Dortmunder Innenverteidiger im Fokus

Felipe Santana: Veränderung im Stillstand

Von Für SPOX in Malaga: Jochen Tittmar
Dienstag, 02.04.2013 | 16:32 Uhr
Felipe Santana spielt seit dem Amtsantritt von Jürgen Klopp 2008 bei Borussia Dortmund
© getty
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Felipe Santana verzeichnet seit der Bundesligapartie in Stuttgart unter den drei etablierten Innenverteidigern bei Borussia Dortmund die meisten Einsätze in der Rückrunde. Auch das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League beim FC Malaga (Mi., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) wird Santana absolvieren, dennoch ist und bleibt der Brasilianer die Nummer drei in der Hierarchie beim BVB. Vieles deutet darauf hin, dass er die Borussia nach Saisonende verlassen wird.

Wenn man sich in Fußball-Deutschland über Felipe Santana unterhält, tritt ausschließlich Positives zu Tage. Häufig wird er als Spieler beschrieben, dessen Professionalität nie unter seiner Reservistenrolle bei Borussia Dortmund gelitten habe - und der punktgenau Leistung bringt und da ist, wenn man ihn braucht. Je näher man der Stadt Dortmund kommt, desto häufiger mischen sich Kategorien wie Bedauern oder gar Mitleid unter die Beschreibungen.

Das Empfinden rund um Dortmund würde sich jedoch wohl schlagartig ändern, sollte sich Santana nach der Saison dem FC Schalke 04 anschließen. Vor ein paar Wochen lief die Meldung über den Äther, dass der Erzrivale des BVB den Innenverteidiger verpflichten wolle.

59 von 163 BL-Spielen von Anfang an

Diese Episode birgt nicht nur Brisanz, sondern verdeutlicht auch Santanas Stellenwert - innerhalb der Bundesliga und auch bei der Borussia.

Santana spielt nun seine fünfte Saison. Von 163 möglichen Bundesligapartien hat er 89 absolviert, 59 davon von Beginn an. Waren es in seiner Premieren-Spielzeit 2008/2009 noch 21 Startelfeinsätze, sahen in den Jahren darauf die Zahlen so aus: 13, 5, 10.

In Stuttgart stand Santana zum zehnten Mal in dieser Saison auf dem Feld, wenn der Anpfiff ertönte. Die sportliche Situation des 27-Jährigen befindet sich in einem Stillstand, bei dem es dennoch leichte Ausschläge nach oben und unten gibt.

Gentlemen's Agreement zwischen Santana und BVB

Seit dem vergangenen Wochenende hat Santana mehr Rückrundenspiele im Oberhaus absolviert als seine uneinholbaren Konkurrenten Mats Hummels und Neven Subotic. Das liegt aber eben nicht daran, dass sich die Hierarchie im Abwehrzentrum verschoben hätte. Erst Subotic und jetzt Hummels waren bzw. sind verhindert da verletzt. Nur dann, das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre längst bewiesen, darf Santana spielen. Sind die beiden anderen fit, sitzt Santana auf der Bank.

Keine wahrhaft neue Erkenntnis, aber eine, die nach seiner beinahe schon überraschenden Vertragsverlängerung bis 2014 nach Ende der Vorsaison mittlerweile eine Endgültigkeit angenommen hat, die es schwer vorstellbar macht, dass Santana auch am 1. Juli noch Angestellter bei Borussia Dortmund sein wird.

Wie er bereits im SPOX-Interview vor Saisonstart erklärte, gibt es eine Art Gentlemen's Agreement zwischen Santana und dem Verein. Die alleinige Entscheidungsgewalt liegt dabei bei ihm. Er kann den Verein nach Saisonende verlassen, wenn es ihm beliebt. Dem Vernehmen nach müsste ein neuer Arbeitgeber weniger als zwei Millionen Euro Ablöse auf den Tisch legen.

"Es gibt viele Vereine, die Interesse haben"

Es scheint sicher, dass Santana eine neue Herausforderung annehmen wird. Neben seiner Rolle als Lückenbüßer beim BVB liegen die Gründe auf der Hand: Er träumt von einer Berufung in die brasilianische Nationalmannschaft, muss dafür mit seinen 27 Jahren häufiger und regelmäßiger spielen und ist bei zahlreichen Vereinen nicht nur aus der Bundesliga begehrt, da er in der Regel einen äußerst zuverlässigen Job abliefert.

"Es gibt viele Vereine, die Interesse haben", bestätigt sein Berater Volker Struth. "Im Moment ist er BVB-Spieler und wir führen keine Gespräche."

Die erstaunliche Schnelligkeit, mit der der ohne Spielpraxis ausgestattete Motorradliebhaber gerade in den beiden Meisterjahren zu seinem Spielrhythmus fand, konnte er in der aktuellen Saison aber nicht halten. Das ist im Stillstand seiner Lage der seichte Ausschlag nach unten.

Santana als Sicherheitsrisiko

Seine berechtigte Hoffnung auf mehr Rotation blieb aus, nach zehn Spieltagen wies der Minutenzähler die Zahl 53 aus - erreicht als Einwechselspieler. Ab dem 16. Spieltag kamen elf Startelfeinsätze in Pflichtspielen hinzu, doch Santana ließ die zuvor so bemerkenswerte Konstanz in seinen Leistungen vermissen. Vielmehr noch: Erstmals wurden seine Auftritte mit dem Fazit "Sicherheitsrisiko" besprochen.

Das mag zu viel des Guten gewesen sein, wenn man bedenkt, dass Santana ständig den Kaltstart hinlegen muss und in ein oder zwei in Folge absolvierten Partien nicht bereits automatisch ein Rädchen ins andere greift. Jedoch muss man festhalten, dass Santana lediglich drei überzeugende Spiele ablieferte (in Bremen, das Rückspiel gegen Donezk sowie gegen Freiburg), während ihm die restlichen Auftritte erhebliche Probleme bereiteten.

Da waren Mängel in der Spieleröffnung und Probleme bei der Ballannahme sowie im Stellungsspiel zu sehen, aus denen eine Nervosität in Santanas Spiel resultierte, die in Abwesenheit von "Aufbauhelfer" Hummels stark ins Kontor schlug. "Eher die Spielpraxis. Und vielleicht das Selbstvertrauen", entgegnete Santana auf die Frage nach seinen Problemfeldern.

Eine Entwicklung, die stillsteht

Wenn die Sicherheit fehlt, bringt im ersten Moment auch die Spielpraxis nichts. Doch beide Faktoren bedingen sich andererseits, so dass zu beobachten war, wie in den vergangenen drei Partien die Selbstverständlichkeit wieder zurückkam.

Man muss wahrlich kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass auch dieser Aufschwung nicht dazu beitragen wird, das Pärchen Hummels und Subotic zu sprengen. Sobald Hummels grünes Licht gibt, sitzt Santana wieder draußen. Und im Dortmunder Einzugsgebiet wird der eine oder andere wieder Mitleid haben.

Den Vereinen, die mit einer Anstellung Santanas liebäugeln, wird die letztlich stillstehende Entwicklung seiner Situation in der aktuellen Spielzeit egal sein. Eher dürfte man dort zufrieden sein, dass sich nichts Grundlegendes verändert hat.

Felipe Santana im Steckbrief

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