Donnerstag, 20.05.2010

Champions League

Mourinho vergiftet die Stimmung

Vor dem Champions-League-Finale gegen Bayern München hat Inter Mailands Trainer Jose Mourinho die Stimmung mit seinen Wechselabsichten zu Real Madrid deutlich angeheitzt.

Inter Trainer Jose Mourinho heizt vor dem Endspiel die Stimmung an
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Inter Trainer Jose Mourinho heizt vor dem Endspiel die Stimmung an

Mailand oder Madrid? Jose Mourinho hat die Antwort längst gegeben: Hauptsache Spanien! Der Star-Trainer von Inter Mailand biedert sich seit Wochen öffentlich bei Real Madrid an und hat damit die Stimmung in Italien vor dem "wichtigsten Spiel der Welt" (Mourinho) vergiftet. Am Samstagabend kämpft er im Champions-League-Finale deshalb auch um seinen Ruf. Triple oder Trottel - eine Niederlage würde Mourinho in Mailand nicht so einfach verziehen.

Nicht nur die italienische, besonders auch die spanische Presse ist in Aufruhr. Bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Ankunft in Madrid wurde Mourinho deshalb ordentlich ins Kreuzverhör genommen. "Es ist nicht wahr, dass ich bereits der Trainer von Real Madrid bin", versicherte er. "Aber ich will Real trainieren - bald, einhundertprozentig. Wer Real nicht trainiert hat, hat ein Loch in seiner Karriere. Nur für Madrid würde ich Inter verlassen."

"Champions-League-Endspiel wichtiger als ein WM-Finale"

Irgendwann kam er dann auch einmal aufs Duell mit Bayern München zu sprechen. "Das Champions-League-Endspiel ist wichtiger als ein WM-Finale", sagte Mourinho. "Die Inter-Tifosi warten auf dieses Match seit vielen Jahren." Deshalb werde es in Madrid "viel Bier und viel Freude" geben. Drei Tage später soll die Entscheidung über seine Zukunft fallen.

Massimo Moratti, allmächtiger Klubbesitzer und Präsident, hat die Hoffnung, Mourinho halten zu können, aufgegeben: "Es wäre eine Überraschung, wenn er bei uns bleibt. Ich rechne mit einer anderen Entscheidung. Leider."

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Mit dem Eklat nach dem 18. Meistertitel am vergangenen Wochenende hatte Mourinho Öl ins Feuer gegossen. Ganz Italien diskutiert, ob der Riss zwischen Mannschaft und Trainer noch zu kitten ist, nachdem der 47-Jährige die Feier geschwänzt hatte und nicht auf dem offiziellen Siegerfoto erschien. Die Aussage, er habe sich in Mailand nie richtig wohl gefühlt, hat die stolzen Italiener tief getroffen.

Auf einer Pressekonferenz im Estadio Santiago Bernabeu, das wahrscheinlich seine neue Arbeitsstätte wird, legte Mourinho nochmal nach. "Für mich ist es keine Frage des Vertrags oder des Geldes, aber eine Frage der persönlichen Zufriedenheit", sagte er. In Madrid hört man das gerne. Denn hier ist Mourinho, der mit dem FC Porto die Königsklasse bereits gewonnen hat, ein Held, weil er dem FC Barcelona den Weg ins Finale versperrt hat.

Auch gegen Bayern setzt Mourinho auf die Defensive

Sollte Mourinho demnächst Real trainieren, müsste er sich definitiv von seiner Defensivtaktik verabschieden. Mit dieser hat er Fans und Kritiker gegen sich aufgebracht, obwohl der Erfolg ihm recht gibt. Auch gegen die Bayern wird er deshalb bewährt defensiv und kompakt beginnen.

Ein von den Bayern Verschmähter spielt dabei eine zentrale Rolle. Innenverteidiger Lucio, beim deutschen Rekordmeister nach erfolgreichen Jahren aussortiert, ist bei Inter unverzichtbar. "Das Triple ist ein großer Traum, und für Inter ist es extrem wichtig zu gewinnen", sagte der Brasilianer. "Ich habe viele schöne Jahre bei Bayern erlebt, jetzt denke ich aber nur daran, dass ich für Inter mein Bestes geben muss."

Neben Lucio werden wie so häufig zehn weitere Spieler auflaufen, die keine italienischen Staatsbürger sind. Im Halbfinal-Rückspiel beim FC Barcelona (0:1) waren es drei Brasilianer, vier Argentinier, ein Kameruner, ein Niederländer und ein Rumäne. Einziger Italiener mit Stammplatzpotenzial ist Mario Balotelli, doch der aus Ghana stammende Stürmer ist in Ungnade gefallen, weil er sich gegen rassistische Sprechchöre der eigenen Fans gewehrt hat.

Definitiv nicht auflaufen wird Thiago Motta. Der Brasilianer ist rotgesperrt und damit Mourinhos Fall Franck Ribery. "Er ist ein wichtiger Spieler, Ribery auch. Schade für den Fußball. Aber so ist das Leben", sagte Mourinho.

Das macht Mourinhos Team so stark


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