Höchste Zeit abzuliefern

Von Max Schöngen
Mittwoch, 17.09.2014 | 14:09 Uhr
Gael Clichy und Samir Nasri wolllen endlich auch in der Königsklasse für Furore sorgen
© getty

Manchester City hat den europäischen Spitzenfußball in den vergangenen Jahren verändert, aber nicht geprägt. Trotz eines aberwitzigen Geldeinsatzes spielte der Klub aus dem Norden Englands auf der internationalen Bühne bislang keine Rolle. Als Mitfavoriten gelten die Sky Blues vor dieser Saison dennoch. Eine Rolle, mit der man sich abgefunden hat und der schon zum Auftakt gegen den FC Bayern München (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) gerecht werden will.

Rund sechs Jahre ist es nun her, dass ManCity mit der Verpflichtung von Robinho für einen Paukenschlag in der Fußballwelt sorgte. Für über 40 Millionen Euro wechselte der Brasilianer von Real Madrid zu den Himmelblauen.

Erst wenige Wochen zuvor war der Einstieg von Mansour bin Zayed al-Nahyan - besser bekannt als "der Scheich" - bei den Sky Blues bekannt geworden. Der Robinho-Deal war der Anfang einer aberwitzigen Einkaufstour durch Europa. Aus einem Verein, der in seiner Historie stets im Schatten des übermächtigen Stadtrivalen stand, wurde mit einem Schlag einer der finanziell potentesten Klubs der Welt, die Geldvernichtungsmaschine ManCity war in Gang gesetzt.

Selbst Roman Abrwamowitsch und den FC Chelsea stellten die Investitionen in den Schatten. Zum Vergleich: Das Gesamtvermögen des Russen wird auf rund 15 Milliarden geschätzt, das der Scheich-Familie auf 160 Milliarden.

Erfolg nur auf der Insel

Die damaligen Befürchtungen der alteingesessenen Vereine haben sich bewahrheitet, zumindest bedingt. Zumindest in der Premier League. Zwei Meisterschaften sind der Scheich-Ära bislang entsprungen, auch in diesem Jahr geht der Titel nur über die die Mannschaft von Manuel Pellegrini.

Das Festland hat die Dominanz des amtierenden englischen Meisters aber noch nicht erreicht. Umso größer auch der Wunsch und das Verlangen nach Erfolgen auf internationaler Ebene. ManCity und der europäische Wettbewerb, ein Stachel der tief sitzt im Fleisch der Citizens, ein Kapitel das schleunigst umgeschrieben werden soll - zu einem erfolgreichen.

CL-Power-Ranking: Wo rangiert Manchester City?

Immer diese Auslosung

Seit Oktober 2012 leitet Txiki Begiristain als Sportdirektor zusammen mit Ferran Soriano die Geschicke bei Manchester City. Neben rein sportlichen Belangen werden Begiristain auch repräsentative Termine zu Teil, die Auslosung der Champions-League-Gruppenphase zum Beispiel zählt hierzu.

Der einstige Barca-Spieler ist dann zu Gast im noblen Grimaldi-Forum in Monaco und verfolgt dort die Zeremonie, um im Anschluss vor Journalisten eine erste Einschätzung über Gruppe und Gegner zu treffen. Wie schon im vergangenen Jahr standen am Ende der FC Bayern und ZSKA Moskau auf dem Notizblock des Spaniers, hinzu kam nun auch noch die Roma.

Aus Sicht der Citizens eher eine Blaupause der Konstellationen vergangener Jahre, als man bei der Auslosung nicht gerade von einer Glücksfee geküsst wurde. Angesichts der Kaderstärke aber wäre nichts weniger angebracht, als darin eine Ausrede zu suchen. Dessen war sich auch Begiristain bewusst.

Ausreden zählen nicht

Von einer schweren Gruppe sprach Txiki, wie er landläufig genannt wird, wahrscheinlich sogar von der schwersten. Aber, so der Tenor des Basken, man wolle sich verbessern gegenüber der Vorsaison.

Keine Aussagen, mit denen man sich auf allzu viel Glatteis begibt. Eine schwere Gruppe hat in der Champions League gefühlt jede Mannschaft, glaubt man zumindest deren Sportdirektoren, schließlich gibt es ja diese leichten Gegner von einst nicht mehr.

Auch das Vorhaben, sich im Vergleich zur Vorsaison verbessern zu wollen, riss so richtig keinen Journalisten vom Hocker, vor allem nicht, wenn man Manchester City heißt.

Um sich aber nicht ausschließlich in Plattitüden zu verlieren, fügte er hinzu, dass man neben den Bayern der klare Favorit ist und alles andere als ein Weiterkommen eine herbe Enttäuschung wäre, dennoch sei es die Champions League und die werde ihrem Namen eben dahingehend auch gerecht, dass dort die besten Mannschaften Europas spielen.

Vergangenheit lehrt Demut

Das alte Spiel also, der Spagat sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, gleichzeitig aber auch nicht in Tiefstapelei zu verfallen.

Gerade bei Manchester City hat man in der Vergangenheit zu spüren bekommen, was es bedeutet als Mitfavorit gehandelt zu werden, um dann im Anschluss auf die kläglichste aller Arten zu scheitern. Einen Hauch von Demut hielt der Baske daher für angebracht und verwies auf die unschöne Vergangenheit, in der man auf internationaler Ebene den Erwartungen nicht im Ansatz gerecht geworden und den Beweis jeglicher internationalen Tauglichkeit schuldig geblieben war.

Im Schatten von United gescheitert

Vor drei Jahren, zur Saison 2011/2012, hatte man sich erstmals für die Champions League qualifiziert und durfte sich aufgrund des Kaders durchaus auch Hoffnungen auf mehr machen, auf wesentlich mehr. Nicht wenige trauten dem Team damals gar den ganz großen Wurf zu, "Silverware" war das ausgegebene Ziel und zwar so viel wie möglich.

Entsprechend groß war die Ernüchterung, als man sich bereits nach der Vorrunde aus der Champions League verabschiedet hatte. Trotz einem 2:0-Sieg im abschließenden Gruppenspiel gegen den FC Bayern reichte es nicht zum Weiterkommen in die K.o.-Runde.

Jedoch konnten sich die damaligen Verantwortlichen im Etihad Stadium ohne Zweifel glücklich schätzen über die Begleitumstände des Ausscheidens. Da wäre zum einen die Tatsache, dass es im besagten Jahr auch den verhassten Stadtrivalen bereits in der Vorrunde erwischt hatte, als Vorjahresfinalist ohne Frage eine weitaus größere Blamage als die der Citizens. Zum anderen hatte man ja auch schon damals mit dem FC Bayern und dem SSC Neapel ein denkbar schweres Los bekommen. Dass am Ende der Saison die erste Premier-League-Meisterschaft seit 1968 verbucht wurde, versöhnte die Fans vollends.

Seite 1: Fehlende Küsse und ein zu großer Schatten

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