Partie. Zunächst schockte Aleksandar Prijovic (10.) den BVB und brachte Warschau mit 1:0 in Front. Doch Dortmund kam zurück - und wie!

Innerhalb von 16 Minuten erzielten die Schwarzgelben durch Shinji Kagawa (17./18.), Nuri Sahin (20.), Ousmane Dembele (29.) und Marco Reus (32.), der erstmals nach dem Pokalfinale wieder ein Pflichtspiel bestritt, fünf Tore. Lediglich Prijovic (24.) stemmte sich zwischenzeitlich gegen den Dortmunder Sturmlauf.

Auch nach der Pause wurde es nicht wirklich ruhiger. Rückkehrer Reus (52.) und Felix Passlack (81.), der nun mit 18 Jahren und 177 Tagen der jüngste deutsche Torschütze in der Königsklasse ist und Julian Draxler ablöst, trafen für den BVB, Michal Kucharczyk (57.) und Nemanja Nikolic (83.) für Warschau. Der Endstand fiel durch ein Eigentor von Jakub Rzezniczak (90.+2). Noch nie fielen in der Königsklasse so viele Tore in einem Spiel (bisheriger Rekord: 8:3-Sieg von Monaco gegen Deportivo La Coruna).

Der BVB erzielte in der laufenden Gruppenphase somit seine Treffer 12 bis 20 und überbot den Rekord von Real Madrid, das in der Gruppenphase 2011/12 16 Treffer an den ersten 5 Spieltagen erzielte.

Dortmund war bereits vor dem Spiel für das Achtelfinale qualifiziert. Im abschließenden Spiel geht es am 7. Dezember im direkten Duell mit Real Madrid (2:1-Sieg gegen Sporting) um den Gruppensieg.

Die Reaktionen:

Thomas Tuchel (Trainer Dortmund): "Ich habe so etwas auch noch nicht erlebt. Es ist meine erste Champions-League-Saison. Das ist schwer zu analysieren. Wir haben deutlich Luft nach oben im individuellen Zweikampfverhalten und im Absichern von Kontern. Im Endeffekt haben wir es trotzdem geschafft, dass Spiel sehr klar zu gewinnen. Ich weiß nicht, ob man diesem Spiel mit diesem Ergebnis so sachlich begegnen kann. Die eklatanten Fehler müssen wir aber auf jeden Fall ansprechen. Aber ich kann heute auf jeden Fall wunderbar schlafen."

Marco Reus (Dortmund): "Das war heute ein wichtiger Schritt für mich. Natürlich fehlen mir noch ein paar Prozent, um einhundert Prozent fit zu sein. Aber die Einsätze tun mir natürlich gut."

Roman Weidenfeller (Dortmund): "Die Offensive war sehr gut, aber es gibt auch Punkte über die wir nochmal sprechen sollten. Wir müssen ein anderes Verhalten in der Verteidigung an den Tag legen. Da muss man entsprechend aggressiv zur Sache gehen und die Räume schließen. Wir hätten keine vier Dinger fangen dürfen. Für mich ist es nicht angenehm, das hatte ich mir anders vorgestellt."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: BVB-Coach Tuchel wirbelt sein Team mächtig durcheinander: Im Vergleich zum 1:0-Erfolg gegen die Bayern gibt es gleich neun Änderungen. Von der Startelf gegen die Münchner sind nur Ginter und Bartra übrig. Das bedeutet auch, dass Reus sein Comeback feiert und Castro zu seinem 75. Einsatz im Europapokal kommt.

Auch Legia-Coach Magiera ändert seine Startformation im Vergleich zum 4:1-Erfolg gegen Jagiellonia auf vier Positionen. Für Keeper Malarz, Hlousek, Kazaishvili und Nikolic rücken Cierzniak, Czerwinski, Kucharczyk und Prijovic in die Startformation.

10., 0:1, Prijovic: Auf rechts setzt sich Odjidja-Ofoe gegen Bartra durch - wenn auch hart an der Grenze des Erlaubten. Anschließend findet er halbrechts im Strafraum Prijovic. Der Stürmer wird von Ginter nicht angegriffen. So kann Prijovic den Ball mit dem rechten Außenrist ins linke Eck schlenzen.

17., 1:1, Kagawa: Rode wird nahe der rechten Eckfahne angespielt, bedient Dembele halbrechts im Strafraum und der flankt gefühlvoll ans linke Fünfereck - wo Kagawa nur noch den Kopf hinhalten muss.

18., 2:1, Kagawa: Ginter gewinnt ein Kopfballduell an der Mittellinie und leitet sofort den Konter ein. Der Ball landet mittig bei Kagawa. Dieser spielt den Doppelpass mit Dembele und wird am Strafraum bedient. Von dort aus netzt Kagawa lässig ein. Zwischen beiden Toren liegen nur 77 Sekunden. Es ist der zweitschnellste Doppelpack in der CL-Geschichte - nur Bale war 2010 gegen Inter noch flotter.

20., 3:1, Sahin: Reus mit dem Freistoß von links, im Fünfer will Keeper Cierzniak fausten, drückt den Ball aber genau auf die Brust von Sahin - von wo aus das Leder dann ins Netz prallt. Es ist Sahins erster Treffer im 19. CL-Spiel.

24., 3:2, Prijovic: Beim BVB verteidigt niemand, Radovic kann Bereszynski auf rechts an die Grundlinie schicken, der legt zurück auf den am Elfmeterpunkt lauernden Prijovic - und der netzt cool und durch die Beine von Ginter unten links ein.

28.: Nach einem Ballverlust von Sahin landet die Kugel über die linke Seite bei Prijovic am Fünfer - und der trifft aus vier Metern mit seinem Lupfer die Latte!

