Fussball

König Midas in Chelsea

Von Andreas Lehner / Stefan Moser
Guus Hiddink ist seit zwei Wochen Trainer beim FC Chelsea
© Getty

Guus Hiddink hat den FC Chelsea in kürzester Zeit wieder auf Kurs gebracht und auch seinen Topstürmer gebändigt, Real Madrid ließ seinen Worten keine Taten folgen, die Bayern brachen mehrere Rekord und Panathinaikos hat sich wohl Taktikratschläge von Otto Rehhagel geholt.

Das Geschehen am Mittwoch kurz und knapp zusammengefasst im SPOX-Zapping:

FC Chelsea - Juventus Turin 1:0 (1:0)

Tor: 1:0 Drogba (12.)

Ein kleiner Ausflug in die griechische Mythologie. Dort gibt es die Sage von König Midas, die erzählt, dass alles was er berührte in seinen Händen zu Gold wurde. Bei Guus Hiddink scheint das genauso zu sein. Egal, welchen Job der Niederländer in Angriff nimmt, er hat Erfolg. Einziger Unterschied: Midas hatte an seiner Fähigkeit wenig Freude, weil auch Essen und Trinken vergoldet wurden und er zu verhungern und verdursten drohte.

Dieses Schicksal droht Hiddink nicht. Denn auch den FC Chelsea scheint der Niederländer innerhalb kürzester Zeit wieder zu einer europäischen Spitzenmannschaft geformt zu haben. Genau diesen Effekt hatten die Turiner nach dem Trainerwechsel befürchtet. Waren sie nach der Auslosung noch äußerst glücklich, flößte ihnen die Personalie Hiddink großen Respekt ein.

Besonders Didier Drogba blüht unter dem neuen Trainer wieder auf. In erster Linie deshalb, weil er wieder spielen darf und im Sturmzentrum gesetzt ist. Mit seiner wuchtigen und robusten Spielweise hatte die Juve große Probleme. Die Folge waren ein Tor, ein nicht gegebener Elfmeter und mehrere gefährliche Szenen. In dieser Form ist der Ivorer wieder einer der besten Stürmer der Welt.

Real Madrid - FC Liverpool 0:1 (0:0)

Tor: 0:1 Benyaoun (82.)

Im Estadio Santiago Bernabeu trafen zwei der erfolgreichsten Mannschaften Europas aufeinander, umso erstaunlicher, dass es erst das zweite Duell zwischen Real und Liverpool war. Den ersten Vergleich gewannen die Reds 1981 im Finale der Landesmeister in Paris mit 1:0 und auch 28 Jahre später kam es zu diesem Ergebnis. Und das, weil Gabriel Heinze ein unfassbar dummes Foul an der Seitenlinie beging und in der Mitte Yossi Benayoun unbedrängt Einköpfen durfte.

Dabei hatten die Königlichen vor dem Spiel noch kräftig die verbale Keule geschwungen. Allen voran Real-Präsident Vicente Boluda ("Wir gewinnen 3:0. Liverpool wird bluten") und Arjen Robben ("Liverpool weiß nicht, wie man Fußball spielt") hatten mächtig auf den Putz gehauen. Der Niederländer war wenigstens auf dem Platz der Antreiber, war aber zu oft auf sich allein gestellt. Dagegen spielte Liverpool, wie es nur Liverpool kann. Kontrolliert und im entscheidenden Moment mit der nötigen Kälte. Und das, obwohl die Seele der Reds, Steven Gerrard, erst in der 88. Minute eingewechselt wurde.

Die Karten fürs Rückspiel an der Anfield Road stehen für Real also mehr als schlecht. Den Königlichen droht somit zum fünften Mal in Folge das Aus in der ersten K.o-Runde. Galaktisch sieht anders aus.

Sporting Lissabon - Bayern München

Tore: 0:1 Ribery (42.), 0:2 Klose (57.), 0:3 Ribery (63.), 0:4, 0:5 Toni (84., 90.)

Fünf Tore in der Königklasse für die Bayern? Gab's noch nie - Vereinsrekord! Zum 14. Mal in Folge auswärts mindestens ein Tor geschossen? Gab's überhaupt noch nie - Champions-League-Rekord! Mit dem deutlichen 5:0-Sieg bei Sporting Lissabon schrieben die Münchner Geschichte.

Und dafür reichten Toni, Ribery und Klose ganze sieben Torschüsse. Heißt für den armen Tiago im Tor der Portugiesen: 70 Prozent aller Bälle, die er im Spiel berührte, musste er aus dem Netz holen.

Dass sein Gegenüber Michael Rensing trotz wackeliger Defensive in der ersten Hälfte ebenfalls nur zwei Torschüsse parieren musste, legt indes auch den Schluss nahe, dass die Bayern an diesem Mittwoch nicht eben gegen die stärkste Offensive der Welt ran mussten. Zur SPOX-Analyse

FC Villarreal - Panathinaikos Athen 1:1 (0:0)

Tore: 0:1 Karagounis (59.), 1:1 Rossi (67./FE)

Viele Leute sagen, 2004 war nicht gerade das beste Jahr für den Fußball. Warum das viele Leute sagen? Weil Griechenland damals Europameister wurde und alles andere als modernen Fußball spielte. Aber Otto Rehhagel sagt immer, modern ist, was erfolgreich ist.

Und von Rehhagel lernen, heißt Siegen lernen. Denn in Villarreal packte Panathinaikos-Trainer Henk ten Cate mal wieder das urgriechische System der Fünferkette aus, in der der Loucas Vintra einen verkappten Libero gab.

An diesem System biss sich auch schon Werder Bremen die Zähne aus. Und wie die Bremer machte Villarreal Bekanntschaft mit den Weitschusskünsten von Giorgos Karagounis. Dass es am Ende doch noch für ein Unentschieden reichte, lag auf der einen Seite an einem richtig ungeschickten Foul von Jakub Wawrzyniak und auf der anderen Seite am österreichischen Schiedsricher Konrad Plautz, der zuvor ein klares Foulspiel am Polen nicht ahndete. Es hätte also eigentlich Freistoß für Athen geben müssen. So gab es Elfmeter für Villarreal.

Das SPOX-Zapping vom Dienstag: Auf eine Zigarette mit Gallas

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