Fussball

Schalke 04 verliert auch unter Huub Stevens: Es fehlten nur knapp vier Gramm

Huub Stevens stand gegen RB Leipzig nach 1133 Tagen erstmals wieder als Trainer des FC Schalke 04 an der Seitenlinie.

Der neue Trainer Huub Stevens ist mit der Leistung seiner Mannschaft bei seinem dritten Trainer-Debüt für den FC Schalke 04 zufrieden. Trotz der 0:1-Niederlage gegen RB Leipzig sah er Dinge, die ihn im Abstiegskampf positiv stimmen.

Exakt viermal erwähnte Huub Stevens diese verdammten knapp vier Gramm im Sky-Interview direkt nach dem Spiel. Sie sollten herhalten als Begründung, warum seine Mannschaft gegen Leipzig nicht punktete, obwohl sie doch eigentlich ganz ordentlich gespielt hatte. Natürlich, es ging um das sogenannte "Quäntchen Glück".

Dieses Quäntchen - eine Maßeinheit für knapp vier Gramm, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Handelsgewicht verwendet wurde - Glück fehlte Schalke etwa in der 2. Minute, als Mark Uth vor seinem vermeintlichen Treffer zum 1:0 knapp im Abseits stand. Es fehlte auch in der 14., als der Ball nach einem Gestocher recht zufällig bei Timo Werner landete, der zum letztlich entscheidenden Leipziger 1:0 einschoss. Und dann fehlte es natürlich auch in der 76., als Suat Serdars Schuss die Latte streichelte. Das waren aber nur die offensichtlichsten Momente, das Quäntchen Glück fehlte noch viel öfter.

Der Knurrer von Kerkrade wählt den sanften Weg

Stevens jedenfalls, das betonte er nach dem Spiel immer wieder, machte nicht seine Mannschaft für das fehlende Quäntchen Glück verantwortlich. "Man kann den Jungs heute keinen Vorwurf machen", sagte er. "Sie haben gekämpft, alles getan." Der Fußballgott oder wer auch immer wollte nun mal nicht, dass Schalke gleich in Stevens erstem Spiel seiner dritten Amtszeit in die Erfolgsspur zurückfindet. "Ich hau die Jungs jetzt zusammen und jage sie die Treppe hoch", sagte Stevens und meinte es natürlich im Scherz. "Nein, ich glaube nicht, dass das der richtige Pfad wäre." Stevens will das Gegenteil machen: seinen Spielern gut zureden.

Der Knurrer von Kerkrade wählt den sanften Weg - beim "schwierigsten Job, den ich je hatte", wie Stevens erklärte. Und um die Tragweite dieser Aussage zu begreifen, muss man wissen, dass Stevens einerseits bereits 65 Jahre alt ist und andererseits bisher schließlich nicht nur zweimal Schalke, sondern auch andere chronisch schwierige Klubs wie den Hamburger SV, den VfB Stuttgart oder den 1. FC Köln trainierte.

Spruchband der Fans: "Danke Domenico! Söldner aussortieren!"

Diesmal aber ist die Lage besonders prekär. Der Vorsprung auf Stuttgart auf dem Relegationsplatz beträgt nur noch drei Punkte. Schalke verlor die letzten sechs Pflichtspiele in Folge. Erstmals in seiner Bundesligageschichte blieb Schalke in vier Heimspielen in Folge torlos. Dazwischen gab es noch das 0:7 im Achtelfinalrückspiel der Champions League bei Manchester City, das Stevens' Vorgänger Domenico Tedesco den Job gekostet hatte.

Trotz seiner Entlassung war Tedesco aber auch am Samstag omnipräsent. Die Fans bedankten sich bei ihm für seine knapp eineinhalbjährige Amtszeit, die den zwischenzeitlichen Höhepunkt Vizemeisterschaft erlebte. Für die Fans laufen die Schuldigen auf dem Platz herum und stehen nicht daneben. "Danke Domenico! Söldner aussortieren!", stand nach Abpfiff in riesigen Lettern auf Spruchbändern in der Nordkurve. Die angesprochenen Spieler standen davor uns schauten sich das ein paar Minuten lang an.

"Du hast als Trainer nicht immer alles in der Hand", sagte Stevens noch vor dem Spiel. "Du kannst noch so gute Analysen machen oder noch so gut arbeiten vor einem Spiel, aber in den 90 Minuten kannst du nicht so viel machen. Dann sind es doch die Spieler, die es tun müssen."

Stevens beorderte Rudy und Uth zurück in die Startelf

Es war leise Kritik, die seine Spieler gegen Leipzig aber nicht bestätigten. Sie taten vieles, was Stevens gefordert hatte. "Schalke braucht Leidenschaft, Kampfgeist, Leben", erklärte Stevens. "Das sind Sachen, die habe ich heute wieder gesehen." Schalke begann druckvoll, haderte nach dem Rückstand zwar etwas, aber gab sich nicht auf, stand defensiv stabiler als zuletzt und erspielte sich im Laufe der zweiten Halbzeit einige gute Ausgleichschancen. "Wir haben versucht, die einfachen Sachen zu 100 Prozent richtig zu machen", sagte Sebastian Rudy.

Er war einer der ersten Gewinner unter Stevens. Tedesco hatte Rudy zuletzt nicht mehr berücksichtigt, beim ersten Spiel unter Stevens stand er direkt in der Startelf. Genau wie Uth, der neulich gar aus dem Kader geflogen war. Der Stürmer zeigte sich bemüht, schloss insgesamt viermal ab. Abgesehen von diesem Duo begannen nur Spieler, auf die auch Tedesco gebaut hatte. Im Tor stand Alexander Nübel, nicht Ralf Fährmann - der als einziger aktueller Spieler bei Stevens' letzter Amtszeit schon im Schalker Kader stand.

Ab Sonntag hat Stevens wegen der anstehenden Länderspielpause nun fast zwei Wochen Zeit, um seine Mannschaft auf die letzten acht Saisonspiele vorzubereiten und mit ihr den vierten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. Eigentlich hatte er für diese Zeit aber ganz anderes vor: "Ich wollte mit meiner Frau am Sonntag nach Mallorca fliegen." Bangen auf Schalke statt Baden auf Malle.

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