Nur noch "German", aber glücklich

Von Stefan Zieglmayer
Mittwoch, 18.10.2017 | 12:46 Uhr
Marko Marin trifft mit Olympiakos Piräus in der Champions League auf den FC Barcelona
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Marko Marin trifft am Mittwoch mit Olympiakos Piräus im Camp Nou auf den FC Barcelona (20.45 Uhr im LIVETICKER). Während sich manche an den Namen des 28-Jährigen kaum mehr erinnern, blieb er anderen Fans als gescheitertes Talent und Wandervogel im Gedächtnis. Wie kommt es, dass der ehemalige Bundesliga-Profi sich nun also mit Lionel Messi und Co. misst?

Beinahe neun Jahre ist es her, da kam Joachim Löw im FAZ-Interview nicht aus dem Schwärmen heraus. "Er hat herausragende Qualitäten in Eins-gegen-Eins-Situationen. Solche Spielertypen gibt es nicht allzu viele. Er hat etwas Besonderes." Adressat dieser Lobeshymnen war Marko Marin.

Damals präsentierte der Bundestrainer den vorläufigen EM-Kader. Mit Marin? Heute wäre dieses Szenario undenkbar. In jener Zeit wurde Marin eine glorreiche Karriere prophezeit. Der englische Independent verlieh dem Neuzugang vom FC Chelsea den Spitznamen "German Messi".

Den Vorschusslorbeeren wurde Marin nie gerecht. Er erlebte während seiner Zeit bei den Blues den sportlichen Sturzflug. Bei Chelsea sammelte der ehemalige Nationalspieler in der Premier League lediglich 142 Minuten Spielzeit. An seine erfolgreiche Zeit bei Werder Bremen konnte er nicht wieder anknüpfen. Der "German Messi" ist nur noch "German".

Zwar darf sich Marin mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber und Gold, dem U21-EM-Titel und zwei Europa-League-Trophäen (mit Chelsea 2013 und Sevilla 2014) schmücken, kam über seinen Ruf als Talent jedoch nie hinaus. So startete Marins Odyssee durch Europa.

Marko Marins Lei(h)denszeit bei Chelsea

Seine Lei(h)denszeit zählt vier Stationen: Sevilla, Florenz, Anderlecht und Trabzon. Verletzungspech warf den Dribbelkünstler in jeder Saison zurück. Immer wieder klagten seine Arbeitgeber im Anschluss über unzureichende Trainingsleistung. Bei Trabzonspor wurde er deswegen sogar suspendiert. Zuvor leistete sich Marin einen heftigen Streit mit Teamkollege Aykut Demir vor laufender Kamera - der Tiefpunkt war erreicht.

War der Weggang von der Weser ein Fehler? Der letzte Facebook-Kommentar unter Marins Werder-Abschieds-Post von 2012 fordert: "Komm wieder nach Bremen, wir vermissen dich." Nostalgisch zeigte sich Marin nie, er zog einfach weiter. Der offensive Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2016 zu seinem siebten Klub innerhalb von vier Jahren: Olympiakos Piräus.

Marin und Olympiakos: Liebe auf den ersten Blick?

In Griechenland fühlte sich Marin nach jahrelangen Strapazen wieder zuhause. "Jetzt habe ich das, was ich wollte. Ich spiele bei einem großen Klub und darf mich auf internationaler Bühne beweisen", sagte Marin über seinen Wechsel zu Olympiakos gegenüber Goal.

Wenige Wochen zuvor verzückte der gebürtige Bosnier die rund 20.000 Zuschauer im Stadio Georgios Karaiskakis bei seinem Debüt gegen PAE Veria. Marin wurde beim 6:1-Sieg mit zwei Assists zum Spieler des Spiels gekürt. Liebe auf den ersten Blick? Ein Trugschluss.

Auch in Piräus avancierte Marin schnell zum Rotationsspieler. Kleine Wehwehchen, keine Konstanz, starke Konkurrenz - die alte Leier holte Marin erneut ein. Die fehlende Effizienz sowie sein schmächtiger Körperbau ließen ihn in der Rotation hinter Konstantinos Fortounis fallen. Der ehemalige Lauterer, den Marin selbst als derzeit womöglich besten Griechen bezeichnet, bekam im Zentrum hinter den Spitzen den Vorzug.

Marins spielerische Fähigkeiten standen jedoch nie in Frage. Sein ehemaliger Mannschaftskollege bei Olympiakos, Keeper Nicola Leali, adelte den "magischen Zwerg" als "Piräus' Waffe Nummer eins". "Er ist ein schneller und technisch starker Dribbelkünstler", sagte Leali gegenüber Tuttosport.

Marin kommt in Piräus in Fahrt

Coach Besnik Hasi, mit dem Marin bereits zu seiner Zeit in Anderlecht zusammenarbeitete, vertraute auf die Qualitäten des Dribblers und setzte ihn vermehrt auf dem Flügel ein. Marin bekam mehr Spielzeit und entwickelte sich zum Teamplayer. Die einst von Löw attestierte "Frechheit auf dem Platz" ist nun zielgerichteter und in den Dienst der Mannschaft gestellt. "Ich bin ein Spieler, der seine Mitspieler um sich herum in Szene setzt", erklärte Marin auf dem klubeigenen YouTube-Channel.

Marin ist angekommen. In der aktuellen Spielzeit kam er bereits auf 738 Einsatzminuten - mehr als während seiner Aufenthalte in Florenz und Anderlecht zusammen. Auch mit dem neuen Coach Takis Lemonis, der Olympiakos aufgrund des schwachen Saisonstarts übernommen hat, machte Marin bereits gute Erfahrungen.

Er übernahm den Klub schon in der letzten sportlichen Krise und führte Piräus in der vergangenen Saison als Interimstrainer mit einem Schlussspurt (13 Punkte aus fünf Spielen) zum 44. Meistertitel. Marin blühte unter Lemonis auf und erzielte in diesen fünf Partien drei Treffer.

Marin steht vor einem Jubiläum im Camp Nou

Dank des Meistertitels stand "Olympiakos" auf einem der kleinen Zettelchen, mit denen letztlich die Partien der CL-Qualifikation ausgelost wurden. Als Krönung führte Marin Piräus durch seinen 1:0-Siegtreffer im Quali-Rückspiel gegen HNK Rijeka in die Königsklasse. "Wir wollen uns in jedem Spiel gut präsentieren. Dann werden wir sehen, für was es reicht", sagte der 28-Jährige im Anschluss.

In seinem ersten CL-Spiel gegen Tottenham Hotspur (2:2) gelang Marin direkt ein Treffer für Werder. Sieben Jahre und 34 Tage später stehen die Chancen auf Marins 50. Europapokal-Einsatz nicht schlecht.

Er hat nun tatsächlich wieder das, was er wollte. Er darf sich auf internationaler Bühne beweisen. Und messen kann er sich mit keinem Geringeren als Lionel Messi. Für einen Tag vielleicht auf Augenhöhe mit dem Spieler, in dessen Sphären ihn die englischen Gazetten bereits emporgehoben hatten.

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