29., 4:2, Dembele: Nur 45 Sekunden nach dem Lattentreffer der Gäste legt Dortmund wieder nach. Sahin schickt Reus auf links in den Strafraum, der legt zurück auf Dembele. Dieser lässt Czerwinski und Kopczynski mit einem Haken aussteigen und drückt aus 14 Metern ab. Links unten schlägt's ein.

32., 5:2, Reus: Legias Hintermannschaft löst sich komplett auf! Sahin schickt Kagwa links mit einem Lupfer in den Sechzehner, wo der Japaner sofort quer an den Fünfer legt. Dort muss Reus zu seinem Comebacktreffer nur den Fuß hinhalten.

52., 6:2, Reus: Dembele wird nach einem steilen Anspiel links im Sechzehner überhaupt nicht gestört und hat Platz, um den Ball perfekt diagonal an den Fünfer zu spielen - wo Reus seinem Bewacher mittig entwischt ist und aus fünf Metern ohne Probleme einnetzen kann.

57, 6:3, Kucharczyk: Radovic zieht im linken Mittelfeld das Tempo an, verwirrt Castro und Sahin mit einer Körpertäuschung und findet dann die perfekte Lücke für den Diagonalpass auf Kucharczyk - und der kann Roman Weidenfeller aus neun Metern halbrechter Position dann locker überlupfen und einnetzen.

81., 7:3, Passlack: Pulisic rennt auf rechts an zwei Mann vorbei, bevor er den Ball auf Höhe des Elfmeterpunkts quer legt. Schürrle zieht ab, doch Keeper Cierzniak kann den Ball abwehren - gegen den Abstauber-Kopfball von Passlack aus neun Metern hat er dann aber keine Chance mehr.

83., 7:4, Nikolic: Radovic steckt von halbrechts steil auf Nikolic durch, nachdem der sich an der Seitenlinie schon selber mit einem Hackentrick gegen Passlack befreit hatte - und aus 13 Metern netzt der eingewechselte Stürmer dann trocken ins lange Eck ein.

90.+2, 8:4, Rzezniczak: Aubameyang hält den Ball mittig am Strafraum und spitzelt diesen dann diagonal in den Lauf des rechts gestarteten Reus - der die Ruhe hat, das Leder aus spitzem Winkel durch die Beine des Keepers ins Netz zu schieben. Dabei profitiert er davon, dass Jakub Rzezniczak das Leder entscheidend abfälscht.

Fazit: Dortmund gewinnt ein mehr als vogelwildes Match deutlich. Offensiv eine Galavorstellung des BVB, die Defensive wirft jedoch große Fragen auf.

Der Star des Spiels: Marco Reus. Ein Comeback für die Geschichtsbücher! Im ersten Spiel nach seiner langen Verletzungspause erzielte der Dortmunder zwei Tore selbst, bereitete ein weiteres vor und zwang Jakub Rzezniczak ein Eigentor auf.

Der Flop des Spiels: Jakub Czerwinski. Exakt 17 Minuten war seine Leistung ordentlich. Danach ging's rapide bergab. Die Abwehr wurde zu einem Hühnerhaufen und er war maßgeblich daran beteiligt. War an fast allen BVB-Toren schuld bzw. mitschuld.

Der Schiedsrichter: Martin Strömbergsson (Schweden). Spielte sich in der ersten Halbzeit nicht künstlich in den Mittelpunkt und ließ dem Spektakel freien Lauf. Hatte auch im Anschluss wenig zu beanstanden, da beide Teams sehr fair agierten.

Das fiel auf:

  • Gleich auf neun Positionen veränderte Tuchel seine Startelf im Vergleich zum Bayern-Spiel. Mit Reus, Rode und Passlack standen drei Spieler in der Startelf, die zuletzt nicht einmal im Kader waren. Auch Kagawa und Sahin kehrten nach langer Pause wieder zurück. Letzterer agierte gemeinsam mit Castro auf der Doppelsechs. Rode spielte erstmals im BVB-Trikot rechts in der Viererkette.
  • Die zahlreichen Umstellungen waren den Dortmundern vor allem im Defensivverhalten deutlich anzumerken. Anders als zuletzt schaffte es der BVB nicht, die Räume eng zu machen und mit der nötigen Entschlossenheit in die Zweikämpfe zu gehen. Sowohl Bartra als auch Ginter sahen vor den Gegentoren jeweils nicht glücklich aus.
  • Warschau rührte vor allem in den ersten Minuten mächtig Beton an. Radovic und Kucharczyk rückten oft mit in die Abwehrreihe, sodass zeitweise ein 6-3-1-Bollwerk entstand. Dortmund spielte in der Anfangsphase zwar geduldig, verstrickte sich in den entscheidenden Aktionen zunächst allerdings in schlampig gespielten Einzelaktionen.
  • Nach der 1:0-Führung verlor Warschau defensiv jedoch völlig den Faden und ließ den Dortmundern viel, viel, viel zu viele Räume. Der BVB nutzte diese mit schnellem Tempofußball perfekt aus. Legia rannte nur noch hinterher und kam in kaum einen Zweikampf mehr.
  • Vor allem Dembele spielte neben Reus die Warschauer Hintermannschaft schwindelig. Immer wieder ging er stark ins Dribbling oder setzte mit scharfen Pässen seinen Mitspieler in Szene. Insgesamt bereitete er drei Hütten vor und traf selbst. Jünger als Dembele mit vier Torbeteiligungen war in der CL nur Wayne Rooney beim 6:2 von Manchester United gegen Fenerbahce im Jahr 2004.

Borussia Dortmund - Legia Warschau: Die Statistik zum Spiel

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