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Kevin Großkreutz gegen Marseille bester Dortmunder

Transformation abgeschlossen

Mittwoch, 02.10.2013 | 09:29 Uhr
Macht den Ausfall von Lukasz Piszczek vergessen: Kevin Großkreutz spielt derzeit konstant stark
© getty
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Beim 3:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Olympique Marseille legte Kevin Großkreutz sein Meisterstück auf der Position des Rechtsverteidigers ab. Die Position eröffnet ihm neue Perspektiven beim BVB - auch in der Nationalmannschaft?

Für den Moment ist es unerheblich, was in der Rückrunde passieren wird. Erst dann wird bei Borussia Dortmund aller Voraussicht nach der verletzte Lukasz Piszczek zurückkehren. Und während man vor ein paar Monaten noch diskutierte, wie der BVB den Verlust des Polen kompensieren soll, ohne auf dem Transfermarkt einen entsprechenden Ersatz zu verpflichten, könnte im Januar bereits die Frage lauten, welcher der vier Dortmunder Rechtsverteidiger denn künftig auflaufen wird.

Umschüler Erik Durm, der eigentliche Innenverteidiger Sokratis, Piszczek selbst - oder doch weiterhin Kevin Großkreutz? Geht es nach den aktuellen Eindrücken, muss sich ein fitter Piszczek durchaus strecken, um ohne Umschweife wieder den Weg in die erste Elf zu finden. Das hätte allerdings auch sein Gutes: So könnte der Pole ohne Druck wieder aufgebaut und erst dann von der Leine gelassen werden, wenn er auch eine direkte Hilfe darstellt. Doch das ist mittlerweile auch Großkreutz, der am Dienstagabend beim 3:0-Erfolg über Marseille sein Meisterstück auf der Position des Rechtsverteidigers ablieferte.

Große taktische Reife

Nicht erst durch die Krönung, am 34. Spieltag der Vorsaison sogar kurzzeitig zwischen den Pfosten gestanden zu haben, wird Großkreutz seinen Ruf als Allrounder vor dem Herren wohl nicht mehr so schnell los. Es gibt in der Tat nur ganz wenige Bundesligaspieler, die so vielseitig einsetzbar sind wie der gebürtige Dortmunder, der die unterschiedlichen Positionen vor allem auch dank einer ausgeprägten taktischen Reife so schnell so sicher bekleidet.

Großkreutz half auch in dieser Saison zwar bereits wieder im defensiven Mittelfeld aus (beim 1:1 in Nürnberg), doch der 25-Jährige ist mittlerweile rechts in der Viererkette von Spiel zu Spiel stabiler und selbstbewusster geworden.

"Man darf dort keine Fehler machen", sagte Großkreutz während der Saisonvorbereitung zu SPOX - und wie selbstverständlich macht er jetzt auch keine.

Großkreutz beweist feines Gespür

Die Vorstellung gegen Marseille war nach dem Auftritt vor drei Tagen beim 5:0 gegen Freiburg sein bisher imposantestes Spiel als Dortmunder Rechtsverteidiger und schloss sozusagen die Transformation zum Außenverteidiger ab. Großkreutz überzeugte neben seinen "Grundeigenschaften" Laufstärke und Kampfgeist durch ein feines Gespür für die jeweilige Spielsituation und schaffte es gewissermaßen in Piszczek-Manier, als hochstehender Außenverteidiger über einen gut getimten Gegenpressing-Impuls die Offensivbemühungen sinnvoll und mit ausreichend Tempo anzukurbeln.

Damit sind auch gleich die Eigenschaften skizziert, die ein Außenverteidiger im Offensivfußball von Jürgen Klopp mitzubringen hat. Zudem gelingt es Großkreutz nun immer besser, die für ihn als gelerntem Mittelfeldspieler veränderten Abläufe im Defensivverhalten zu verinnerlichen. Als Außenverteidiger befinden sich mehr Spieler vor als hinter einem, so dass man im Spiel gegen den Ball ein Gefühl für den Raum im eigenen Rücken entwickeln muss. Großkreutz' Darbietungen kamen diesem Ideal zuletzt näher, er verschiebt klug mit der Kette, blockiert die Innenbahn - oder knallt die Kugel in aussichtslosen Situationen auch eben einfach mal in die Zuschauer.

Dass Großkreutz unter den neuen Voraussetzungen direkt eine solche Hilfe darstellt, war vor Saisonstart nicht unbedingt zu erwarten. Bekommt er auf diesem Niveau im weiteren Saisonverlauf Konstanz in seine Leistungen, eröffnen sich für ihn persönlich auch andere Perspektiven.

Transformation eröffnet neue Chance

An die hohe Leistungsdichte des Dortmunder offensiven Mittelfelds wird Großkreutz langfristig nicht mehr heranreichen können. Ein Stammplatz auf der linken Außenbahn wie in seinen ersten Jahren beim BVB scheint mittlerweile weit entfernt. Der Platz neben Piszczek ist dagegen frei. Der Pole war die letzten Spielzeiten konkurrenzlos auf seiner Position, an einer qualitativ hochwertigen Rotationsmöglichkeit wäre sicher auch Klopp interessiert. Großkreutz hat derzeit die Chance, sich als Außenverteidiger, der auch mal eine Linie weiter vorne ackern kann, quasi neu zu erfinden.

Das könnte wiederum langfristig seiner Karriere behilflich sein. Außenverteidiger-Athleten seiner Qualität sind rar gesät und gefragt. Nicht nur beim BVB, möglicherweise auch in der deutschen Nationalmannschaft.

"Natürlich ist es ein Ziel, wieder das Nationaltrikot zu tragen. Dazu muss ich allerdings meine Leistungen im Verein bringen", sagt der dreifache Nationalspieler lapidar in der ihm eigenen Nüchternheit.

Tür fürs DFB-Team offen

Sollte Bundestrainer Joachim Löw seine Gedankenspiele mit Philipp Lahm als möglichem Mittelfeldspieler in die Tat umsetzen, stünde die Tür für Großkreutz wieder ein deutliches Stück weiter offen. Doch auch wenn Lahm seine gewohnte Rolle beibehält, den idealen Backup für den DFB-Kapitän hat auch Löw bislang noch nicht finden können. Kandidaten wie Benedikt Höwedes und Jerome Boateng sind grundsätzlich der Innenverteidigung zuzuordnen - Großkreutz nicht.

"Als Rechtsverteidiger muss man ja häufig Einwürfe machen. Aber am Anfang konnte er den Ball gerade einmal 3,50 Meter weit werfen. Jetzt wirft er viel weiter, weil er viel im Kraft- und Stabilisationsbereich gemacht hat. Kevin macht eine tolle Entwicklung durch", sagte Klopp am Wochenende.

Voraussetzung für mögliche Karrieresprünge bleibt jedoch das Wissen darum, dass die Transformation nur eine Facette unterschiedlicher Entwicklungsstadien ist. Großkreutz muss nun am Ball bleiben und beweisen, dass er seinen Schwung weiter mitnehmen kann. Und irgendwie dürfte das für einen wie ihn auch nicht vollkommen unmöglich sein.

Dortmund - Marseille: Daten zum Spiel

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